Archiv

Artikel Tagged ‘varoufakis’

Was Obama Griechenlands Premierminister nicht sagen wird …

10. August 2013 / Aufrufe: 1.207 1 Kommentar

Yanis Varoufakis vermutet den einzigen positiven Aspekt der Begegnung des griechischen Premierministers mit Obama darin, dass sie von kurzer Dauer sein wird.

Schon seit ungefähr zwei Jahren schütteln die herrschenden amerikanischen Kreise voller Sympathie ihren Kopf, wenn sie von Griechenland hören. In ihren Wahlkampf-Geplänkeln mögen sie die Wähler damit einschüchtern, Amerika werde das Schicksal Griechenlands haben, wenn sie den „Gegner“ wählen, wenn jedoch die Dissonanz des Wahlkampfs zwischen ihnen abklingt, begegnen sie uns Griechen wie sympathischen Opfern. Wessen? Europas.

Die amerikanische Optik, durch die in Washington das Griechenland der Krise verständlich wird, basiert auf der Vergegenwärtigung eines riesigen Unterschieds zwischen den USA und Europa: nämlich der unendlich größeren Bereitschaft der Amerikaner, fehlgeschlagene Versuche ihrem Schicksal zu überlassen, damit sie ihre Energie einer neuen, hoffnungsvolleren Unternehmung zuwenden. Anders gesagt, auf ihrer Fähigkeit, eine neue Seite aufzuschlagen.

Für die Amerikaner ist das Eingeständnis des Misserfolgs ein Zeichen der Stärke – im Gegensatz zu den Europäern, die bis zum „bitteren Ende“ die Verleugnung der Realität bevorzugen.
Gesamten Artikel lesen »

Griechenland: Es war einmal ein kleiner überschuldeter Staat

21. Juli 2013 / Aktualisiert: 08. Februar 2017 / Aufrufe: 4.242 8 Kommentare

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis warnt ausdrücklich vor der Frankfurter Lösung, sprich Staaten wie Griechenland aus der Eurozone zu entfernen.

Es gab einmal einen kleinen, überschuldeten Staat. Weil jedoch das Geld überall als unaufhörliche (von idiotischen Banken der Wall Street, City, Nordeuropas generierte) ökumenische Flut floss, lagen die Kosten der Finanzierung überall bei Null, und somit schenkte ihnen niemand Beachtung.

Im Herbst 2008 wich die Flut plötzlich der Ebbe. Nachdem mit der Ebbe die Liquidität des Banksektors langsam „austrocknete“, kam auch die … Stagnation in der realen Wirtschaft. Das nationale Einkommen des kleinen, überschuldeten Staates begann unvermeidlich zu einer Stunde zu sinken, als der Rhythmus des Anstiegs der Verschuldung (sprich der Zinsen) zunahm (infolge des internationalen Liquiditätsmangels, der die Zinsen hochtrieb).

Irgendwann lieh diesem kleinen Staat niemand mehr Geld, um seine Verschuldung zu bedienen (sprich zu recyceln), die sich 2008 auf 260 Mrd. Euro belief.
Gesamten Artikel lesen »

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2 Seite 3

Schuldenschnitt für Griechenland ist unausweichlich

15. Juli 2013 / Aktualisiert: 21. Juli 2013 / Aufrufe: 1.358 5 Kommentare

Laut dem Wirtschaftwissenschaftler Yanis Varoufakis ist die Verschuldung Griechenlands untragbar und ein neuer Schuldenschnitt unausweichlich.

Yanis Varoufakis brachte in einer Sendung des TV-Senders SKAI seine Gewissheit zum Ausdruck, dass die öffentliche Verschuldung Griechenlands nicht tragbar sei und unterstrich, „es wird einen Schuldenschnitt geben, ob Frau Merkel es will oder nicht„. Weiter merkte er an: „Das Thema ist, wie er erfolgen wird. Wird es wie in der Vergangenheit geschehen, mit den diversen PSI, die sich als toxisch erwiesen und Wasser auf die Mühle der Krise gossen, oder wird er auf eine Weise erfolgen, die der Eurozone und natürlich Griechenland helfen wird?

Der bekannte Wirtschaftswissenschaftler betonte, Griechenland sei bereits zweimal bankrott gegangen, und schätzt ein, dass es auch ein drittes Mal geben wird, entweder mittels einer zinsfreien Verlängerung oder eines Schnitts. „Und das wird weder für Griechenland noch für die Eurozone erlösend und heilend sein„, führte er an.

Zwei Dinge können die Länder der Eurozone tun, um sich zu entwickeln. Das eine ist, aus dem Euro auszuscheiden, einen großen ‚Krach‘ zu erleben und nach ein, zwei Jahren wieder mit dem Wachstum zu beginnen. Das andere – von mir favorisierte – ist die Europäische Investitionsbank, die die Möglichkeit hat, die Basis des neuen europäischen Deals zu werden.

(Quelle: To Pontiki)

Relevante Beiträge:

Austeritäts-Maßnahmen in Griechenland sind illegal

29. April 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 830 1 Kommentar

Laut dem britischen Professor Keit Ewing sind die Griechenland von EU und Troika aufgezwungenen Austeritäts-Maßnahmen sind illegal.

Die Griechen können die Europäische Union und die Europäische Zentralbank wegen der ihnen auferlegten Maßnahmen „inakzeptabler Austerität“ vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagen, vertritt der renommierte Professor für öffentliches Recht am Londoner King’s College, Keit Ewing, der sich für eine Reihe von Vorlesungen an den Universitäten von Melbourne und Sydney in Australien befindet.

In seinen Erklärungen gegenüber „Neos Kosmos“ vertritt Professor Ewing, die Griechenland auferlegten Maßnahmen seien sowohl hinsichtlich des Europäischen Rechts als auch der griechischen Verfassung „illegal und verfassungswidrig„.
Gesamten Artikel lesen »

Der ESM muss endlich sein „S“ bekommen

23. April 2013 / Aktualisiert: 14. Juli 2013 / Aufrufe: 1.209 2 Kommentare

Die Stabilität in der Eurozone könnte durch zwei simple Schritte erreicht werden, die dem ESM gestatten würden, in Staaten wie Griechenland und Irland direkt einzugreifen.

Erinnern Sie sich, wie die Eurogruppe die „Besteuerung“ der Sparguthaben (sogar auch der garantierten) in jenem ihrem ersten – unerklärlichen – Beschluss zur „Rettung“ der zyprischen Wirtschaft bezeichnete? Sie nannte sie „Stabilitätsabgabe“ – auf Englisch „stability levy“.

Wäre jene „Stabilitätsabgabe“ nicht schließlich von dem zyprischen Parlament abgelehnt worden, hätte sie eine große, unmittelbare destabilisierende Auswirkung auf die gesamte Eurozone gehabt. (Darin sind sich inzwischen alle einig – angefangen von Herrn Schäuble und Frau Lagarde bis hin zum neuen Präsidenten der Eurogruppe.)

Erinnern Sie sich, wie die EU traditionell die Abkommen benannte, die allesamt darin fehlschlugen, nach der Krise des Jahres 2008 die Stabilität der Eurozone zu gewährleisten? Stabilitätsabkommen!

Erinnern Sie sich, wie der Fonds zur „Stützung“ der Pleite-Mitgliedstaaten und -Banken genannt wurde, der nach dem ersten griechischen Memorandum gegründet wurde und sich danach zu einem dauerhaften Mechanismus weiterentwickelte? Europäische Stabilitätsfazilität (EFSF, englisch: European Financial Stability Facility) und Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM, englisch: European Stability Mechanism).
Gesamten Artikel lesen »

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

Die traurige Algebra des Schuldenrückkaufs für Griechenland

10. Dezember 2012 / Aktualisiert: 12. Dezember 2012 / Aufrufe: 1.220 5 Kommentare

Autor: Yanis Varoufakis

Thema: Rückkauf griechischer Anleihen zur Reduzierung der Staatsverschuldung

Wir halten also fest: Unter Aufwendung eines (geliehenen) Betrags P für den Rückkauf von Anleihen entspricht der Gewinn des griechischen Fiskus F = P x [(100 – x) / x], wobei F die Milliarden der eliminierten Verschuldung sind und x der Preis für den Rückkauf der Anleihen ist, ausgedrückt als Prozentsatz ihres Nennwerts.

Schauen wir uns ein Beispiel an: Wenn (wie anfänglich bei der Eurogruppe vereinbart worden war) der Rückkauf gegen 28% des Nennwerts der Anleihen erfolgen würde (also x = 28 wäre), würde die Regierung mit den 10 Mrd.Euro, die sie sich von der EFSF leihen wird, um ihre Anleihen von den privaten Inhabern zu kaufen (also P = 10), eine Senkung der Verschuldung um 25,7 Mrd. erzielen. Voraussetzung für eine solche Senkung ist natürlich abgesehen von den 15 Mrd., welche die griechischen Banken zu „verkaufen“ gezwungen sind, dass die Hedgefonds Anleihen im Nennwert von weiteren 25 Mrd. Euro (von den 45 Mrd., über die sie verfügen) zu verkaufen haben. Das Problem ist allerdings, dass allein die Bekanntgabe, der griechische Staat habe sich 10 Mrd. Euro für den Rückkauf geliehen, den Rückkaufpreis der Anleihen rapide erhöht.

Hätte der Staat auf dem vereinbarten Preis von 28% bestanden, hätten die Hedgefunds auf keinen Fall Anleihen von 25 Mrd. Euro angeboten, damit sich der Gewinn von 25,7 Mrd. Euro ergibt – womit Regierung und EU gezwungen wurden, Wasser in ihren Wein zu geben und einen höheren Preis zu bieten, den die Versteigerung auf nahe bei 35% des Nennwerts der Anleihen bestimmen wird. Ergo, x = 35 anstatt x = 28 in der obigen Gleichung. In Werten der Reduzierung der Verschuldung ausgedrückt beschränkt sich somit der Gewinn des Fiskus von 25,7 auf 18,6 Mrd. (was selbstverständlich voraussetzt, dass die Hedgefunds zu diesem Preis wenigstens 14 Mrd. verkaufen werden).

Wir haben natürlich nicht zu vergessen, dass das Ziel der Eurogruppe für den Schuldenrückkauf eine Senkung der griechischen Staatsverschuldung um 31 Mrd. war. Es ist jedoch offensichtlich, dass einige Tage nach der Eurogruppe deren Planung von der Realität gekippt wird. Anstatt einer Senkung um 31 Mrd. Euro wird der Rückkauf im besten Fall eine Senkung um 18,6 Mrd. Eurobringen. Der deutsche Bürger wird ein weiteres Mal zu hören bekommen, dass ein weiterer Plan für Griechenland in Rekordzeit fehlschlug. Das ist jedoch nicht alles. Das Schlimmste ist die Verurteilung der Rekapitalisierung der griechischen Banken zu einem völligen, sensationellen und bezeichnenden Reinfall.

Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe, stellt der Schuldenrückkauf als Mittel zur Senkung der öffentlichen Verschuldung ein PSI No. 2 ausschließlich für die griechischen Banken (und parallel eine große Belohnung der Hedgefunds) dar. Womit auch hierin der höchste Unsinn liegt, dass der griechische Steuerzahler sich von dem nordeuropäischen Steuerzahler (im Rahmen der berühmten Tranche) ungefähr 24 Mrd. Euro zu dem Zweck leiht, diese den unter einem dramatischen Kapitalmangel leidenden Banken zu geben. Die Bedingung für diesen neuen Kredit ist jedoch, dass das Finanzministerium den selbigen Banken einen „Haircut“ in der Größenordnung von 14 Mrd. auferlegt.

Wie allen bekannt ist, würde jedoch sogar auch ohne den „Schnitt“ die Rekapitalisierung der 24 Mrd. Euro nicht ausreichen, um die Banken solvent zu machen (was auch die EZB eingesteht und erklärt, die griechischen Banken haben abgesehen von der Rekapitalisierung einen unmittelbaren Bedarf, privates Kapital anzuziehen) – zumal jetzt, wo ihnen auferlegt wird, mit einem einzigen Posten einen Wert von 14 Mrd. Euro aus ihren Büchern zu streichen!

Die als großen Erfolg für Griechenland bejubelten letzten Beschlüsse der EU übersetzen sich zusammenfassen in dem folgenden absurden Theater:

Wir leihen uns 10 Mrd. um uns – den insolventen griechischen Banken einen „Cut“ von 14 Mrd. Euro auferlegend – weitere 24 Mrd. Euro von der EFSF zu leihen, um sie den … selben Banken zu geben und dabei wissen, dass sie insolvent bleiben und den Unternehmen nicht einen einzigen Heller an Liquidität gewähren werden.

Wir beschließen Maßnahmen in Höhe von 12,5 Mrd. Euro für 2013, um von dem einen Zweig der EU (der EFSF) diese 24 Mrd. Euro zu erhalten, sowie auch einige andere, aus denen der Löwenanteil zur Abzahlung des anderen Zweigs der EU (der EZB) verwendet werden wird. Anders gesagt, die EU nimmt Gelder aus der einen Tasche, steckt sie in die andere, und derweilen wird die griechische Wirtschaft zu einer Stunde, wo ihr nationales Einkommen sinkt, noch mehr verschuldet.

Als ob all dies nicht reichen würde, gewährleisten die Maßnahmen über die 12,5 Mrd. Euro, dass der Staat für weitere zwei Jahre ein primäres Defizit haben wird (wogegen wir es mit Maßnahmen von gerade einmal 2 Mrd. Euro heute eliminiert haben würden).

Im selben Moment täuschen wir die Bürger der Staaten, die uns Geld leihen, und natürlich das griechische Volk, und sprechen von einer Schrumpfung der öffentlichen Verschuldung auf 124% im Jahr 2020, wobei das günstigste Szenarium (welches mit überschwänglichem Optimismus das Ende der Rezession und einen kleinen Anstieg des BIP prognostiziert) im besten Fall eine Verschuldung in der Größenordnung von 168% für 2020 angibt.

Ich schließe mit einer Frage: Glauben Sie, dass die Fortsetzung dieser Täuschung der öffentlichen Meinung in Griechenland und speziell in Nordeuropa die Position des Landes innerhalb der Eurozone langfristig verbessert? Oder untergräbt sie diese möglicherweise?

Quelle: Protagon (originaler griechischer Beitrag), On the sad algebra of the Greek Debt Buyback (englischer Beitrag des Autors)
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

Griechenland und das Schneeballsystem der EZB

22. August 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 2.569 6 Kommentare

Eine im August 2012 zum Nennwert getilgte griechische Staatsanleihe zeigt, wie die EZB ein betrügerisches Schneeballsystem schuf, das unweigerlich zusammenbrechen muss.

Der Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis schlug bereits gegen Ende Juli 2012 in einem ausführlichen Artikel ein 24-Tage-Programm für Griechenland vor und ging speziell auf eine im Besitz der Europäischen Zentralbank (EZB) befindliche griechische Staatsanleihe ein, die am 20 August 2012 auslief und deren Tilgung er in unmittelbaren Zusammenhang mit dem weiteren Verbleib (oder nicht) Griechenlands in der Währungsgemeinschaft setzte.

Wie Griechenland sich das benötigte Geld besorgte und die Anleihe bezahlte, auf was es sich damit – wieder einmal und entgegen jeder Logik – eingelassen hat, und warum das von der EZB geschaffene betrügerische Pyramiden- bzw. Schneeballsystem per Definition zum Zusammenbruch verurteilt ist, legt Yanis Varoufakis in einem Artikel dar, der am 20 August 2012 auf dem griechischen Portal “Protagon” publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.
Gesamten Artikel lesen »

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

Der Schleier des Schweigens in Griechenland

4. August 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 1.681 1 Kommentar

Die Zentralbank in Griechenland schaut tatenlos der imaginären Rekapitalisierung griechischer Banken zu, während die Troika sich in skandalöses Schweigen hüllt.

Vor dem aktuellen Hintergrund der Übernahme des abgespaltenen „gesunden“ Teils der staatlichen ATEbank durch die Piräus Bank (siehe Piräus Bank übernimmt ATEbank in Griechenland), aber auch weiterer anstehender Privatisierungen, Verkäufe und Übernahmen im griechischen Bankwesen enthüllt eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters die Machenschaften griechischer Bankiers, durch die gegenseitige Vergabe von Krediten zu imaginären Kapitalerhöhungen ihrer Banken zu schreiten, während Zentralbank und Troika diesem Treiben tatenlos zuschauen.

Warum einerseits die Griechische Bank mit ihrer Haltung nicht nur die eigene Rolle untergräbt, sondern auch die Umgehung der Regelungen der Europäischen Union bezüglich der Kapitalausstattung der Banken duldet, und andererseits das Schweigen der Troika gegenüber dieser Form der Korruption einen unerhörten Skandal darstellt, legt der Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis in einem Artikel dar, der am 03 August 2012 auf dem griechischen Portal “Protagon” publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.
Gesamten Artikel lesen »

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

24-Tage-Programm für Griechenland

28. Juli 2012 / Aktualisiert: 29. Juli 2012 / Aufrufe: 9.133 27 Kommentare

Die Regierung in Griechenland hat zum 20 August 2012 eine signifikante Entscheidung zu treffen, die vielleicht auch ihre letzte wichtige Entscheidung sein wird.

Laut dem Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis schob die Troika die Vorlage ihres anhängigen Berichts über die Lage in Griechenland nicht von ungefähr auf September hinaus, zumal es seines Erachtens kaum jemanden geben dürfte, der mehr als 2 Stunden für die Beurteilung der Lage benötigen wird. Vielmehr sieht er einen unmittelbaren Zusammenhang mit der am 20 August 2012 fällig werdenden griechischen Anleihe, die sich in den Händen der EZB befindet und folglich zu ihrem gesamten Nennwert von 3,2 Mrd. Euro auszulösen ist.

Warum die Fälligkeit ausgerechnet dieser Anleihe möglicherweise die schon lange überfälligen Entscheidungen über den – so wie so ernsthaft in Frage stehenden – Verbleib Griechenlands in der europäischen Währungsgemeinschaft erzwingen wird, legt Yanis Varoufakis in einem Artikel dar, der am 27 Juli 2012 auf dem griechischen Portal „Protagon“ publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

24-Tage-Programm

Am 20 August 2012 wird die Regierung ihre signifikanteste – vielleicht die letzte signifikante – Entscheidung treffen. Es ist der Tag, an dem eine jener Anleihen ausläuft, die nicht „geschnitten“ wurden, weil sie von der EZB aufgekauft worden waren (wie bekannt betrachtet letztere ihre eigenen Anleihen im Gegensatz zu denen der Kleinanleger und Versicherungsträger als etwas wie heilige Kühe). Um sie auszulösen, muss sich der griechische Fiskus irgendwo ungefähr 3,2 Mrd. Euro leihen, um zu 100% die EZB zu bezahlen, wozu anzumerken ist, dass diese die Papiere im vergangenen Jahr für 2,3 Mrd. Euro gekauft hatte – die EZB macht also einen alles andere als unbedeutenden Gewinn der Größenordnung von 900 Millionen Euro (*).

Es ist kein Zufall, dass die Troika abreiste um im September 2012 mit ihrer Bewertung zurückzukehren – also nach dem 20 August 2012. Benötigen sie drei Monate um festzustellen, dass das „Programm“ stecken geblieben ist? Dass die Gelder aus den Privatisierungen sich auf 5% der (unsinnigerweise) versprochenen belaufen werden? Dass der „Aufschwung“ am Boden liegt, dort auch in den kommenden Jahren bleiben und den Zeitplan der Tilgungszahlungen für unsere Kredite anfänglich an die Troika und (nach 2010) die Bankiers des Herrn Dalaras in die Luft sprengen wird? Dass selbst die gewinnbringendsten Unternehmen nicht mehr von den Banken finanziert werden und somit der vollständige Zusammenbruch des Arbeitsmarktes, der öffentlichen Einnahmen und der Versicherungsträger garantiert ist? Gibt es jemanden beim IWF oder in der EZB oder in der EU, der mehr als 2 Stunden benötigen würde, um den heißbegehrten Bewertungstext zu schreiben? Oder muss Herr Thomsen um jeden Preis Urlaub machen und beschloss „Rückkehr im September“, zusammen mit den Winterkinos?

Natürlich nicht. Der Bericht der Troika ist fertig. Der IWF hat bereits entschieden, dass auf Basis der finanztechnischen Fakten das Memorandum 2 „ausgegangen“ ist. Dass es keine Verlängerung retten wird. Es bleibt einfach nur, den politische Entschluss zu fassen. Entsprechend ist das genau selbe auch der EZB bestens bekannt und sie begreift, dass Griechenland irgendwann gezwungen sein wird, seine Verpflichtungen ihr gegenüber zu brechen. Ebenso auch den übrigen Mitgliedstaaten der Eurozone: sie erwarten, dass ein großer Teil der Griechenland gewährten bilateralen Kredite „geschnitten“ werden wird. Das Thema „was machen wir mit Griechenland“ ist somit weder finanztechnisch, noch basiert es darauf, welche wie auch immer gearteten Kürzungen und Reformen die Regierung (bis September) vornimmt, und auch nicht auf den Einschätzungen des Herrn Thomsen und der Troika. Wovon es abhängt? Es hängt ganz einfach davon ab, ob Deutschland, Holland, Finnland gemeinsam beschließen, entweder uns durch das Fenster aus dem Euro hinauszuwerfen oder den „Schnitt“ unserer Schulden zu gestatten (etwas, das – wie wir uns erinnern – unter dem Euphemismus „Umschuldung“ bekannt ist).

Gestattet mir eine Stellungnahme: Falls sie befinden, uns aus dem Fenster stürzen zu können und damit Spanien und Italien zu retten, werden sie es im selben Augenblick tun! Der Grund ist simpel: Der EFSF verfügt nach den Geldern, die er den spanischen Banken zugesagt hat, über weitere 80 bis 90 Milliarden. Was den ESM betrifft, also den beständigen Mechanismus, der den EFSF ersetzen wird, ist seine Gründung bei dem Verfassungsgerichtshof Deutschlands hängen geblieben. Derweilen benötigen die Fisken Spaniens und Italiens unmittelbar 800 Mrd. innerhalb des Jahres 2013. Es ist offensichtlich, dass, wenn Frau Merkel vor ihren Bundestag tritt und solche Summen zur Stützung des EFSF verlangen wird, sie diese auf keinen Fall erhalten wird – außer, sie stützt sich so sehr auf die Opposition der SPD, dass sie ihre Parteibasis verliert. Ganz einfach, sie wird es nicht tun, speziell ein Jahr vor den Bundestagswahlen. Andererseits, wenn sie es nicht tut, wird sie bald zu damit beginnen haben, D-Mark zu drucken, da der Zusammenbruch Spaniens und Italiens innerhalb der Eurozone inzwischen mehr als gegeben ist.

Eine Überlegung, die derzeit Frau Merkel umgibt (und die ihr diverse Berater eingeflößt haben), ist folgende: Wenn Griechenland durch das Fenster aus dem Euro geworfen wird und ein ungeheurer Aufruhr an den Börsen folgt, werden sich die deutschen Wähler in die Hosen machen. Sie werden befürchten, das gesamte europäische Konstrukt und sogar auch selbst Frankfurt in Erschütterung geraten zu sehen. Mit dieser Angst, denkt sich Frau Merkel, werden sie vielleicht vorbereitet sein, ihren Vorschlag zur Rettung Spaniens und Italiens mit ungeheuren Summen zu akzeptieren. Indem sie sogar griechisches Blut „geleckt“ haben (da Griechenland durch eine chaotische und katastrophale Rückkehr zur Drachme ausbluten wird), wird unser Land vollständig die Rolle des Sündenbocks gespielt haben, damit die öffentliche Meinung in Deutschland bereit ist, große stimulierende und teure Spritzen zugunsten Spaniens und Italiens zu akzeptieren.

Andererseits hört Frau Merkel natürlich auch auf entgegen gesetzte Meinungen, welche ihr sagen, es sei unmöglich, dass jemand ein Absacken voraussehen und handhaben kann. Dass ein Ausscheiden Griechenlands den Sack des Äolus öffnen wird und nicht von der Eurozone aufrecht bleiben wird. Wenn jedoch Frau Merkel diese Berater fragt, was geschehen könne, damit Griechenland letztendlich nicht aus dem Euro ausscheidet, zerbricht ihre Antwort ihr das Herz, da sie weiß, dass sie das, was zu geschehen hat, im Bundestag nicht einmal zu flüstern bereit ist. Was dies ist? Eine Lösung wäre der Schnitt der griechischen Schulden an die Troika – den ich bereits ansprach. Eine andere Lösung wäre ein Moratorium bei den Tilgungen, so dass der Betrag der Schulden der selbe bleibt, jedoch die Tilgungen einfrieren, bis die griechische Wirtschaft zu schrumpfen aufhört. Die erste Lösung wird nicht von der EZB akzeptiert werden, da sie völlig das Dogma umstürzt, die Schulden an sie seien heilig. Die zweite Lösung lehnen die Überschussländer ab, da so etwas die politische Verhängung harter Austerität für Spanien und Italien annullieren würde. Warum? Weil diese Austerität mit mathematischer Genauigkeit die Rezession herbeiführt. Wäre also das Ende der Rezession vorab Voraussetzung für die Tilgung seitens der peripheren Staaten an die Troika (wie es in einer Währungsunion gelten müsste), würde die Verhängung von Sparauflagen für Länder wie Spanien der Erlaubnis gleichkommen, ihre Schulden niemals zu bezahlen!

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

Offener Brief an Finanzminister Stournaras in Griechenland

30. Juni 2012 / Aufrufe: 2.912 4 Kommentare

In einem offenen Brief an Finanzminister Giannis Stournaras legt Gianis Varoufakis unter anderem dar, dass Griechenland mit Aufschüben und Krediten nicht geholfen ist.

In einem offenen Brief an den griechischen Finanzminister Giannis Stournaras macht Gianis Varoufakis, seines Zeichens unter anderem Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Athen, keinen Hehl aus seinen Sorgen um die Zukunft Griechenlands in dem Umfeld einer auf ihren Zusammenbruch zusteuernden Eurozone  und warnt vor der Aufnahme neuer Kredite, weil dies zu einem sicheren Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro führen werden.

Der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegebene Text basiert auf der publizierten griechischen Version des offenen Briefs (siehe Quellangabe am Ende des Beitrags), die teilweise nicht mit der englischen Version identisch ist, welche der Autor auf seinem persönlichen Blog publiziert hat.
Gesamten Artikel lesen »

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2