Griechenland, Schuldenkrise und Entwicklung der EU zu einem Bundesstaat
Ist die Diskussion um Griechenland und die Schuldenkrise der Auftakt zur Weiterentwicklung der EU in einen Bundesstaat, um sich international wirtschaftlich behaupten zu können?.
Im Nachhall des EU-Gipfeltreffens in Brüssel am 22. Juli 2011 publizierte Panos Kolokotronis, Chefredakteur der griechischen Zeitung Vradyni, am 25. Juli 2011 in der Kolumne “Zeichen der Zeit” unter dem Titel “Neustart” einen Beitrag, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.
Zu Beginn des laufenden Monats (Juli 2011) diskutierten alle über das kritische Gipfeltreffen, und manche drückten ihre Angst vor einem möglichen Bankrott des Landes trotz der Tatsache aus, dass die Ausführungen über einen Bankrott nur in einzelnen Erklärungen gewisser europäischer Minister oder Amtsträger ausgemacht wurden, die den Begriff mehr als Hebel zur Ausübung von Druck und weniger als offene Möglichkeit benutzten.
Die Voraussetzung dafür, dass ein Land in den Armen des Internationalen Währungsfonds – für Griechenland bei dem geschaffenen Rettungsmechanismus – Zuflucht sucht, ist letzten Endes sein … Bankrott. Der Juli geht seinem Ende entgegen, das Gipfeltreffen hat stattgefunden, die Regierung feierte, weil sie das Land und die Bürger für die nächsten 30 Jahre in den Gipsverband gelegt hat, und dennoch vermag niemand die Möglichkeit des Bankrotts auszuschließen.
Kann wohl irgend ein Minister oder selbst der Premierminister das Gegenteil behaupten? Es ist offensichtlich, dass sofern wir das mittelfristige Rahmenprogramm nicht getreu seinem Buchstaben ausführen, die Ultimaten aus Brüssel und die – sei es auch vereinzelten – Statements über Zahlungseinstellung und Bankrott nicht aufhören werden.
Ist der Staatsbankrott Griechenlands unabdingbar?
Niemand behauptet, dass die Ergebnisse des Gipfeltreffens Griechenland nicht Atem verschaffen. Sie stellen jedoch keinen Anlass zum Feiern dar. Sie gleichen mehr einer Sauerstoffmaske als einem Entlassungsschein. Für den Entlassungsschein werden Jahrzehnte verstreichen und die Behandlungsgebühren werden bis dahin empor geschnellt sein. Und machen wir uns nichts vor, es besteht keine Aussicht auf Entlassung.
Wenn die Erklärungen der Amtsträger aus Washington, aber auch des Herrn Jorgos Papandreou sich auf die wirtschaftliche Regierung der Länder der Eurozone konzentrieren, ist klar, dass alle derzeit getroffenen Entscheidungen nicht exklusiv Griechenland betreffen, sondern mittels unseres Landes die “Anbindung” der peripheren und schwachen Wirtschaften Europas an den Panzer der Starken, also von Berlin und Paris verfolgen. Und natürlich streiten sich Frankreich und Deutschland (mit London und Washington) darum, wer in der europäischen Wirtschaft unter dem Schleier von Brüssel die Oberhand haben wird.
Die ganze Diskussion in den europäischen Hauptstädten mag also bezüglich der Schuldenkrise erfolgen, bezieht sich jedoch auf jeden Fall auf die europäische Wirtschaft, die auch das Bindeglied des harten Kerns der Union, sprich der Länder der Eurozone darstellt. Europa ist in eine neue Phase eingetreten. Nach Maastricht und dem Euro und mit den Reaktionen bezüglich der Europäischen Verfassung als gegeben wurde deutlich, dass nach einer Dekade der einzige Weg zur Weiterentwicklung der – in ihrer heutigen Form quasi eine Konföderation darstellenden – EU in einen Bundesstaat, der fähig ist, die Stärkung Russlands sowie auch den chinesischen Vormarsch im Mittleren Osten zu dämpfen, über die Wirtschaft führt.
(Quelle: Vradyni)










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