Griechenland und die Metöken der Europäischen Gemeinschaft
Werden Griechenland und die übrigen peripheren EU-Staaten die neuen Metöken stellen, die Aufschwung und Wohlstand der dominanten Partner gewährleisten sollen?
Das Beharren der Gläubiger Griechenlands und speziell der Troika auf Maßnahmen und Politiken, die sich nachweislich als ineffizient erwiesen haben, trugen und tragen zweifellos dazu bei, das Land noch tiefer in den Strudel der Rezession und Verschuldung zu drücken. Besonders befremdlich erscheint in diesem Zusammenhang die Forderung, nun auch noch die gesetzlichen Mindestlöhne des privaten Sektors auf ein Niveau zu senken, das nicht einmal in Ländern der sogenannten Dritten Welt, geschweige denn in einem Mitgliedland der EU auch nur die Befriedigung elementarer Grundbedürfnisse wie Wohnung, Nahrung und Kleidung gewährleistet (siehe auch Troika verlangt Entlassungen und Lohnsenkungen in Griechenland).
Ein Artikel von Lori Keza (Λώρη Κέζα), der am 14. Dezember 2011 in der Tageszeitung “To Vima” unter dem Titel “Arbeit, Gehorsam, Nahrung” publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird, reflektiert Überlegungen, die inzwischen immer mehr (und im übrigen definitiv nicht nur) Griechen zu beschäftigen beginnen.
Arbeit, Gehorsam, Nahrung
Lasst es uns zugeben. Die meisten von uns haben keinen blassen Schimmer von Wirtschaft. Es müsste also jemand offiziell die Aufgabe übernehmen, eine Geschichte zu schreiben und sie uns zu erklären, so als ob wir kleine Kinder wären. Damit wir also verstehen, warum die Schrumpfung der Löhne auf 450 Euro den Aufschwung bringen wird. Damit wir verstehen, wie es mit einer Arbeitslosigkeit bei 30% ein Vorankommen gibt. Damit wir das Beharren auf der Reduzierung der öffentlichen Ausgaben verstehen, während sich die Mechanismen zur Einnahme der Steuern wieder lockern. Damit wir verstehen, in wessen Taschen die Profite der Wettbewerbsfähigkeit fließen.
Und bevor es lautet “und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute”, stellen wir uns die Erzählung auf Attika und die Charaktere mit Rüstungen bekleidet vor. Wir werden uns an Aristoteles erinnern. Sagte nicht er, dass für den Wohlstand Bauernsklaven oder barbarische Nachbarn erforderlich sind? Für alle, denen die Definition des EFSF eben so schwer fällt wie die Beschreibung des Higgs-Bosons, gibt es die Zuflucht zur Geschichte. Aus ihr werden wir das Spiel der Gläubiger des griechischen Staates sowie auch ebenfalls die Nützlichkeit der Sklaven verstehen.
Wir können den Parthenon bewundern, weil unter dem Marmor tausende Sklaven zerquetscht wurden. Wir können die Trieren bewundern, weil in den Stollen von Lavrio bei der Förderung des Silbers Menschen starben. Die Drachme, die Währung war damals nicht etwas Fiktives, sie entsprach Reichtum. Nun könnte man sagen, dies seien Nativitäten all jener, die nichts von Makroökonomie verstehen. Und trotzdem, die Entsprechungen sind viele.
Wohlstand auf dem Rücken von Metöken und Sklaven
Wenn von der Dritten Welt und den tatsächlich billigen Arbeitskräften gesprochen wird, erinnern wir daran, dass auch in der Epoche der Klassik viele Kategorien von Personen mit eingeschränkten Freiheiten, mit unterschiedlicher Abstammung existierten. Wenn auch beispielsweise der Metöke nicht das Selbe wie der Sklave war, dienten jedoch alle zusammen dem Aufschwung der Epoche.
Noch eine Parallele: der Ausschluss von den politischen Entscheidungen. Aktuell wissen wir nicht, wie viele Griechen sich von der Regierung vertreten fühlen. Wir wissen nicht, wie viele erneut die Partei wählen würden, die sie 2009 wählten, wir wissen nicht, ob sie die Übereinkunft wünschen, wir wissen nicht, ob sie die Langzeit-Zähmung einer “Retortenregierung” zugelassen hätten. Die Beteiligung der Bürger an all dem, was sich derzeit abspielt, ist nicht einmal fiktiv. Sie existiert nicht.
Glückliche Bankiers und unglückliche Menschen
Zusätzlich schwellen auch immer mehr Stimmchen an und verlangen, dass keine Wahlen erfolgen. Zuerst muss das wirtschaftliche Modell gelingen, das die Bankiers glücklich und die Menschen unglücklich macht. Es sei etwas unterstrichen: wir sagten nicht, dass wir nicht verschuldet sind, wir weigern uns nicht, die Schulden zurückzuzahlen. Die Art jedoch, auf welche die wirtschaftliche Planung erfolgt, erinnert mehr an Peitschenhiebe als an einen strategischen Plan zum Wohl des Landes und seiner Einwohner.
Lasst es uns anders sagen: es erfolgt keinerlei ernsthafte Bemühung um den Zufluss von Kapital von Schuldnern des Fiskus, das kostspielige Militär wird nicht abgeschafft, es erfolgen keine Veräußerungen von denen, welche das staatliche Vermögen unbeschadet lassen, es wird kein Fast-Track für mittlere Investitionen etabliert. Stattdessen beziehen sich die Minister der Übereinstimmung darauf, die Beschäftigten des privaten Sektors mit Füßen zu treten und des öffentlichen Sektors zu vertreiben (wobei sich letztere sehr darüber freuen werden, die 450 Euro zu bekommen, wenn sie völlig unbezahlt sind).
Wir sollen uns fragen: wollen wir den Parthenon der “Merkozies” bauen? Darauf läuft die Sache nämlich hinaus … . Wir werden gemäß der Definition des Aristoteles die Sklaven des Mindestlohns, die Metöken des europäischen Marktes. Wir werden für den Wohlstand der anderen arbeiten.
(Quelle: To Vima, Autorin: Lori Keza)










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