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Ende der Selbstkritik in Griechenland

9. August 2012 / Aktualisiert: 05. Januar 2016 / Aufrufe: 469 Kommentare ausgeschaltet

Autor: Kostas Giannakidis

Thema: Μαζί τα φάγαμε – Wir haben es (das Geld) gemeinsam durchgebracht

Die Internetbenutzer hängen wie Trauben von der Seite Mazi Ta Fagame des Theodoros Pagkalos herab. Die Vorhaben ist bekannt: Herr Pagkalos sammelt Aussagen und Meinungen von Bürgern, welche die Version der Mitverantwortung dokumentieren, so wie diese in dem – inzwischen klassischen – „Mazi Ta Fagame“ komprimiert wurde. Das Vorhaben wird erfolgreich sein, das ist sicher. Dort drinnen werden sich tausende Geschichten sammeln. Die Frage ist, was jeder von uns dort von Seite zu Seite sehen wird. Die einen werden einen Spiegel der Gesellschaft sehen. Und andere ein verzerrtes Bild. Dort liegt auch der Kern unserer Tragödie. Wir können uns immer noch nicht darüber einigen, aus welchem Grund all dies geschieht.

Betrachten Sie das Problem nun in einer anderen Dimension: Der Wirtschaftsstaatsanwalt Peponis lud den ehemaligen Vertreter Griechenlands im IWF vor, damit dieser ihm erklärt, was er meinte als er behauptete, dem IWF sei bekannt gewesen, dass das Programm Griechenlands kein Ergebnis haben werde. Und schön, als allgemeine Stellungnahme mag dies gerechtfertigt sein – wir leben in Griechenland, griechische Politiker sollten das Programm umsetzen. Panagiotis Roumeliotis hatte es jedoch konkretisiert. Falls Sie sich erinnern, er hatte geäußert, Papandreou habe einen Vorschlag von Strauss-Kahn zur Umschuldung abgelehnt. Als Meldung ist dies interessant und nur Strauss-Kahn könnte sie von Vermutungen reinigen. Roumeliotis hatte ebenfalls geäußert, dass wir Kredite zu hohen Zinsen von unseren Partnern aufnahmen und keine Verhandlungen über den Zeitraum der volkswirtschaftlichen Angleichung führten. Diese Anschuldigungen sind tatsächlich diskutierbar, speziell jene bezüglich des Zinssatzes. Hinter die Positionen des ehemaligen Repräsentanten stellen sich Etliche, die noch weiter gehen. Es gibt parlamentarische Parteien, welche erachten, es sei falsch gewesen, Kredite aufzunehmen und uns nicht China, Russland, den Mönchen von Athos und dem Öl in der Ägäis zugewendet zu haben. Gleichfalls gibt es in Parlament und Gesellschaft Kräfte, welche sich bereit erklären, die Verschwörung zum Völkermord an den Griechen zu beweisen. Resultat? Wir können uns nicht nur nicht über das einig werden, was uns widerfahren ist. Wir sind auch nicht fähig, uns darüber zu einigen, was wir getan haben oder was wir im weiteren Verlauf tun müssen.

Für jede von Pagkalos publizierte Geschichte „mazi ta fagame“ wird es auch jemanden geben, der protestieren und behaupten wird, nichts „durchgebracht“ zu haben. Für jede von der Regierung ergriffene Maßnahme wird es tausende andere geben, die glauben, dass es einen anderen Weg gibt. Und es würde einen anderen Weg geben, wenn Pagkalos und seine „Kaste“ in den vergangenen Jahren ihre Arbeit getan hätten. Es ist nicht nur eine Beleidigung des Rechtsempfindens. Es ist auch eine Ausgrenzung des gesunden Menschenverstandes aus der Diskussion, die wir zu führen versuchen. Selbst wenn Pagkalos Recht gehabt hätte, hat er dieses auf der Strecke der letzten drei Jahre verloren. Was zum Teufel haben sie unternommen, damit wir es nicht alle zusammen „durchbringen“? Wie viele Steuerhinterzieher nahm er in die Zange und wie viele Institutionen modernisierte er? Die Periode der Selbstkritik war erforderlich und zog zu Recht über unsere Leben. Sie verging ungenutzt. Jetzt darf sich niemand mehr fragen, ob wir es zusammen durchgebracht haben, ohne Antworten darauf zu geben, was danach geschah, und auf all das, was heute geschieht.

Quelle: Protagon
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog