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Die traurige Algebra des Schuldenrückkaufs für Griechenland

10. Dezember 2012 / Aktualisiert: 12. Dezember 2012 / Aufrufe: 1.040 5 Kommentare

Autor: Yanis Varoufakis

Thema: Rückkauf griechischer Anleihen zur Reduzierung der Staatsverschuldung

Wir halten also fest: Unter Aufwendung eines (geliehenen) Betrags P für den Rückkauf von Anleihen entspricht der Gewinn des griechischen Fiskus F = P x [(100 – x) / x], wobei F die Milliarden der eliminierten Verschuldung sind und x der Preis für den Rückkauf der Anleihen ist, ausgedrückt als Prozentsatz ihres Nennwerts.

Schauen wir uns ein Beispiel an: Wenn (wie anfänglich bei der Eurogruppe vereinbart worden war) der Rückkauf gegen 28% des Nennwerts der Anleihen erfolgen würde (also x = 28 wäre), würde die Regierung mit den 10 Mrd.Euro, die sie sich von der EFSF leihen wird, um ihre Anleihen von den privaten Inhabern zu kaufen (also P = 10), eine Senkung der Verschuldung um 25,7 Mrd. erzielen. Voraussetzung für eine solche Senkung ist natürlich abgesehen von den 15 Mrd., welche die griechischen Banken zu „verkaufen“ gezwungen sind, dass die Hedgefonds Anleihen im Nennwert von weiteren 25 Mrd. Euro (von den 45 Mrd., über die sie verfügen) zu verkaufen haben. Das Problem ist allerdings, dass allein die Bekanntgabe, der griechische Staat habe sich 10 Mrd. Euro für den Rückkauf geliehen, den Rückkaufpreis der Anleihen rapide erhöht.

Hätte der Staat auf dem vereinbarten Preis von 28% bestanden, hätten die Hedgefunds auf keinen Fall Anleihen von 25 Mrd. Euro angeboten, damit sich der Gewinn von 25,7 Mrd. Euro ergibt – womit Regierung und EU gezwungen wurden, Wasser in ihren Wein zu geben und einen höheren Preis zu bieten, den die Versteigerung auf nahe bei 35% des Nennwerts der Anleihen bestimmen wird. Ergo, x = 35 anstatt x = 28 in der obigen Gleichung. In Werten der Reduzierung der Verschuldung ausgedrückt beschränkt sich somit der Gewinn des Fiskus von 25,7 auf 18,6 Mrd. (was selbstverständlich voraussetzt, dass die Hedgefunds zu diesem Preis wenigstens 14 Mrd. verkaufen werden).

Wir haben natürlich nicht zu vergessen, dass das Ziel der Eurogruppe für den Schuldenrückkauf eine Senkung der griechischen Staatsverschuldung um 31 Mrd. war. Es ist jedoch offensichtlich, dass einige Tage nach der Eurogruppe deren Planung von der Realität gekippt wird. Anstatt einer Senkung um 31 Mrd. Euro wird der Rückkauf im besten Fall eine Senkung um 18,6 Mrd. Eurobringen. Der deutsche Bürger wird ein weiteres Mal zu hören bekommen, dass ein weiterer Plan für Griechenland in Rekordzeit fehlschlug. Das ist jedoch nicht alles. Das Schlimmste ist die Verurteilung der Rekapitalisierung der griechischen Banken zu einem völligen, sensationellen und bezeichnenden Reinfall.

Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe, stellt der Schuldenrückkauf als Mittel zur Senkung der öffentlichen Verschuldung ein PSI No. 2 ausschließlich für die griechischen Banken (und parallel eine große Belohnung der Hedgefunds) dar. Womit auch hierin der höchste Unsinn liegt, dass der griechische Steuerzahler sich von dem nordeuropäischen Steuerzahler (im Rahmen der berühmten Tranche) ungefähr 24 Mrd. Euro zu dem Zweck leiht, diese den unter einem dramatischen Kapitalmangel leidenden Banken zu geben. Die Bedingung für diesen neuen Kredit ist jedoch, dass das Finanzministerium den selbigen Banken einen „Haircut“ in der Größenordnung von 14 Mrd. auferlegt.

Wie allen bekannt ist, würde jedoch sogar auch ohne den „Schnitt“ die Rekapitalisierung der 24 Mrd. Euro nicht ausreichen, um die Banken solvent zu machen (was auch die EZB eingesteht und erklärt, die griechischen Banken haben abgesehen von der Rekapitalisierung einen unmittelbaren Bedarf, privates Kapital anzuziehen) – zumal jetzt, wo ihnen auferlegt wird, mit einem einzigen Posten einen Wert von 14 Mrd. Euro aus ihren Büchern zu streichen!

Die als großen Erfolg für Griechenland bejubelten letzten Beschlüsse der EU übersetzen sich zusammenfassen in dem folgenden absurden Theater:

Wir leihen uns 10 Mrd. um uns – den insolventen griechischen Banken einen „Cut“ von 14 Mrd. Euro auferlegend – weitere 24 Mrd. Euro von der EFSF zu leihen, um sie den … selben Banken zu geben und dabei wissen, dass sie insolvent bleiben und den Unternehmen nicht einen einzigen Heller an Liquidität gewähren werden.

Wir beschließen Maßnahmen in Höhe von 12,5 Mrd. Euro für 2013, um von dem einen Zweig der EU (der EFSF) diese 24 Mrd. Euro zu erhalten, sowie auch einige andere, aus denen der Löwenanteil zur Abzahlung des anderen Zweigs der EU (der EZB) verwendet werden wird. Anders gesagt, die EU nimmt Gelder aus der einen Tasche, steckt sie in die andere, und derweilen wird die griechische Wirtschaft zu einer Stunde, wo ihr nationales Einkommen sinkt, noch mehr verschuldet.

Als ob all dies nicht reichen würde, gewährleisten die Maßnahmen über die 12,5 Mrd. Euro, dass der Staat für weitere zwei Jahre ein primäres Defizit haben wird (wogegen wir es mit Maßnahmen von gerade einmal 2 Mrd. Euro heute eliminiert haben würden).

Im selben Moment täuschen wir die Bürger der Staaten, die uns Geld leihen, und natürlich das griechische Volk, und sprechen von einer Schrumpfung der öffentlichen Verschuldung auf 124% im Jahr 2020, wobei das günstigste Szenarium (welches mit überschwänglichem Optimismus das Ende der Rezession und einen kleinen Anstieg des BIP prognostiziert) im besten Fall eine Verschuldung in der Größenordnung von 168% für 2020 angibt.

Ich schließe mit einer Frage: Glauben Sie, dass die Fortsetzung dieser Täuschung der öffentlichen Meinung in Griechenland und speziell in Nordeuropa die Position des Landes innerhalb der Eurozone langfristig verbessert? Oder untergräbt sie diese möglicherweise?

Quelle: Protagon (originaler griechischer Beitrag), On the sad algebra of the Greek Debt Buyback (englischer Beitrag des Autors)
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog