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Warum trinkt Griechenland den Schierlingsbecher?

11. November 2012 / Aktualisiert: 03. Juli 2013 / Aufrufe: 1.230 1 Kommentar

Autor: Jorgos Ch. Papasotiriou

Thema: Sparmaßnahmen in Griechenland treffen wieder die Schwächsten

Sie tranken und ergötzten sich daran, ihn zu quälen. Erflehte sie an, und jene drohten, ihn aufzuspießen. Ihre Befriedigung stieg analog zu dem Schmerz, den sie ihm verursachten. Ihm gelang die Flucht und sein Folterer wurde verhaftet. Jedoch wurde der Täter schließlich freigelassen und das Opfer begegnet der Sanktion der Abschiebung! (Anmerkung: Gemeint ist der jüngst bekannt gewordene Fall eines illegalen Immigranten aus Ägypten, der in Salamina von seinem griechischen Arbeitgeber und einer Gruppe weiterer Männer schwer misshandelt wurde, um dem Opfer laut dessen Aussage einen höheren Geldbetrag abzupressen.)

Die Hobbesche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, wo der Kannibalismus von Salamina bis Berlin und New York eskaliert. Weil das, was mit dem ägyptischen Immigranten geschah, auch gegen Griechenland erfolgt, welches laut der New York Times das Plädoyer seiner Richter – Gläubiger, des Schäuble, der Merkel, des Draghi und der Lagarde befolgend den „Schierlingsbecher trinkt“.

Warum jedoch befolgen wir die Haltung des Sokrates? Welcher „Polis“ und welchen Gesetzen unterwerfen wir uns? Die Antwort ist, dass wir den Gesetzen des mafiösen Kapitalismus, des IWF und der Europäischen Zentralbank gehorchen, die nicht akzeptieren, den Verlust ihrer zinswucherischen Gewinne aus einem neuen „Schnitt“ der griechischen Verschuldung hinzunehmen.

Was verbirgt sich jedoch hinter der Folterung der Griechen? Das Spiel um die Vorherrschaft zwischen den USA und Deutschland. Die Vereinigten Staaten verfolgen, den Eindruck zu schaffen, dass der Euro zusammenbricht, damit sie alle europäischen Investitionen anziehen. Wie es auch geschah. Auf diese Weise hielt Obama die Krise und die Rezession der amerikanischen Wirtschaft in Schach. Das Problem des Ausbleibens der Investitionen und des Aufschwungs betrifft folglich nicht nur Griechenland, sondern ganz Europa.

Jetzt haben wir eine zweite Runde des „Schlagabtausches“ aus Amerika, bei dem Moody’s in Kürze zur Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs schreiten wird. Paradoxerweise fordert die Bewertung Frankreichs auch Wolfgang Schäuble, das Spiel der Amerikaner spielend. Warum geschieht dies wohl? Weil Berlin verfolgt, Europa den deutschen Stempel aufzudrücken, ohne die Macht mit irgend jemand zu teilen. Dies – also die deutsche kurzsichtige und besessene Politik – unterstützt jedoch die amerikanischen geopolitischen Ziele.

Mit anderen Worten, die Halbzeit wird zwischen USA und Deutschland ausgetragen. Das Endspiel erfolgt jedoch zwischen USA und China. Deutschland hat bereits verloren, da seine Wirtschaft an dem Staub der Ruinen des europäischen Südens erstickt. Selbst im ehemals mächtigen Frankreich sehen wir die neue Armut auf den „barbarischen Märkten“ aufmarschieren und gebrauchte Kleidung und Schuhe verkaufen. Wie jener Obdachlose auf dem Markt in Frankfurt, der vor Jahren die Schuhe von seinen Füßen zog und sie zum Verkauf anbot.

Kurz gesagt, Verelendung überall. Warum jedoch befolgen wir angesichts der Lage weiterhin die Haltung des Sokrates? Und dies, wo es offensichtlich ist, dass die griechische Wirtschaft nicht mehr lange durchhält, wenn sie nicht die Gelder bekommt? Warum beharren wir weiterhin darauf, die neuen heftigen Austeritäts-Maßnahmen umzusetzen? Die Finacial Times Deutschland schreiben bereits über gesellschaftliche Destabilisierung und „anstehende Erhebung“ in Griechenland. Warum stellt in diesem zukünftigen Chaos die Rückkehr zur Drachme eine schlimmere Hölle dar als jene, in der wir uns bereits befinden?

Quelle: Giorgos Ch. Papasotiriou – Warum trinken wir den Schierlingsbecher?
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog