FOCUS-Artikel entfacht große Empörung in Griechenland
Die Titelseite der Ausgabe 08/10 des deutschen Magazins FOCUS vom 22. Februar 2010 stieß in Griechenland auf große Empörung und verursachte sogar auf politischer Ebene unverhohlene Verstimmung.
Wie beleidigend und schmähend in Griechenland der in Rede stehende Leitartikel “Betrüger in der Euro-Familie” und insbesondere auch die Fotomontage auf dem Titelblatt der Ausgabe des FOCUS empfunden wird, lässt sich einem Beitrag entnehmen, der auf dem Portal O Topos Mou
am 23. Februar 2010 unter dem Titel “Ο Σάτυρος του Αρχαιολογικού Μουσείου Αθηνών” (Der Satyros des archäologischen Museums Athen) publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

O Topos Mou: Unsere Schulden? Könnt ihr haben!
Jedoch erst nach Zahlung der Kriegsreparationen, die ihr uns schuldet!
“Sehr geehrter Herr Helmut Markwort, Chefredakteur des Magazins Focus.
Das Titelblatt Ihres Magazins (links) ist kitschig und vulgär. Sie sorgen sich um ihr “Geld”, was Sie nicht davon zurückhält, die Geschichte und die Kultur unseres Landes zu schmähen. Kultur, Herr Markwort, ist das Titelblatt des Magazins unserer Gruppe (rechts). Kultur ist der Satyros des archäologischen Museums Athen. Wir hoffen, dass er Ihnen bekannt ist. Die heutige Ausgabe unseres Magazins und die Präsenz des Satyros sind Ihnen, Ihren Mitarbeitern und Ihrem authentischen Magazin gewidmet.
Bleiben wir jedoch bei dem “Geld”, weil bei all dem, was Sie schreiben, allein nur dieses Sie zu interessieren scheint.
Wir sagen also: Deutschland soll erst einmal die Entschädigungen für die Verbrechen zahlen, welche in Griechenland während der Dauer des Zweiten Weltkrieges stattfanden, und das Gold zurückgeben, welches sich Deutschland von meinem Land aneignete, und dann werden wir sehen, wer wem schuldet! Was die Betrüger betrifft, raten wir Ihnen, diese in den Gefängnissen von München zu suchen. Der Name SIEMENS, “Flaggschiff” Deutschlands, und die Bestechungen – erinnert Sie das an etwas?
Oder müssen wir Ihr Gedächtnis auffrischen bezüglich der U-Boote “designed in Germany”, welche in den Werftanlagen Skaramangas “schief” liegen, und auch der Panzer, welche sich Griechenland von Ihrem Land “einzukaufen” weigert? Oder ist Ihnen vielleicht nicht bekannt, dass sich Deutschland während der letzten Jahre zu Griechenlands größtem Lieferanten von Waffensystemen gewandelt hat und auf jede Weise einen erstickenden Druck auf unser Land ausübt, damit es den Eurofighter kauft?
Sie haben jedoch keine Schuld. Schuld hat der griechische Bürger, der Schmähungen wie die Ihrige, aber auch die Unzulänglichkeit der Politiker duldet, welche er bedauerlicherweise wählte, damit sie ihn regieren.
Mit freundlichem Gruß
Εθελοντική Ομάδα Δράσης Ν. Πιερίας
(Freiwillige Aktionsgruppe der Präfektur Pieria)
(Quelle / Originaltext: Ο Σάτυρος του Αρχαιολογικού Μουσείου Αθηνών
)
Hat Deutschland Schulden gegenüber Griechenland?
Die deutsche Besatzungsmacht erzwang im Zweiten Weltkrieg von der Griechischen Staatsbank ein Darlehen in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar (Devisenkurs 1938). Nach dem Krieg wurde Deutschland von dem Gremium der Alliierten zu Reparationsleistungen in Höhe von 7,1 Milliarden Dollar (ebenfalls auf Devisenkursbasis 1938) an Griechenland verpflichtet.
In diesen Beträgen nicht berücksichtigt sind die Entschädigungen für die Gräueltaten, welche rund 12% der damaligen Bevölkerung Griechenlands das Leben kosteten, für die etwa – überwiegend im Rahmen diverser “Strafaktionen” – 200 zerstörten Dörfer oder auch an die zahllosen Griechen, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden waren.
Weiter wurde Deutschland verpflichtet, die von der deutschen Besatzungsmacht aus den griechischen Museen und von diversen archäologischen Stätten entwendeten archäologischen Schätze zurückzugeben.
Im Gegensatz zu damaligen Verbündeten Deutschlands haben seit 1946 die deutschen Regierungen bis heute weder die Reparationsleistungen an Griechenland noch die ausgeklagten Entschädigungen an griechische Staatsbürger bzw. deren Hinterbliebene gezahlt und auch nicht die geraubten archäologischen Schätze zurückgegeben.
Selbst der ehemalige griechische Premierminister Xenofon Zolotas hatte aus gegebenem Anlass erklärt, “Deutschland schuldet Griechenland aus während des Krieges an die deutschen Behörden gewährten (Zwangs-) Krediten hohe Summen und weigert sich, diese zurückzuzahlen“.
Von deutscher Seite wurde aktuell dagegen gehalten, dass die Bundesrepublik Deutschland auf Basis des Entschädigungsabkommens von 1960 Griechenland mit knapp 59 Millionen Euro entschädigt habe und Griechenland nach 1960 mit gut 16 Milliarden Euro bei der Integration in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft unterstützt worden sei.
Relevanter Artikel: Überlegungen zum Focus-Artikel “Betrüger in der Euro-Familie”










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