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Die politischen Delivery Boys in Griechenland

1. Dezember 2012 / Aktualisiert: 04. Juli 2013 / Aufrufe: 552 3 Kommentare

Autor: Jorgos Ch. Papasotiriou

Thema: 33 Prozent Arbeitslosigkeit auf Privatsektor in Griechenland

Lassen wir es klarstellen: in Griechenland hungern Menschen. Bezweifelt das etwa jemand? Die Kinder hungern, offiziell sind 20.000 unterernährt. Das ist die Substanz. Zweifelt vielleicht jemand daran?

Und trotzdem, einige fokussieren sich auf den Brief der Schulkinder aus Dendropotamos bei Thessaloniki und sprechen von … Populismus. Ist der Brief also gefälscht oder lügen vielleicht die Kinder, wenn sie sagen, ihnen wäre zu Hause der Strom abgeklemmt worden? Und doch ist der ganzen Welt bekannt, dass 30.000 Häusern der Strom abgeschaltet worden ist. Wo liegt also die angebliche Lüge? Oder war vielleicht die Veröffentlichung des Briefs der Kinder durch ihren Lehrer … Populismus?

Im Vorliegenden schauen manche auf den Finger und nicht auf den Mond. Aber was meinen die Herren, wenn sie von der Warte ihrer Sicherheit aus von Populismus sprechen? Bekanntlich ist Populismus die Verwendung von Klischees, welche den Dialog ausschließen, und aus dieser Sicht ist er eine Form der Gewalt. Populismus kann auch die Nutzung unwahrer Tatsachen oder die übertriebene Darstellung wahrer Zustände mit dem Ziel sein, bei der Bevölkerung eine emotionelle Ladung zu verursachen.

Wer jedoch behauptet, der Ruf der kleinen Kinder, die keinen elektrischen Strom oder nichts zu essen haben, sei eine Übertreibung, ist ein blinder und tauber Dickhäuter, der nicht sieht, nicht hört und auch nichts fühlt. Ich würde sagen, er ist ein Schwein, aber die unschuldigen Tiere haben an nichts Schuld. Jeder Versuch, dem Schrei der Empörten und Hungernden gehör zu verschaffen, ist deshalb nicht mehr als ein Versuch, das Zellophan der Heuchelei und Zensur zu zerreißen, welches das Drama der Menschen zu verbergen versucht.

Die ehemalige Bildungsministerin Anna Diamantopoulou zweifelte einmal an, die kleinen Schüler werden vor Hunger ohnmächtig. Später gestand sie ihren Fehler ein. Die selbe Anzweiflung betreiben jedoch jetzt andere. Und hier wird die Höflichkeit fortan zur Mitschuld. Und deswegen werden wir die Beschreibung des Kurt Vonnegut adoptieren, der alle Oberen und deren Herren als „psychopatische Persönlichkeiten, also Menschen ohne Gewissen, ohne Gefühl des Erbarmens oder der Scham …“ bezeichnete. Nur dass diese Persönlichkeiten gar nicht so psychopathisch, sondern völlig neoliberale Pragmatiker sind, die tatsächlich weder Herz noch Gefühle haben. Es handelt sich um die Taliban der Wall Street, der City, von Frankfurt, Berlin, Paris und Brüssel.

Die Absurdität der befolgten Politik der brutalen Austerität trifft letztendlich nur die „unten“, während sie für die „oben“ auf weltweitem Niveau profitabel ist. Auf nationalem Niveau ist sie – hauptsächlich für die peripheren Länder wie Griechenland – jedoch irrational, weil sie ein ganzes Land, ein ganzes Volk auslöscht, außer Einigen, die den Politiker und volkswirtschaftlichen „Delivery Boy“ der Finanzmetropolen spielen und glauben, davonkommen zu werden.

Quelle: Giorgos Ch. Papasotiriou – Die politischen Delivery Boys
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

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Warum trinkt Griechenland den Schierlingsbecher?

11. November 2012 / Aktualisiert: 03. Juli 2013 / Aufrufe: 1.229 1 Kommentar

Autor: Jorgos Ch. Papasotiriou

Thema: Sparmaßnahmen in Griechenland treffen wieder die Schwächsten

Sie tranken und ergötzten sich daran, ihn zu quälen. Erflehte sie an, und jene drohten, ihn aufzuspießen. Ihre Befriedigung stieg analog zu dem Schmerz, den sie ihm verursachten. Ihm gelang die Flucht und sein Folterer wurde verhaftet. Jedoch wurde der Täter schließlich freigelassen und das Opfer begegnet der Sanktion der Abschiebung! (Anmerkung: Gemeint ist der jüngst bekannt gewordene Fall eines illegalen Immigranten aus Ägypten, der in Salamina von seinem griechischen Arbeitgeber und einer Gruppe weiterer Männer schwer misshandelt wurde, um dem Opfer laut dessen Aussage einen höheren Geldbetrag abzupressen.)

Die Hobbesche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, wo der Kannibalismus von Salamina bis Berlin und New York eskaliert. Weil das, was mit dem ägyptischen Immigranten geschah, auch gegen Griechenland erfolgt, welches laut der New York Times das Plädoyer seiner Richter – Gläubiger, des Schäuble, der Merkel, des Draghi und der Lagarde befolgend den „Schierlingsbecher trinkt“.

Warum jedoch befolgen wir die Haltung des Sokrates? Welcher „Polis“ und welchen Gesetzen unterwerfen wir uns? Die Antwort ist, dass wir den Gesetzen des mafiösen Kapitalismus, des IWF und der Europäischen Zentralbank gehorchen, die nicht akzeptieren, den Verlust ihrer zinswucherischen Gewinne aus einem neuen „Schnitt“ der griechischen Verschuldung hinzunehmen.

Was verbirgt sich jedoch hinter der Folterung der Griechen? Das Spiel um die Vorherrschaft zwischen den USA und Deutschland. Die Vereinigten Staaten verfolgen, den Eindruck zu schaffen, dass der Euro zusammenbricht, damit sie alle europäischen Investitionen anziehen. Wie es auch geschah. Auf diese Weise hielt Obama die Krise und die Rezession der amerikanischen Wirtschaft in Schach. Das Problem des Ausbleibens der Investitionen und des Aufschwungs betrifft folglich nicht nur Griechenland, sondern ganz Europa.

Jetzt haben wir eine zweite Runde des „Schlagabtausches“ aus Amerika, bei dem Moody’s in Kürze zur Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs schreiten wird. Paradoxerweise fordert die Bewertung Frankreichs auch Wolfgang Schäuble, das Spiel der Amerikaner spielend. Warum geschieht dies wohl? Weil Berlin verfolgt, Europa den deutschen Stempel aufzudrücken, ohne die Macht mit irgend jemand zu teilen. Dies – also die deutsche kurzsichtige und besessene Politik – unterstützt jedoch die amerikanischen geopolitischen Ziele.

Mit anderen Worten, die Halbzeit wird zwischen USA und Deutschland ausgetragen. Das Endspiel erfolgt jedoch zwischen USA und China. Deutschland hat bereits verloren, da seine Wirtschaft an dem Staub der Ruinen des europäischen Südens erstickt. Selbst im ehemals mächtigen Frankreich sehen wir die neue Armut auf den „barbarischen Märkten“ aufmarschieren und gebrauchte Kleidung und Schuhe verkaufen. Wie jener Obdachlose auf dem Markt in Frankfurt, der vor Jahren die Schuhe von seinen Füßen zog und sie zum Verkauf anbot.

Kurz gesagt, Verelendung überall. Warum jedoch befolgen wir angesichts der Lage weiterhin die Haltung des Sokrates? Und dies, wo es offensichtlich ist, dass die griechische Wirtschaft nicht mehr lange durchhält, wenn sie nicht die Gelder bekommt? Warum beharren wir weiterhin darauf, die neuen heftigen Austeritäts-Maßnahmen umzusetzen? Die Finacial Times Deutschland schreiben bereits über gesellschaftliche Destabilisierung und „anstehende Erhebung“ in Griechenland. Warum stellt in diesem zukünftigen Chaos die Rückkehr zur Drachme eine schlimmere Hölle dar als jene, in der wir uns bereits befinden?

Quelle: Giorgos Ch. Papasotiriou – Warum trinken wir den Schierlingsbecher?
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

Gegensätze der Armut in Deutschland und Griechenland

25. Oktober 2012 / Aufrufe: 1.334 Kommentare ausgeschaltet

Autor: Jorgos Ch. Papasotiriou

Thema: Die grundsätzlichen Gegensätze in Europa

Neue Darstellung, neue inspirierende Werte, Würde, nationale Unabhängigkeit (wir sind kein Protektorat), Worte und Phrasen, die sich an die leidenden und alles Schreckliche ertragenden Arbeitnehmer und Rentner richten. Ziel ist die Reduzierung der Schwankungen im Inneren der Parteigebilde der Regierungspartner, aber auch der Minimalisierung der politischen Kosten im Rahmen der Gesellschaft. politischen Kosten im Rahmen der Gesellschaft.

Manche erachten, die Reaktionen der von drei Parteien gestützten griechischen Regierung beziehen sich auf die Einzahlung der berühmten Tranche der 31,5 Mrd. Euro auf ein Sperrkonto (Spiegel). Andere, dass die neuen Änderungen im arbeitsrechtlichen Bereich dem bereits aufgelösten gesellschaftlichen Gerüst mit der ungeheuren Arbeitslosigkeit und der fortan offensichtlichen humanitären Krise den Gnadenschuss versetzen wird. Deswegen stellen die arbeitsrechtlichen Regelungen die letzte Verteidigungslinie der Regierung gegenüber der Troika dar. Letztere scheint sich jedoch nicht all zu sehr um das Elend der griechischen Gesellschaft zu kümmern, trotz der Tatsache, dass darüber in ganz Europa gesprochen wird.

„Griechenland leidet, die Austerität tötet“, lautet der Titel einer Sendung im Radio France Inter. Ein stärkerer Beweis für die Verelendung der Griechen wird aber von der Mechanismen der Kommission selbst und konkret von der Eurostat geliefert, die sich auf die Gefahr für die Arbeitslosen in Deutschland bezieht, unter die Armutsgrenze zu fallen, da 70% der Arbeitslosen ein Einkommen von unter 952 Euro monatlich zur Verfügung haben (Quelle: Le Monde). Dieser Betrag liegt unter 60% des Durchschnittseinkommens der Deutschen und stellt die sogenannte „relative Armut“ dar.

Wenn jedoch dies für die Arbeitslosen Deutschlands gilt, was sollen dann die Griechen sagen, wo der Mindestlohn 586 Euro monatlich beträgt, also die Hälfte des Einkommens des „relativ armen“ deutschen Arbeitslosen? Warum eigentlich die einleuchtende Sensibilität für die deutschen Arbeitslosen und die Gefühllosigkeit für die Lage der griechischen Arbeitnehmer und Rentner und noch mehr der Arbeitslosen? Weil erstere der Hegemonialmacht Europas, Deutschland angehören. Zuallererst aber, weil diese mit ihrem erhöhten Konsum – wegen des Rückgangs der Nachfrage im europäischen Süden – die Last der deutschen Produktion zu stemmen haben.

Auf politischer Ebene richtet die bessere Lage der deutschen Arbeitnehmer gegenüber den übrigen Europäern sie leicht gegen die Arbeitnehmer der peripheren Staaten des Südens (ein Stück trockenes Brot mehr für die englischen Arbeiter gestattet der Bourgeoisie, sie leicht gegen ihre irländischen Kollegen zu richten – Irländisches Thema, Karl Marx).

Abgesehen davon wird die Kluft zwischen denen „oben“ und denen „unten“ immer größer, während der Reichtum sich in immer weniger Händen konzentriert. Bereits zu Beginn der Krise, im Jahr 2008, besaßen 50% der ärmsten deutschen Haushalte 1% des nationalen Reichtums, während 10% der reichsten Deutschen entsprechend 53% inne hatten (Eurostat). Heute ist die Konzentration des Reichtums noch größer geworden.

Mit diesem als gegeben wird offensichtlich, dass in Europa ein grundsätzlicher Gegensatz zwischen Norden – Süden und ein Gegensatz im Inneren der verschiedenen Statten zwischen denen „oben“ und denen „unten“ existiert, wobei die Mittelschichten vollständig verraucht sind, während Länder wie Griechenland inzwischen auf das Irland des 19. Jahrhunderts verweisen, also auf die Epoche des großen Hungers.

Quelle: Giorgos Ch. Papasotiriou – Gegensätze
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog