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Griechenland: Können wir nicht ohne Korruption leben?

31. Dezember 2012 / Aktualisiert: 07. Juli 2013 / Aufrufe: 501 Kommentare ausgeschaltet

Autor: Makedonas

Thema: Schluss mit Immunität der Prominenten in Griechenland

Entweder müssen unsere Führer sich ändern und ihre alten parteilichen Tricksereien vergessen, oder wir müssen sie gegen andere austauschen, ohne politische Vergangenheit

Um die überstürzte und ohne irgendwelche elementaren Verhandlungen mit dem IWF erfolgende Aufnahme (Anmerkung: in das „Rettungsprogramm“) zu rechtfertigen, hatte der ehemalige Premierminister Georgios Papandreou – und zwar sogar im Ausland – erklärt, ein korruptes Land zu regieren. Es ist die übliche Art der Rechtfertigung, mit Verlagerung der Verantwortungen auf andere, und zwar auf eine für das Volk unhöflichste und schmähende Weise.

Nicht so sehr, weil er eine Wahrheit – leider – gegenüber ausländischen Medien äußerte (ein ernsthafter Fehltritt für jeden Politiker, erst recht für den Premierminister), aber hauptsächlich deswegen, weil Herr Papandreou nicht die Last der großen Verantwortung mitempfand, die sowohl er selbst persönlich als auch eine große Anzahl seiner Genossen (und natürlich nicht nur jener, da die „Verstrickten“ keine politische Farbe haben) trägt.

Die Theoretiker argumentieren, die großen Krisen stellen parallel auch eine Gelegenheit zur Entfernung von der Lebensweise, die in die Krise führte, und einen Ausgangspunkt für einen Kurs auf den rechten Weg dar. In unserem Fall (Anmerkung: im Fall Griechenlands) jedoch scheinen entweder die Theoretiker falsch zu liegen oder wir benötigen noch viel Zeit, um in der großen Krise anzugelangen. Anders lässt sich nicht die Tatsache erklären, dass wir weiterhin das selbe tun, als ob wir uns im Jahr 2008 befänden und sich seitdem nichts ereignet habe, und obwohl die Kontrollmechanismen von der Troika verpflichtet wurden, aktiv zu werden und gewisse Ergebnisse zu liefern.

Die Verallgemeinerung ist natürlich immer schlecht, und die erste Person des Plurals verwendend meine ich offensichtlich auch nicht uns alle. Ich kann jedoch nicht wissen, wer von uns sich an die neuen Umstände angepasst hat und ob wir es bewusst oder aus Not getan haben, nachdem wir „unser Leben falsch führten“ und meinten, „unser Leben ändern zu sollen“, wie auch der Dichter sagt. Wie auch immer, das Ergebnis zählt. Nur, dass es nicht sehr ermutigend ist.

Charakteristisch ist der Kommentar der „Guardian“ in Zusammenhang mit dem Fall Papakonstantinou: „In dem in Griechenland herrschenden penetranten Klima, wo die Appelle nach Gerechtigkeit in der Bevölkerung anschwellen, die für das wirtschaftliche Chaos des Landes fast ausschließlich die Fehler der Politiker verantwortlich macht, sind die Ankläger ebenfalls vorsichtig gegenüber einer Hexenjagd, bei der Papakonstantinou, der scharf jede Meldung zurückgewiesen hat, die Liste manipuliert zu haben, ein leichtes Opfer sein wird.

Ich glaube nicht, dass die Enthüllung der Verschwendung öffentlicher Gelder – in nur einer von hunderten existierenden Nichtregierungs-Organisationen (NRO) – irgendjemanden überrascht hat. (Anmerkung: gemeint ist der jüngst aufgedeckte finanzielle Skandal bei der Griechischen Tourismusbehörde EOT) Es ist ein offenes Geheimnis, dass die überwältigende Mehrzahl dieser Organisationen einen leichten Weg zur Befriedigung parteilicher Funktionäre (ein Parteijugend-Vorsitzender hatte fünf NRO!) durch unkontrollierte Bereitstellung der von der Regierung gegebenen Gelder darstellte.

Wie oft haben wir nicht schon über die schmutzige Vergangenheit vieler NRO geschrieben, deren Leiter Gelder aus den fast leeren Portemonnaies des griechischen Volkes stehlen? Aber, abgesehen davon, ist es ein Zufall, dass in Russland der Betrieb dutzender NRO unter der Anschuldigung verboten wurde, sie würden von Ausländern finanziert um Russland zu destabilisieren? Dies ist kein Geheimnis, und es geschieht nicht nur in Russland.

Es ist jedenfalls zu hoffen, dass die Untersuchung sich all den Schamlosen zuwenden wird, die mit listigen Mitteln einerseits die öffentliche Kasse plündern und andererseits ausländischen Zentren, von denen sie mitfinanziert werden, zu Diensten stehen. Und nachdem das Ehrgefühl – unser einmal großer Vorzug – vom Aussterben bedroht ist, möge die Axt der Justiz mit Schwere fallen. Anderenfalls werden wir mit den Politikern abrechnen müssen, welche die schmutzigen Angelegenheiten decken.

Hinzu kam auch der Fall mit dem großen Betrug mit den Schecks des EOT. So viel Dreistigkeit also? Vielleicht haben sie gelernt, so lange Zeit von den Parteimechanismen geschützt zu werden und nahmen an, es werde weiterhin das selbe System herrschen. Nicht, dass es also nicht mehr zutrifft (wo ist die von Herrn A. Samaras versprochene Untersuchung wegen G. Papandreou und des IWF?), aber die Dinge sind schwieriger geworden.

Jeden Tag wird etwas neues enthüllt. Wie die politische Historie lehrt, geschieht dies immer in Epochen, in denen die Führer das Volk nicht zu inspirieren vermögen und die negativen Elemente seines Wesens hervortreten. Was bedeutet, entweder müssen unsere Führer ihr Verhalten ändern und ihre alten Parteitricks vergessen, oder wir müssen sie gegen Führer ohne politische Vergangenheit austauschen.

Quelle: Voria.gr
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog