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Griechenland, Grundstück und Kolonie

25. November 2012 / Aktualisiert: 24. August 2013 / Aufrufe: 434 Kommentare ausgeschaltet

Autorin: Maria Kanellopoulou, Schauspielerin, Abgeordnete der SYRIZA-EKM in Achaia

Das Parlament bestätigte vor wenigen Tagen den nationalen Haushalt. In der Epoche der postmodernen Dreiparteien-„Bankenherrschaft“ unterliegen alle Begriffe der berühmten „Neuen Sprache“ Orwells. Wir sagen das selbe, meinen etwas anderes.

Nationaler Haushalt? National bedeutet, dass er von Griechen für Griechen erstellt wird, dass Griechen für die griechische Gesellschaft rechnen, denken und beschließen. Heute beschließen weder die griechischen Abgeordneten mit freiem Willen, noch geht es um die griechische Gesellschaft. Ich meine die wahre Gesellschaft, die zerschlagene Gesellschaft.

Wenn man Vorberechnungen anstellt, bedeutet dies, dass man sich für die Zukunft bindet. Die Regierung hat jedoch bereits zweihundert vor den Wahlen gegebene Zusagen verschlissen und verhält sich, als habe es niemals programmatische Erklärungen gegeben, und tauft mit einfachen Unterschriften die Brechung ihrer Versprechungen „Akte gesetzgeberischen Inhalts“.

Die Regierung wird keinen Haushalt einhalten, und wir wissen das. So, wie sie nichts von dem einhält, was sie sagt (oder Gott ihr diktiert!). Der Haushalt ist ein formales Verfahren, eine Demonstration institutioneller Höflichkeit, eine Tradition, so wie die Weihnachtslieder, das Lamm zu Ostern, von der gut ist, dass sie – sei es auch nur für die Augen des Volkes – nicht verloren geht. Nicht mehr. Leere Worte.

Ich erliege der Versuchung, 2 – 3 Dinge aus dem Katalog all dessen anzuführen, was sie zu tun versprachen und nicht taten:

  • Sie sagten und versprachen verbindlich, nur eine minimale Anzahl Schulen werden zusammengelegt werden. 1.500 erfahren wir jetzt.
  • Sie sagten uns: das Problem der Beförderung der Schüler zu den Schulen wurde gelöst. Alltäglich erreichen uns jedoch Beschwerden von Eltern und Lehrern, dass das Problem nicht gelöst worden ist.
  • Sie gaben uns tausend Versprechungen bezüglich des Gesundheitssystems, und dann kürzten sie dramatisch die Mittel sogar auch für die Dialysepatienten, die sie obendrein verleumden, den Staat zu bestehlen.
  • Sie sagten uns, sie werden die Schäden an den Häusern der Opfer der Erdbeben und Brände in Achaia und Westgriechenland beseitigen. Die Menschen reichten ihre Papiere ein, und obwohl sie alle Voraussetzungen erfüllen, wohnen sie immer noch in Containern und bei Verwandten.

Wenn dies bei der Bildung, der Gesundheit, der Unterbringung geschieht, dann kann die Analgesie überall triumphieren, also auch bei der Kultur, die so wie so immer als Luxus galt.

Ich werde als Mensch sprechen, der Jahrzehnte in dem Bereich arbeitete, nicht als Mandarin der Subventionen, nicht als Ausgewählte der Direktoren staatlicher oder anderer Theater, nicht als Berater der Show-Supermärkte, aber als einfacher Arbeiter. Ich möchte für die einfachen Menschen der Kultur sprechen. Weil im Gegensatz zu all dem, was geschickt kultiviert wird, abgesehen von einer kleinen Minderheit bevorzugter und privilegierter zeitloser Menschen der Kunst in diesem Bereich dutzende Menschen leben und arbeiten, welche die Krise heute irreparabel getroffen hat: Schauspieler, Techniker des Fernsehens und des Films, Bühnenbildner, Kuratoren, Autoren, Regisseure, alle zur Arbeitslosigkeit verurteilt, die dokumentiert 97% erreicht.

Mittelalterliche Verhältnisse

Diese Menschen leben heute ohne Sozialversicherung, ohne Krankenheft, ohne die Möglichkeit, eine Rente aus der Arbeit zu erhalten, der sie bis vor kurzem erfolgreich nachgingen. Wenn das öffentliche Fernsehen kein – wie geschuldet – griechisches Programm hat, wenn die privaten Kanäle, welche die öffentlichen Frequenzen als ihr Eigentum betrachten, im Namen des Profits von türkischen Produktionen überschwemmt werden, wenn sie nicht den ihnen entsprechenden vereinbarten Anteil für den griechischen Film zahlen, wenn mit der Abschaffung des nationalen Manteltarifvertrags jeder Regisseur demütigende persönliche Verträge mit den Schauspielern abschließen kann und wenn die fixen Bedürfnisse der Kultur mit der Zuflucht zu Gemeinschaftsprogrammen und eigennützigen Mäzenen gedeckt werden, dann verkommen sowohl die Kunst als auch die Kultur zu Parasiten, zu finanziellen Junkies, die nicht nach der nächsten Dosis suchen um zu leben und aufzublühen, aber um zu sterben.

Alles ist weise eingefädelt. Wenn die Kultur in unserem Alltag fehlt, ergeben sich ungebildete Menschen, Menschen in Unkenntnis der Geschichte, der weltweiten Kultur und Ästhetik kampflos dem Faschismus. Der Weg wurde vorher von dem Lifestyle-Nazismus in den Mittagssendungen, von „Big Brother“ (erinnern Sie sich?) und der Weihung von Seite der Massenmedien krimineller Organisationen geebnet, die sich als politische Partei präsentieren, die „regulär“ im politischen Ring mitspielt. Der Faschismus fällt überall ein, wo vorher Erinnerung und Wissen, deren Treuhänder die Kultur ist, mit Füßen getreten wurden, danach ist die Niederlage der Demokratie leichte Sache. Wenn Städte und Dörfer die Kunst nur aus dem kontrollierten Fernsehen kennen, dann wird unser ganzes Leben ein unendlicher „Theatertiegel“.

Allein und hilflos wird die Kultur zu Privileg und Luxus. Wird sie unterstützt, wird sie zur Eingangshalle des Fortschritts. Im Einführungsbericht des Etats lesen wir jedoch: „die staatlichen Zuschüsse an Theater, Museen, Festivals, Ligen und Sportzentren werden gekürzt …„. Sogar auch das vielbeworbene Griechische Festival wird mit ungefähr einer Million Euro weniger als 2012 bezuschusst werden. Und dies für wenige und imposante Dinge, konzentriert in der Hauptstadt, üblicherweise mit Ausländern, welche den hiesigen ungebildeten Eingeborenen zeigen werden, was Kunst ist.

Und während das Festival – ein unwiderlegbarer Beleg für den Provinzialismus der Regierung – überleben wird, wird die unvergessene Melina sich wegen der Schmähung der öffentlichen Theater, einer Institution, die sie uns aus dem Europa der Kultur und nicht der Banken brachte, im Grab umdrehen. Weil nach Melina Logiken folgten, die erachten, Kultur sei ein Hobby und Künstler so etwas wie Freizeitangler.

«Live your myth in Greece» sagten sie den Ausländern, Kultur und Tourismus in einem Ministerium. Ich antworte auf Griechisch mit den Versen eines wahren Dichters, des früheren Savvopoulos, aber ewigen Nionios: „Griechenland, blinde Sprache in der Geographie, Griechenland, Grundstück und Kolonie.“ Dieses Griechenland schaffen sie, dieses Griechenland wollen wir nicht.

Quelle: To Pontiki
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog