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In Griechenland zahlen wieder die Schwächsten die Zeche

2. September 2012 / Aktualisiert: 05. Januar 2016 / Aufrufe: 367 1 Kommentar

Autor: Jorgos Lakopoulos

Thema: 72 Maßnahmen zur Einsparung von 11,9 Mrd. Euro in Griechenland

Wie unfähig und gleichzeitig unmoralisch können Regierungen sein, um das Memorandum beständig auf dem Rücken der Schwächsten umzusetzen? Ein einfacher Blick auf das aktuelle Maßnahmenpaket zeigt, dass auch diesmal die Rentner die Zeche zahlen werden.

Die Arbeitnehmer – das andere Lasttier des Memorandums-Abenteuers – mögen die Augen schließen und auf den … Aufschwung „in zwei Jahren“ warten, den ihnen der Premierminister zugesagt hat – weiß Gott, wie er darauf gekommen ist. Die Rentner können jedenfalls bis dahin ihre Augen regulär und endgültig geschlossen haben.

Das am meisten Empörende ist die Phrase „die Opfer zahlen sich aus“ – abstoßender Slogan der Regierungen seit 2010. G. Papandreou benutzte ihn bis zum Überdruss um zu zeigen, dass der Leidensweg kurz sein wird und das dem Land aufgebürdete Märtyrerkreuz aus Rosenblättern besteht. Nachdem er schließlich das Universum zerschlug, spaziert er nun international herum und spricht unbekümmert darüber, was er für „sein Volk“ getan habe.

Nun beteuert auch Samaras erneut, die Opfer würden sich auszahlen und fügt – abgekupfert von Papakonstantinou – an, die Maßnahmen „werden die letzten sein“. Konkret und unmittelbar umzusetzen sind allerdings die Maßnahmen nur bei den Kürzungen der Löhne und Renten. Was den Aufschwung und die Reformen betrifft, verweilen sie noch im Stadium der Unterhaltung.

Natürlich weiß der Premierminister, dass es nicht die letzten Maßnahmen sein werden, so wie er ebenfalls weiß, dass es nicht nur 11,5 Mrd. Euro, sondern mehr sein werden – abgesehen davon, dass alles von den Einschätzungen entschieden wird, welche die Troika anstellen wird. Trotz allem versucht auch er, „Algen als Seidenbänder zu verkaufen“ (sprich das Volk an der Nase herumzuführen) und bricht – à la Merkel – wegen der Opfer in Tränen aus, gibt sich jedoch auch sicher, dass der Austritt aus dem Euro dank der Maßnahmen seiner Regierung abgewendet werde. Im analogen Fall des Hodschas jedenfalls krepierte der Esel, als er diesen gerade daran gewöhnt hatte, nichts zu fressen.

Noch erzürnender ist der Slogan bezüglich „sozialer Gerechtigkeit“, der von den beiden anderen Parteien der Koalitionsregierung kommt. PASOK und DIMAR verhöhnen das Volk indem sie so tun, als ob sie verhandeln und sich widersetzen würden. Genau gesagt strengen sie sich an, rote Linien und anderes dummes Gefasel sicherzustellen. Was zum Schluss herauskommt, wird für das Einkommen derer, die sie „in Schutz nehmen“, immer schwerer. Ob Venizelos und Kouvelis sie etwas weniger schützen sollten?

Schlussfolgerung? Der totale Misserfolg der einer nach der anderen folgenden dritten Regierung, auf gesunde Weise Einnahmen zu finden, richtet sie ein weiteres Mal gegen die Schwächsten und legt diesen sogar schon fast nahe, dafür dankbar zu sein, dass sie ihnen nicht noch mehr wegnehmen werden? Sie haben aber allerdings gar nichts mehr, um es ihnen wegnehmen zu können.

Dagegen feiern die Steuerhinterzieher Party, und all jene, die in den letzten Jahren Kredite, Subventionen, Provisionen verschlungen haben, lungern bequem herum, während sich die Regierung anschickt, die Volkswirtschaft mit den zwanzig Euro zu retten, die sie dem Rentner wegnimmt, weil er – wie sie sagt – vor Jahren eine zu hohe Abfindung erhielt.

Müssen all jene, die durch Aufträge, Verträge, Zuschüsse usw. unendlich viel mehr erhielten, gar nichts zurückzahlen? Sollten die drei politischen Führer der Koalitionsregierung vielleicht beginnen, diese Spezies in Schutz zu nehmen?

Quelle: Protagon
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog