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Diabetiker werden in Griechenland aus wirtschaftlichen Gründen amputiert

9. Oktober 2010 / Aufrufe: 305 Keine Kommentare

Der gesetzliche Sozialversicherungsträger IKA-ETAM in Griechenland verweigert Diabetikern therapeutisches Schuhwerk mit der Begründung, dass eine Amputation wirtschaftlicher sei.

Eine unglaubliche Brutalität zeigt der größte griechische gesetzliche Sozialversicherungsträger IKA-ETAM gegenüber Diabetikern, denen eine Amputation der unteren Gliedmaßen droht. Wie die griechische Tageszeitung To Vima berichtete, verweigert die Krankenkasse des besagten Versicherungsträgers Diabetikern spezielle Schuhe, weil “… die Amputation des Fußes nicht abgewendet, sondern einfach nur um ein bis zwei Jahre hinausgeschoben und der erwartete Nutzen geringer sein wird als die absehbaren Kosten“.

So unglaublich es auch klingen mag: Die vorstehend zitierte Phrase ist einem Schreiben der Abteilung für Gesundheitsleistungen der gesetzlichen Versicherungsanstalt IKA-ETAM an den panhellenischen Dachverband der Interessenverbände und Vereine der Diabetiker in Griechenland entmommen!

In einer Bekanntmachung des Verbandes wird angeführt, dass therapeutisches Schuhwerk eine grundlegende und notwendige Vorsorgemaßnahme für Diabetiker darstellt, die in hoher Gefahr schweben, sich einer Amputation unterziehen lassen zu müssen. Ebenfalls wird betont, dass die Antwort des speziellen Ausschusses der IKA-ETAM der Wissenschaftlichkeit entbehrt, da sie in krassem Gegensatz zu den Daten der anerkannten internationalen Literatur und den wirtschaftstechnischen Studien über Kosten und Effektivität in Bezug auf den “Diabetiker-Fuß” sowie auch den Vorgaben und Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, des internationalen Diabetes-Verbandes usw. stehe. Weiter wird angemerkt, dass die Gewährung therapeutischen Schuhwerks in Kombination mit der Einrichtung von Krankenhaus-Ambulanzen für die Behandlung von Diabetiker-Füßen zu einem steilen Rückgang der jährlich tausendfach vorgenommenen Amputationen bei Diabetikern führen könnte.

Gegenüber der Tageszeitung Ta Nea charakterisierte Athanasia Karounou, Vorsitzende des panhellenischen Dachverbandes der Diabetiker, die auf dem Kriterium der Kosteneffektivität basierende Buchhaltermentalität als “linde bezeichnet unverschämt” und legte dar: “Die IKA-ETAM beruft sich auf Daten, die einer wissenschaftlichen Basis entbehren. Am Beispiel Deutschland hat sich dagegen mit der Umsetzung von drei Maßnahmen – nämlich ärztliche Diagnose / ärztliches Eingreifen, Gewährung therapeutischen Schuhwerks und Training des Patienten -  ein Rückgang der Amputationen um bis zu 85% gezeigt. Weiter betont sie, dass die speziellen Schuhe für Diabetiker 350 bis 400 Euro kosten, während eine Amputation die Krankenkassen bis zu 70.000 Euro kosten kann.

Die Partei SYRIZA betont in einer diesbezüglichen Stellungsname: “Die für Gesellschaft und Wirtschaft destruktive Politik der Troika (sprich EU, EZB, IWF) und der Regierung sowie der Druck auf die öffentlichen Träger zur drastischen Einschränkung der sozialen Leistungen führen zu extrem schnöden Praktiken wie der IKA. Die Regierung stellt zum wiederholten Mal die Bedürfnisse der Gläubiger des Landes über die Bedürfnisse der Menschen und insbesondere der Kranken und funktioniert den Sozialversicherungsträger IKA-ETAM in einen “Vampir” um, der für ein paar Euro die Diabetiker zur Amputation verurteilt.

Böse Stimmen schlugen inzwischen sogar schon vor, zugunsten einer nachhaltigen Sanierung des maroden Gesundheitssystems in Griechenland ausnahmslos alle einschlägigen Leistungen zu streichen,  weil unabhängig von dem jeweiligen finanziellen oder / und therapeutischen Aufwand letztendlich jeder Mensch früher oder später sterben wird … .

Unglaubliche Korruption in Krankenhäusern in Griechenland aufgedeckt

23. Mai 2010 / Aufrufe: 620 1 Kommentar

Einen Kreis unglaublicher Korruption und Verschwendung in Krankenhäusern in Griechenland deckt eine von drei Ministerien in Kooperation mit der Justiz geführte Untersuchung auf.

Laut einem Artikel in der Wochenendausgabe (22./23. Mai 2010) der Zeitung To Vima, der die laufende Untersuchung an das Licht der Öffentlichkeit bringt, stellen Lieferanten medizinischer Güter griechischen Krankenhäusern ein Mehrfaches der in anderen EU-Ländern geltenden Preise in Rechnung und belasten auf diese Weise erheblich die Versicherungsträger.

Als bezeichnend wird angeführt, dass von ein und der selben Firma die selben Materialien, welche von jedem Krankenhaus in London oder Madrid den Krankenkassen mit 100 Euro in Rechnung gestellt werden, in Griechenland je nach den Gewinngelüsten der Ärzte und Lieferanten mit Beträgen von ab 300 Euro bis zu 3.000 Euro abgerechnet werden.

Aus der Untersuchung geht hervor, dass es Krankenhäuser gibt, die wissentlich nutzloses Material abnehmen, weil auf diese Weise die Lieferanten die Preise für brauchbare Materialien senken. Ebenfalls bedient sich das Pflegepersonal hemmungslos und ohne jegliche Kontrolle der Verbrauchsmaterialien – mit dem Ergebnis, dass sich selbst gar nicht dem Personal der Krankenhäuser zugehörige private Krankenschwestern mit Material für zu Hause eindecken.

Sobald die Untersuchung abgeschlossen ist, werden rechtliche Schritte eingeleitet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte gegenüber der Zeitung ein den Fall verfolgender Funktionär der griechischen Regierung.

Griechische Kassen zahlen für möglicherweise bis zu 150.000 Karteileichen

Im Rahmen der laufenden Untersuchung kamen die Prüfer ebenfalls zu der Feststellung, dass die gesetzlichen Versicherungsträger immer noch nicht zur Bereinigung (geschweige denn Abgleichung) ihrer Register in der Lage sind, um die genaue Anzahl der Versicherten in Erfahrung zu bringen. Aus Regierungsquellen wird unterstützt, dass sich die Anzahl der verstorbenen Versicherten, die bei den Kassen weiterhin als Versicherte geführt werden, möglicherweise auf bis zu 150.000 beläuft.

Kassen in Griechenland zahlen keine rezeptfreien Medikamente mehr

20. Mai 2010 / Aufrufe: 238 Keine Kommentare

Die Krankenkassen in Griechenland tragen ab sofort keinerlei Kosten mehr für Medikamente, die nicht der gesetzlichen Rezeptpflicht unterliegen.

Wie die Generalsekretärin für Sozialversicherung A. Dretta in einem Schreiben an die zuständigen Träger bekannt gab, dürfen die griechischen Krankenkassen mit sofortiger Wirkung ab Donnerstag, dem 20. Mai 2010 nicht mehr die Kosten für rezeptfreie Medikamente übernehmen – und zwar auch dann nicht, wenn solche Medikamente explizit verschrieben werden. Die Versicherungsträger wollen auf diese Weise jährlich wenigstens 300 Millionen Euro einsparen.

In einer Sendung der Radiostation VIMA 99,5 erklärte allerdings der Vorsitzende des Athener Apothekerverbandes, dass es derzeit keinen Medikamenten-Katalog zur Umsetzung der neuen Regelung gebe. Parallel vermeldete er auch die Praxis gewisser Unternehmen, die (obligatorischen) Coupons auf den Verpackungen bestimmter Medikamente auszutauschen, damit diese unter die Kategorie der verschreibungspflichtigen Medikamente fallen.

Laut einem Artikel in der griechischen Tageszeitung TO VIMA betrifft die Maßnahme “253 alltägliche Medikamente” wie Schmerzmittel, fiebersenkende Präparate, Säureblocker, Antiallergika, (Husten-) Säfte und Salben, für deren Verschreibung die Krankenkassen im Jahr 2009 mit insgesamt rund 300 Millionen belastet worden sind. Zu dieser Kategorie zählen unter anderem bekannte Medikamente und Präparate wie Aspirin, Depon, Ρanadol, Salospir, Αpotel, Î’isolvon, Fenistil, Lonarid, Μaalox und Simeco.

Ab sofort müssen folglich alle Versicherten einschließlich der Rentner die in die Kategorie der rezeptfreien Medikamente fallenden Präparate ausnahmslos und unabhängig von den Kosten selbst dann aus eigener Tasche zahlen, wenn ihnen solche Medikamente im Rahmen einer Therapie ärztlich verschrieben werden.

Obwohl der Beschluss der Zentralstelle für Sozialversicherung mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, ist laut dem Zeitungsbericht die Liste mit den Bezeichnungen der betroffenen Präparate nicht verfügbar, weil sie sich noch … auf dem Weg zum Gesundheitsministerium befinde. Nach Informationen wird die Liste auf einem älteren Katalog basieren, der von dem Nationalen Organismus für Pharmazeutika (EOF) bereits im Jahr 2006 erstellt worden ist und im September 2009 aktualisiert wurde.