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Artikel Tagged ‘kampourakis’

Das große Fressen – Als Griechenland noch keinen Massentourismus hatte

30. Juli 2014 / Aktualisiert: 31. Juli 2014 / Aufrufe: 1.485 6 Kommentare

Die Fundamente des heutigen Massentourismus in Griechenland legten vor einem halben Jahrhundert einfache Menschen, denen es jedoch nie gedankt wurde.

Jedes Mal, wenn ich die Olga (Kefalogiannis) sehe (Anmerkung: gemeint ist die Ministerin für Tourismus), wie sie sich freut, wenn sie über Millionen Touristen berichtet, die das Land besuchen werden, und auf den jedes Jahr erzielten Rekorden ihre Karriere aufbaut, überkommt es mich, sie an ihrem Designer-Kragen zu packen und ihr zu sagen:

Weißt Du, gute Frau, wem Du die heutigen Erfolge verdankst? Dem, der den Beton für die Fundamente des Gebäudes goss, das wir heute die Schwerindustrie des Landes nennen. Meinem Onkel Giannis. Jawohl. Und damit Du nicht meinst ich würde nur schwätzen, sollst Du wissen, dass dieser Beton im August 1696 oder 1970 gegossen wurde, als plötzlich fünf Touristen im Dorf auftauchten.
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Elefanten und Beamten in Griechenland

29. August 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 394 1 Kommentar

Autor: Dimitris Kampourakis

Thema: Arbeitsreserve anstatt Beamten-Entlassungen in Griechenland

Der Mann ist leitender Angestellter bei einer privaten Firma, die Personalbewertungen durchführt. Während ich dachte, es gäbe nur sehr wenige solcher Firmen, teilte er selbst mir mit, dass es in den europäischen Ländern sehr viele gebe und einige von diesen bereits Mitarbeiter suchen, um Niederlassungen in Griechenland zu eröffnen, da sie Geld gerochen haben. Thema unserer Unterhaltung war die Bewertung der staatlichen Bediensteten und wie sie einheitlich und glaubwürdig auf einem öffentlichen Sektor erfolgen kann, der tausende verschiedene Zuständigkeiten und Arbeitsgegenstände hat. Bei der Gelegenheit fragte ich ihn jedoch auch nach seiner Meinung darüber, wie die berüchtigte Reduzierung des übermäßig aufgeblähten öffentlichen Sektors am besten zu erfolgen habe.

Mich überraschte weder seine Ansicht (aus der Unterhaltung hatte ich die Optik wahrgenommen, die er von den Dingen hat) noch der Zynismus des von ihm genutzten Beispiels. So sehr sein Vorschlag auch technokratisch vollständig zu sein schien, so sehr ich auch die einseitige Verteidigung der öffentlichen Bediensteten in einem Land als verzerrt erachte, das von schutzlosen Arbeitslosen überquillt, ließ mich etwas in seinen Worten erschauern. Ich vermittle sie möglichst getreu und denke, den Kern seiner Überlegung wiederzugeben:

Es ist nicht mein Job, zu beurteilen, ob der Staat viele oder wenige Beamten hat. Das ist der Job der Politiker. Wenn diese jedoch befinden, es müsse eine Reduzierung der Anzahl der Beamten geben, sind die mir zu Ohren kommenden Maßnahmen wie Versetzungen, Arbeitsreserve, Vorruhestand oder freiwilliges Ausscheiden für das angebliche Ziel, welches die Erhöhung der Produktivität des öffentlichen Sektors ist, völlig katastrophal. Der Weg ist einer und der einzige: die umgehende Entlassung aller, die überflüssig sind. Jedoch keine Entlassungen ohne Kriterien.

Der eine Teil der Entlassungen muss nach einer Bewertung je Dienststelle und Dienstgrad erfolgen. Man bewertet die neu eingestellten Beamten und entlässt die letzten, danach die älteren und entlässt wieder die letzten, und im weiteren Verlauf Abteilungsleiter und Direktoren und macht das selbe. Der zweite Teil der Entlassungen wird aus der Schließung nutzloser Organismen herrühren. Wenn beschlossen wird, dass ein Organismus nicht benötigt wird, schließt man das Gebäude ab und alle dort Beschäftigten werden ohne Ausnahme entlassen, von dem gestern eingestellten Büttel bis hin zum dienstältesten Direktor.

Der Betrieb einer Behörde stützt sich auf die Hierarchie und die Weitergabe von Wissen und Erfahrung. Wenn sie heute die öffentlichen Bediensteten um 30.000 reduzieren wollen und die Sache so steuern, dass 30.000 Direktoren, Dienststellenleiter und altgediente Beamten ausscheiden, wird die Funktion der Behörden sich nicht verbessern, sondern zusammenbrechen. Die bereits niedrige Produktivität wird in den Keller sinken. Die verbleibenden jungen Leute werden plötzlich gefordert sein, eine Aufgabe zu bewältigen, von der sie keinen Schimmer haben. Man wirft niemals nur die höheren Stufen einer Hierarchie hinaus, weil die Verbleibenden nur kleine Bruchstücke einer großen Aufgabe kennen und es niemanden mehr gibt, um diese zusammenzufügen. Entweder beschneidet man zu gleichen Teilen und proportional die gesamte Hierarchie oder man schneidet ganze Stücke ohne Ausnahme weg.“

Als ich ihn fragte, in welchem Land und bei welchen Behörden dieses von ihm beschriebene extreme und keinerlei gesellschaftliche Kriterien beinhaltende Modell angewendet worden ist, antwortete er mir mit einem Beispiel, das mich sprachlos machte:

„Es ist nicht nur die Wissenschaft des Unternehmensmanagements, die es uns lehrt, aber auch die Natur selbst. In den großen Parks zum Schutz der wilden Lebens, die in den 60er und 70er Jahren in Afrika geschaffen wurden, vergrößerten sich die Elefantenherden mangels natürlicher Feinde so sehr, dass in den Parks irgendwann die verfügbaren Ressourcen für ihre Ernährung schwanden. Damit nicht ihre gesamte Population unter Hunger leidet, beschlossen die Biologen, sie selektiv zu reduzieren. In den ersten Jahren und in Ausübung einer … sagen wir sozialen Politik, töteten sie die greisen Tiere, die ihren biologischen Zyklus fast vollendet hatten, und erhielten die jüngeren am Leben.

Und während man erwartet hätte, alles würde natürlich verlaufen, beobachteten die Biologen, dass die am Leben gebliebenen Elefanten schrittweise ein merkwürdiges und launisches Verhalten zeigten. Unbegründete Nervosität, Panikreaktionen, Entfernung von den alten genutzten Trampelpfaden, Unvermögen zur Auffindung der Wasserlöcher, Zerfall des Zusammenhalts der Herden, Rückgang der Geburten und Ähnliches kennzeichneten ihr Verhalten. Die Biologen kamen schnell zu dem Schluss, dass die Abschlachtung aller älteren Tiere die natürliche Weitergabe der Erfahrung und des Wissens der Ahnen von den älteren Tieren an die jüngeren unterbrach, mit dem Ergebnis, dass diese sich schwer taten, zu überleben. Wann immer sie die Reduzierung der Population wünschen, wählen sie seitdem eine Herde aus und töten sie vollständig, von dem ältesten männlichen Tier bis hin zu den Neugeborenen.

Arme Altelefanten, Elefantinnen und Elefäntchen des öffentlichen Sektors, wehe Euch, wenn mein Gesprächspartner schließlich den Job bekommen wird …

Quelle: Protagon
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

Griechenland, Ostern und der Fluch der Schokoladeneier

6. April 2012 / Aufrufe: 687 1 Kommentar

Menschen in – und im übrigen natürlich nicht nur – Griechenland, die auf der Ladefläche von Lastwagen vorfahren, sind nicht berechtigt, sich an Schokolade satt zu essen.

Dimitris Kampourakis wurde 1961 in der Stadt Chania auf Kreta in Griechenland geboren, lebt seit 1978 in Athen und absolvierte an der Wirtschaftsuniversität Athen (Οικονομικό Πανεπιστήμιο Αθηνών) das Studium der Wirtschaftswissenschaft. Seit 1986 verdient er sich seinen Lebensunterhalt, indem er als Journalist bei Zeitungen, Magazinen, Radiosendern und Fernsehstationen arbeitet, wie derzeit als (Ko-) Moderator des populären Morgenmagazins des Senders MEGA. Er ist Autor von sechs Büchern, drei geschichtlichen und drei Romanen. Sein Nachruf ist ihm völlig gleichgültig.

Ein neulich auf dem Portal Protagon.gr publizierter Beitrag von Dimitris Kampourakis wird nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben.
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