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FOCUS-Prozess in Griechenland erneut vertagt

21. August 2011 / Aufrufe: 382 8 Kommentare

Der in Griechenland gegen 13 Journalisten und Verantwortlich des deutschen Magazins FOCUS wegen des Schmähartikels von Februar 2010 angestrengte Prozess wurde erneut vertagt.

Die ursprünglich für Juni 2011 angesetzte Hauptverhandlung in dem wegen des FOCUS-Artikels vom 22. Februar 2010 gegen 13 Journalisten und Verantwortliche des Magazins angestrengten Prozess wurde am 19. August 2011 aufgrund ein und des selben Formfehlers zum zweiten Mal vertagt und soll nun am 29. November 2011 stattfinden (siehe auch FOCUS-Artikel entfacht große Empörung in Griechenland und Focus-Artikel über Griechenland hat gerichtliches Nachspiel).

Über den Verlauf der geplatzten Verhandlung berichtet Fanis Karampatzakis in seinem Artikel “Mit dem Mittelfinger stechen wir uns das Auge aus”, der am 20. August 2011 in der Zeitung Vradyni erschien und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Mit dem Mittelfinger stechen wir uns das Auge aus

In Athen sollte gestern (19.08.2011) der Prozess wegen der verleumderischen Publikation des deutschen Magazins Focus beginnen, worin die Aphrodite von Milos mit beleidigend ausgestrecktem Mittelfinger erschien (22/02/2010). Angeklagt sind dreizehn Vertreter sowohl der Druckversion als auch der Online-Ausgabe, die weltweit die Fotografie und den uns gewidmeten Text mit dem Titel … “Betrüger in der europäischen Familie” reproduziert hatte. Die Verhandlung wurde erneut vertagt (wie auch im vergangenen Juni) und auf den 29. November gelegt. Anzeige gegen die Deutschen hatten sechs Athener Rechtsanwälte erstattet, während der Staatsanwalt ein Strafverfahren wegen der Vergehen der verleumderischen Diffamierung, Beschimpfung und Beleidigung eines Nationalsymbols einleitete.

Alle Angeklagten Journalisten und die anderen Verantwortlichen des deutschen Magazins waren gestern nicht in dem Gerichtsgebäude an der Straße Evelpidon anwesend und wurden von deutschen und einigen griechischen Rechtsanwälten vertreten. Auf der einen Seite war es besser, dass sie nicht da waren, denn wenn sie dort gewesen wären, hätten sie uns möglicherweise ein weiteres kritisches Titelblatt gewidmet. An Stelle der Aphrodite hätten sie diesmal Themis setzen können. Und leider hätten wir ihnen Anlass und … Inspiration geliefert.

Beschämendes Bild des Justizwesens in Griechenland

Der Beginn der vertagten Verhandlung war für zwölf Uhr mittags angesetzt worden. Der Gerichtsdiener schloss den Verhandlungssaal ungefähr um 12:15 auf, das Gericht erschien gegen 12:45 Uhr, rief in aller Ruhe die Sache auf und unterbrach die Verhandlung dann bis 14:00 Uhr. Das Gericht erschien wieder um 15:15 und verkündete schließlich die Vertagung! Der Grund war die unkorrekte (nicht rechtmäßige) Ladung von sechs der dreizehn Angeklagten. Der selbe Grund war es allerdings auch schon beim vorherigen Mal! Offensichtlich erfolglos suchten die Vorsitzende und die Staatsanwältin während der Unterbrechung nach einem Vorgesetzten, um zu diskutieren, was sie zu tun hätten. Mittags, 12. August und Freitag – “verlangen sie nicht zu viel, meine Damen?” wäre ihnen gesagt worden, wenn sie jemand beim Telefonieren gesehen hätte.

Der Verhandlungssaal war diesmal ein anderer, und gestern wurde ein viel kleinerer Raum benutzt, was zur Folge hatte, dass sich die Angeklagten anderer Sachen des selben Prozessregisters dicht aneinander drängten. Und wir sprechen von Verhafteten wie Dieben, Drogensüchtigen und Transsexuellen, da das Gericht für Schnellverfahren zuständig war und ihm damit hauptsächlich Personen vorgeführt werden, welche die Polizei in der vorherigen Nacht im Zentrum von Athen “einsammelt”.

Wer sich speziell in letzter Zeit dort einfindet wird verstehen, dass diese (in der Mehrzahl leider) Jugendlichen selbst innerhalb des Gerichtssaals sogar auch den Polizeibeamten bestehlen können, der sie begleitet. Die Klimatisierung war zumindest während der ersten Stunde inexistent, was zum Ergebnis hatte, dass im Saal der Schweiß floss. Das Erste, was wiederum beim Eintritt durch den zentralen Eingang des Gebäudes 7 auffiel, waren auf dem Boden verschütteter Kaffee und links und rechts verstreuter Abfall, während ein Geruch von … Urin schon bereits vom Vorhof aus wahrnehmbar war.

Es war also besser, dass die deutschen Journalisten nicht präsent waren, oder nicht?

Formfehler führt möglicherweise zu Verjährung

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass bei dem Termin am 19.08.2011 nur sieben der Angeklagten vor Gericht vertreten waren. Der Termin musste jedoch erneut vertagt werden, da nach wie vor nicht die rechtmäßige Ladung der übrigen sechs Angeklagten bestätigt werden konnte, weil die einschlägigen Zustellungsberichte nicht an die Staatsanwaltsschaft weitergeleitet worden waren. Bezüglich dieser sechs Personen zeichnet sich nun sogar die Möglichkeit der Verjährung ab.

Die Positionen der Prozessgegner

Die (griechischen) Rechtsbeistände der sieben vertretenen Angeklagten erklärten, dass der strittige Artikel keine Straftat darstelle: “Auch wenn die Publikation uns nicht gefällt, ist sie kein Strafbestand. Die geäußerte Ansicht mag störend sein, jedoch müssen wir die Kritik im Rahmen der Pressefreiheit ertragen.

Die Anwälte der Verteidigung sprachen sogar von einem “anmaßenden Egoismus“, von dem die Griechen manchmal besessen sind und der sie in die falsche Richtung führt, während gleichzeitig in Griechenland über andere noch schärfere und unangenehmere Dinge geschrieben werden.

Aus dem Lager der Kläger bezeichnete dagegen Rechtsanwalt Th. Fragkakis den strittigen Artikel als methodisiert und verachtenswert und argumentierte, dass im Namen der Pressefreiheit nicht alles eingeebnet werden kann und global alle Griechen als Betrüger charakterisiert werden dürfen.

(Quellen: Vradyni, in.gr)

FOCUS-Artikel entfacht große Empörung in Griechenland

25. Februar 2010 / Aufrufe: 3.553 20 Kommentare

Die Titelseite der Ausgabe 08/10 des deutschen Magazins FOCUS vom 22. Februar 2010 stieß in Griechenland auf große Empörung und verursachte sogar auf politischer Ebene unverhohlene Verstimmung.

Wie beleidigend und schmähend in Griechenland der in Rede stehende Leitartikel “Betrüger in der Euro-Familie” und insbesondere auch die Fotomontage auf dem Titelblatt der Ausgabe des FOCUS empfunden wird, lässt sich einem Beitrag entnehmen, der auf dem Portal O Topos Mou am 23. Februar 2010 unter dem Titel “Ο Σάτυρος του Αρχαιολογικού Μουσείου Αθηνών” (Der Satyros des archäologischen Museums Athen) publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Focus - O Topos Mou
O Topos Mou: Unsere Schulden? Könnt ihr haben!
Jedoch erst nach Zahlung der Kriegsreparationen, die ihr uns schuldet!

“Sehr geehrter Herr Helmut Markwort, Chefredakteur des Magazins Focus.

Das Titelblatt Ihres Magazins (links) ist kitschig und vulgär. Sie sorgen sich um ihr “Geld”, was Sie nicht davon zurückhält, die Geschichte und die Kultur unseres Landes zu schmähen. Kultur, Herr Markwort, ist das Titelblatt des Magazins unserer Gruppe (rechts). Kultur ist der Satyros des archäologischen Museums Athen. Wir hoffen, dass er Ihnen bekannt ist. Die heutige Ausgabe unseres Magazins und die Präsenz des Satyros sind Ihnen, Ihren Mitarbeitern und Ihrem authentischen Magazin gewidmet.

Bleiben wir jedoch bei dem “Geld”, weil bei all dem, was Sie schreiben, allein nur dieses Sie zu interessieren scheint.

Wir sagen also: Deutschland soll erst einmal die Entschädigungen für die Verbrechen zahlen, welche in Griechenland während der Dauer des Zweiten Weltkrieges stattfanden, und das Gold zurückgeben, welches sich Deutschland von meinem Land aneignete, und dann werden wir sehen, wer wem schuldet! Was die Betrüger betrifft, raten wir Ihnen, diese in den Gefängnissen von München zu suchen. Der Name SIEMENS, “Flaggschiff” Deutschlands, und die Bestechungen – erinnert Sie das an etwas?

Oder müssen wir Ihr Gedächtnis auffrischen bezüglich der U-Boote “designed in Germany”, welche in den Werftanlagen Skaramangas “schief” liegen, und auch der Panzer, welche sich Griechenland von Ihrem Land “einzukaufen” weigert? Oder ist Ihnen vielleicht nicht bekannt, dass sich Deutschland während der letzten Jahre zu Griechenlands größtem Lieferanten von Waffensystemen gewandelt hat und auf jede Weise einen erstickenden Druck auf unser Land ausübt, damit es den Eurofighter kauft?

Sie haben jedoch keine Schuld. Schuld hat der griechische Bürger, der Schmähungen wie die Ihrige, aber auch die Unzulänglichkeit der Politiker duldet, welche er bedauerlicherweise wählte, damit sie ihn regieren.

Mit freundlichem Gruß

Εθελοντική Ομάδα Δράσης Ν. Πιερίας

(Freiwillige Aktionsgruppe der Präfektur Pieria)

(Quelle / Originaltext: Ο Σάτυρος του Αρχαιολογικού Μουσείου Αθηνών)

Hat Deutschland Schulden gegenüber Griechenland?

Die deutsche Besatzungsmacht erzwang im Zweiten Weltkrieg von der Griechischen Staatsbank ein Darlehen in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar (Devisenkurs 1938). Nach dem Krieg wurde Deutschland von dem Gremium der Alliierten zu Reparationsleistungen in Höhe von 7,1 Milliarden Dollar (ebenfalls auf Devisenkursbasis 1938) an Griechenland verpflichtet.

In diesen Beträgen nicht berücksichtigt sind die Entschädigungen für die Gräueltaten, welche rund 12% der damaligen Bevölkerung Griechenlands das Leben kosteten, für die etwa – überwiegend im Rahmen diverser “Strafaktionen” – 200 zerstörten Dörfer oder auch an die zahllosen Griechen, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden waren.

Weiter wurde Deutschland verpflichtet, die von der deutschen Besatzungsmacht aus den griechischen Museen und von diversen archäologischen Stätten entwendeten archäologischen Schätze zurückzugeben.

Im Gegensatz zu damaligen Verbündeten Deutschlands haben seit 1946 die deutschen Regierungen bis heute weder die Reparationsleistungen an Griechenland noch die ausgeklagten Entschädigungen an griechische Staatsbürger bzw. deren Hinterbliebene gezahlt und auch nicht die geraubten archäologischen Schätze zurückgegeben.

Selbst der ehemalige griechische Premierminister Xenofon Zolotas hatte aus gegebenem Anlass erklärt, “Deutschland schuldet Griechenland aus während des Krieges an die deutschen Behörden gewährten (Zwangs-) Krediten hohe Summen und weigert sich, diese zurückzuzahlen“.

Von deutscher Seite wurde aktuell dagegen gehalten, dass die Bundesrepublik Deutschland auf Basis des Entschädigungsabkommens von 1960 Griechenland mit knapp 59 Millionen Euro entschädigt habe und Griechenland nach 1960 mit gut 16 Milliarden Euro bei der Integration in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft unterstützt worden sei.

Relevanter Artikel: Überlegungen zum Focus-Artikel “Betrüger in der Euro-Familie”