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Eurotrauma, Dollartrauma – Die Welt ist nicht gerecht

16. Juni 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 359 3 Kommentare

Eingereicht von: Griechenfan

Thema: Beunruhigender Anstieg rassistischer Gewalt in Griechenland

Früher sagten wir, illegal ist scheißegal. Aber es herrschten andere Umstände. Ich weine für jeden Flüchtling, gleich ob aus wirtschaftlichen, politischen oder anderen Gründen.

In Deutschland habe ich mit Flüchtlingen aus Eritrea gearbeitet. Viel mit Frauen. So viel Leid, so viele Vergewaltigungen, bis sie schließlich in Deutschland landeten. Ein „normaler“ Mensch kann sich das nicht vorstellen.

Jeder Mensch auf dieser Erde hat die Berechtigung, sich am Leben zu erhalten und zu reisen wohin er will. Ich bin sehr wütend auf diese Politik, auf Länder welche denken, ihren Wohlstand schützen und Grenzen dicht machen zu müssen, um weiterhin in ihrem Wohlstand zu leben und um andere Länder ausbeuten zu können. Mit welchem Recht?

Ist es rechtens, in anderen Ländern produzieren zu lassen, Kinder arbeiten und zu Krüppeln werden zu lassen für Waren, die wir hier dann zu Niedrigpreisen erhalten? Frauen, Kinder, die für Lidl, Aldi, Adidas und wer weiß wen sonst noch ihre Familien und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen? Haben wir Mitleid mit all den Menschen dieser Welt, die flüchten müssen, weil sie von der sogenannten „Ersten Welt“ ausgebeutet werden? Könnt ihr Euch das Leid vorstellen, welches sie ertragen um zu überleben?

Hier in Griechenland landen so viele Flüchtlinge, von der EU im Stich gelassen. Es gibt immer wieder Meldungen, dass Gelder dafür fließen. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass es egal ist, wie viel Stacheldrahtzaun um das Gebiet zwischen der Türkei und Griechenland gezogen wird, wie verzweifelt die Menschen sind? Mütter mit ihren Kindern überqueren selbst bei eisiger Winterskälte den Grenzfluss Evros. Es sind so viele gestorben, aber darüber lese ich in diesem Blog nichts, wenig. Griechenland wird auch hier allein gelassen.

Ich habe schon geschrieben, dass auch ich mit Etlichem nicht einverstanden bin. Aber … „mein Name ist Mensch“. Lassen wir uns nicht von Geld blenden, bleiben wir Mensch. Wie traurig muss ein Mensch sein, verlassen in der Fremde. Von Stacheldraht umgeben und ohne Perspektive, dem entrinnen zu können? Ich wünsche allen Zynikern, das mal am eigenen Leib zu erleben. Fern der Heimat, seiner Familie, und den Schleppern so viel Geld zahlen zu müssen, wofür wiederum alle Familien zusammengelegt haben um dann darauf zu warten, dass der „Auserwählte“ wiederum die Familien in der Heimat unterstützt.

„Mensch zu sein“ trifft auf immer mehr Menschen nicht mehr zu. Wenn ich hier einkaufen gehe, werde ich belagert. Wir leben von einer sehr kleinen Rente, aber es reicht. Schaut mit offenen Augen und kauft Nahrung auch für die hier lebenden Flüchtlinge. Wenn ich unterwegs bin, organisiere ich Essen für die Flüchtlinge. Ich bin fremd in diesem Land und weiß nichts anderes zu unternehmen.

Ich bin nicht zufrieden mit diesem Beitrag und würde gerne noch viel mehr schreiben. Ich komme aus der ehemaligen DDR und war als Kind auch einmal Flüchtling. Wir schliefen als Familie mit 5 Personen in einem Zimmer. Wir erhielten Decken und mein Vater fand schnell Arbeit. Das hier in Griechenland übertrifft jedoch alles.

Denkt mal nach Leute … es geht nicht immer nur um Geld um Politik … auch wenn das eine das andere nicht ausschließen muss. Aber wir Menschen müssen leben, und wir müssen unsere Kinder vor einen Alptraum schützen. Erhebt Euch und wehrt Euch, überall! Könnt Ihr damit leben, wenn in Afrika die Kinder an Hunger sterben? Ab und an zu Weihnachten mal zu spenden? Habt einen „ruhigen Schlaf“.

Ich möchte nur zum Nachdenken anregen, ein Rezept habe ich nicht. Ich möchte eine Träne für die Menschen, Kinder, Frauen, die beispielsweise den Evros, sprich den Grenzfluss zwischen der Türkei und Griechenland in der Hoffnung auf ein besseres Leben überqueren und dabei ertrinken oder erfrieren.

Eurotrauma, Dollartrauma. Die Welt ist nicht gerecht.

Leben, um zu arbeiten, oder arbeiten, um zu leben?

4. Juni 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 1.086 7 Kommentare

Eingereicht von: Griechenfan

Thema: Griechen arbeiten mehr als Deutsche

Erfindergeist, Sparen an teuren Materialien, Kreativität. Daran mangelt es in den Industrieländern, es kann anders gehen. Genau das hat mich nach Griechenland geführt. Nichts ist gerade und nichts perfekt. Das ist das Leben. Oder ist das Leben in Deutschland so toll? Ist es nicht schön, ein Rad neu zu erfinden?

Ich war dabei, als in Patras vor Jahren Behindertenbusse in die Fähre sollten. Sie waren sehr niedrig und es war ein Problem, sie auf die Rampe zu bekommen. Alle haben mitdiskutiert und Lösungen vorgeschlagen. Es hat eine Stunde gedauert und dann geklappt. Damals war ich als Deutsche etwas genervt, war ich doch an die Zeiteinhaltung gewöhnt und Diskussionen um solche Dinge nicht gewöhnt. Eine wirklich arrogante Haltung. Hier waren Menschen wirklich ernsthaft dabei, eine Lösung zu finden, weil sie die modernen Geräte wie in Deutschland nicht hatten. Ich habe es später sehr bewundert, zumal es dann eine Lösung gab.

Wir haben eine alte Ruine gekauft, mit sehr viel Selbstarbeit. Der Elektriker kam und hat uns Leitungen verlegt. Jeder Deutsche hätte die Hände über den Kopf geschlagen. Da wurde ein Loch gehauen auf einer wackeligen Leiter (da würden die Behörden für Sicherheit in Deutschland Strafen verhängen), Gewerkschaft? Der Lehrling musste ein Holz suchen, was hinein gehauen wurde. Der Anschluss angebracht und Zement drauf. Und? Die Lampe hängt heute noch. Geht doch. Wenn Ersatzteile nicht da waren, wurde eben mit viel Kreativität Alternativen gesucht. Manchmal hat es lange gedauert, aber … es hat immer geklappt. Ist das nicht das Leben?

Es geht immer nur um Produktivität und um Profit, um auf den Märkten mithalten, nicht mehr um das Leben. Es wird gesagt … und ich denke, da ist etwas Wahres dran: “In Deutschland lebt man, um zu arbeiten. In Griechenland oder anderen Ländern arbeitet man um zu leben”.

In der Tat haben hier viele Menschen mehrere Jobs um sich über Wasser zu halten. Ich habe noch nie so viel arbeitende und fleißige Menschen gesehen. Klar, es ist oft nicht so produktiv und in den Behörden gibt es nicht so sehr qualitativ ausgebildete Menschen. Es kann nerven und nimmt viel Zeit in Anspruch. Griechenland hat immer hinterher gehinkt. Aber vergesst nicht, es ist ein kleines Land mit sehr viel weniger Einwohnern als Deutschland und mit sehr viel weniger Technologie. Weniger Arroganz wäre hier angebracht.

Ja, und die Griechen wissen es ihr Leben zu feiern und miteinander zu sein. So viel Großzügigkeit und Herzenswärme. Und wisst ihr was? Ich habe noch nie so gute Ärzte erlebt. Sie haben zwar keine Sprechstundenhilfe und die Räume sehen nicht so edel aus wie in Deutschland. Aber sie nehmen sich Zeit und sind sehr genau. Sehr gute Diagnostiker und schauen nicht auf die Uhr, ob der Patient zu viel Zeit in Anspruch nimmt, weil ja Zeit Geld ist. Nein. Sie schicken Dich auf eine Reise, die etwas unbequem ist, weil Du erst mal hierhin und dahin musst. Blutuntersuchungen etc. zur Krankenkasse, um das abzuklären. Viele Wege für ein wirklich gutes Ergebnis. Klar ist es nicht so gut organisiert wie in Deutschland, aber sehr effektiv. Hier ist der Patient noch ein Mensch und keine Massenware.

Ich höre jetzt auf zu schreiben, weil mir so viel einfällt, was ich nicht schreiben kann. Klar, Griechenland ist nicht perfekt, manchmal nervt es mich so unendlich, aber ich bin auch Deutsche, die die Wurzeln nicht so ganz abschütteln kann. Aber …. ich fühle mich hier so viel besser aufgehoben trotz aller Widrigkeiten. Mensch sein, Mensch sein dürfen. In die Landschaft pinkeln können, Kapern sammeln, den Garten verwildern lassen dürfen, ohne dass sich Nachbarn aufregen oder ich eine Verwarnung bekomme. Mein Haus anmalen kann, wie ich es will. Das ist Griechenland für mich. Nachbarn, die sich um mich kümmern und umgekehrt. Nicht anonym sein.

Okay, ich werde emotional, aber das ist Leben. Ich will nicht, dass sich das alles ändert. Es heißt nicht, dass ich mit Allem hier konform bin. Das steht mir auch nicht zu, denn ich bin Zuwanderin und habe meine Wurzeln woanders. Ob die gut oder schlecht sind …. ?? Aber mein Herz schlägt in Griechenland, es ist ganz bewusst mit allen Widrigkeiten gewollt. Ich stehe dazu und möchte nie etwas Anderes.

Ich wünsche mir für Griechenland ein Land voller Stolz. Mit Veränderungen, die effektiv sind, aber nicht die Mentalität verändern. Die stark sind, das griechische Volk zu schützen und die Eigenheiten zu bewahren. Ich hoffe sehr, dass Griechenland, das Volk sich erhebt und sich vor dem Eurotrauma schützen kann. Hier geht es um ein Exempel und da wird über Leichen gegangen. In dem Sinne … Griechenland den Griechen! Ich hoffe, dass SYRIZA die Wahlen am 17 Juni 2012 gewinnt. Weg mit ND und PASOK. Ist zwar auch etwas unsicher, aber es gäbe eine Chance.