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Artikel Tagged ‘austerität’

Griechenland: Es reicht!

20. Oktober 2012 / Aktualisiert: 03. Juli 2013 / Aufrufe: 883 2 Kommentare

Autor: Jorgos Ch. Papasotiriou

Thema: Troika erpresst Griechenland

Verelendung. Die Kinder gehen hungrig zur Schule. Diesmal gesteht es der Bildungsminister persönlich ein. Einer von zwei jungen Menschen hat keine Arbeit. 30% der Griechen leben unterhalb der Armutsgrenze, erhalten also weniger als 6.000 Euro im Jahr. Betrag und Anteil werden in einer einschlägigen Untersuchung angeführt. Gleichfalls leben 450.000 Familien von Beihilfen und Unterstützung der Kirche und anderer sozialer Organisationen, einer von drei Griechen hat keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Und wenn wir von den Arbeitslosen und Obdachlosen sowie auch den 100.000 Kleinunternehmern sprechen, die ihre Betriebe schlossen, dann ist die humanitäre Krise in Griechenland da und ist allgemein.

Trotzdem fährt die Troika darin fort, von Austerität zu sprechen, während sogar auch die eingefleischten Neoliberalen den großen Schaden sehen, den ihre Umsetzung der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft zugefügt hat, dass die Medizin sich offenkundig als Gift erwiesen hat, wie einige von uns warnten. Obwohl die Troika, also IWF, EZB und Deutschland jetzt ihren Fehler sehen, versuchen sie ihn durch ein Spiel der Verzögerungen zu verbergen, welches auf die Gestaltung der Szenerie für eine politische Lösung des Problems abzielt. Und dies, weil weder die griechische Verschuldung überlebensfähig ist noch das volkswirtschaftliche Programm aufgeht.

Die „Rechenmaschinen“, welche die Gläubiger repräsentieren, scheinen jedoch kein Empfinden und Prinzipien und folglich nichts zu haben, was ihnen heilig ist. Und sie verlangen noch mehr Blut. Natürlich behaupten manche, außer der Kollision der Giganten, die sich in den Verhandlungen widerspiegelt, existiere auch die inländische Opportunität.

Konkret wird gesagt, es gebe einen Kontakt der Troikaner mit griechischen Großunternehmern. Anstatt ihre Forderungen der griechischen Regierung zu übergeben, geben letztere diese der Troika und agieren wie die „Kapuzenträger“ der Besatzungszeit. Weil hier – mit den Senkungen der Löhne und Renten, der Streichung von Beihilfen, der Abschaffung der Lohnbeförderungen – symbolisch und real Massenhinrichtungen der Arbeitnehmer und Rentner stattfinden.

Lasst endlich auch die Reichen etwas zahlen. Es sollen auch die zahlen, welche halb London gekauft haben. Es kann nicht angehen, dass die übrigen Griechen, die überwältigende Mehrheit, wie Lasttiere, wie Ersatzteile von Produktionsmaschinen behandelt werden. Weil historisch der Aufschwung einer Gesellschaft, das Wachstum einer Wirtschaft niemals auf den Tod von Millionen Menschen gestützt werden konnte. Nur die ägyptischen Pyramiden, die Paläste des Zaren und andere pharaonische Projekte blutbefleckter Mächte basierten auf der Sklaverei und dem Tod. Dies kann im 21. Jahrhundert nicht erneut geschehen. Und falls es geschieht, wird es nur von kurzer Dauer sein.

Die griechische Gesellschaft, Griechenland als Staat, das griechische Volk wird entweder ein lautstarker „Es reicht!“ ausrufen oder in dem unerträglichen Arbeitsdschungel verloren gehen, den die Troikaner und die inländischen Herren gestalten.

Quelle: Giorgos Ch. Papasotiriou – Es reicht!
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

IWF, Hobsbawn … und die Troika in Griechenland

4. Oktober 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 439 3 Kommentare

Autor: Jorgos Ch. Papasotiriou

Thema: Troika stellt neue absurde Forderungen an Griechenland

Die gegenwärtige Krise ist tief, „weil sie den selbigen Markt heimsucht„, sagte vor einem Jahr Eric Hobsbawm. Was wird wohl den Markt substituieren? Dies zu erfahren wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, wie auch die Dauer des katastrophalen Prozesses. Hobsbawm sah den Beginn der Katastrophe, bekam jedoch ihr Ende nicht mehr mit, da er diese schnöde – wenn auch schöne – Welt verließ.

Alle wir, die wir hier verbleiben, verfolgen die Episoden des katastrophalen Prozesses, so wie jener, der in Griechenland stattfindet. Dieses Hintertürchen, durch welches die Menschen des Dollar den Euro zu unterwerfen versuchen. Diese Ansicht, die manche bereits seit zwei Jahren als überholt und graphisch verspotten, wird inzwischen auch von Informationsmedien des deutschen Establishments wie der deutschen Zeitschrift „Der Spiegel“ adoptiert.

Die seit gestern (wieder) in Griechenland befindlichen drei Funktionäre der Troika werden als Marionetten politischer Interessen charakterisiert. Wir würden sagen, auch wirtschaftlicher Interessen, da sich hinter den politischen auch die wirtschaftlichen Interessen verbergen. Wessen Marionette ist aus dieser Sicht jedoch Thomsen? Wessen Masuch? Die Zeitschrift gibt keine Antwort. Das Schlimmste für Griechenland ist nicht, dass die Drei gewisse „politische Interessen“ vertreten, sondern dass diese Interessen entgegengesetzt sind.

Poul Thomsen also, als Vertreter des IWF, scheint den amerikanischen Interessen und dem Dollar näher zu stehen, die mit Europa und dem Euro in einem Versuch kollidieren, denjenigen aufzuzeigen, der sich die Welt mit den neuen aufsteigenden Mächten und speziell China „teilen“ wird. Die Härte und der Widerstand des Herrn Thomsen erfolgen nicht, weil angeblich der IWF von seinen Mitgliedstaaten unter Druck gesetzt wird, welche Griechenland Geld leihen, sondern um die Umstände für ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro zu schaffen. Dieses Ausscheiden wird grundsätzlich nicht nur den wirtschaftlichen Bankrott Griechenlands, aber auch den Bankrott der symbolischen und politischen Idee des vereinigten Europas und seiner Währung – des Euro – bedeuten, was die Einleitung ihres völligen Zusammenbruchs sein wird.

Thomsens Trick ist die Fokussierung auf den finanziellen Zweig des griechischen Problems, wobei inzwischen klar ist, dass das Austeritäts-Programm die Rezession verschärft und die Lösung an dem erreichten Punkt nur noch politisch sein kann. Mit anderen Worten, werden die Deutschen den Euro zusammenbrechen lassen oder ihn retten, indem sie politisch beschließen, Griechenland zu retten? Die griechische Wirtschaft kann allerdings weder ohne ihren „Markt“ noch ohne ihr Volk gerettet werden, wie Hobsbawm sagen würde.

Werden jedoch die mörderischen Maßnahmen verhängt, wird sich früher oder später eine vom Süden bis hin zum Norden eine paneuropäische Protestbewegung entwickeln. Es ist unmöglich, dass die Reaktion gegen die humanistische Katastrophe sich nicht überall ausbreitet, „fast so, wie sich die Angst vor der Grippe-Epidemie ausbreitet“. Die große Anstrengung der ausländischen Oberherren und der inländischen Oligarchen ist deshalb, die Medien – also die „Wirte“ der Infektion – unter Kontrolle zu bringen. Alles und jeder, das bzw. der fortfährt, das arbeitsrechtliche Mittelalter und die Hobbessche Gesellschaft des Dschungels anzuklagen, wird ausgelöscht werden. Dies ist bereits mit denjenigen geschehen, die seit 2010 die Memoranden monierten.

Diejenigen, die heute denken, dass „wir (Anmerkung: die Journalisten) alle Verantwortung tragen„, urteilen, weil sie nur Ihresgleichen sehen, da sie nicht auch diejenigen zu sehen vermögen, die bereits „füsiliert“ worden sind.

Quelle: Giorgos Ch. Papasotiriou – IWF und Hobsbawm
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

Euro-Austritt Griechenlands würde Austerität ohne Ende bedeuten

22. Mai 2012 / Aktualisiert: 24. September 2017 / Aufrufe: 3.149 23 Kommentare

Der international akkreditierte Ökonom James Kenneth Galbraith lastet speziell Deutschland das sture Beharren auf einer primitiven volkswirtschaftlichen Sparpolitik an.

Die Schätzungen jeder Art von Werten und Vermögensteilen würden zu der Stunde zusammenbrechen, in der die Inflation galoppieren und die Kaufkraft der Griechen zermalmen würde, während die Spareinlagen massenhaft in das Ausland „flüchten“ und die Liquidität des griechischen Marktes austrocknen würden. Griechenland befindet sich am Rand des Abgrunds, sein Absturz ist jedoch nicht unvermeidbar. Es reicht aus, sich darüber bewusst zu werden, dass auch seine Rettung durch den Euro erfolgt und es in diesem verbleibend darum zu kämpfen hat, die katastrophalen Politiken abzuwenden, welche das Land in die heutige Sackgasse führten.“

Für James Kenneth Galbraith sind die Dinge völlig klar: eben so dumm wie das Beharren auf der Austerität ist auch das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro. In einem exklusiven Gespräch mit der „Imerisia“ bringt der berühmte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler seine Abscheu über die Haltung Deutschlands zum Ausdruck: „Es ist unglaublich, dass in Europa die primitive Idee vorherrscht, die strenge volkswirtschaftliche Disziplin und die Sparpolitik würden Griechenland in einen Aufschwung führen und das Vertrauen der Märkte in das Land und den Euro wiederherstellen.

Laut Herrn Galbraith verhüllt all dies die tatsächliche Erklärung des Verhaltens Deutschlands: nämlich seine Lust, Griechenland abzustrafen und es aus der Eurozone heraus zu drängen.
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