„Marktgeier“ bringen Griechenland Investitionen

16. September 2019 / Aufrufe: 645

Manchmal kommen die direkten Investitionen von wo anders als erwartet, und doch geschieht es bereits in Griechenland, mit ausländischen Fonds als Protagonisten.

Die ausländischen Fonds kaufen in Griechenland nicht nur Aktien, Anleihen, Kredite und Unternehmen. Sie haben auch begonnen, etwas anderes zu tun, was sich als Katalysator für den Anstieg der direkten, produktiven Investitionen erweisen kann.

Es ist eine Folge der von den großen Zentralbanken umgesetzten Politik der Null- und Negativ-Zinsen und der massenhaften Ankäufe von Titeln (QE), wie sie die Europäische Zentralbank (EZB) erneut beginnt.

Gemeinsamer Nenner ist die Jagd nach langfristigen Renditen

Besagte Fonds sind nicht daran interessiert, 10-jährige griechische Staatsanleihen mit Renditen von 1,5 % oder 5-jährige Anleihen mit weniger als 1 % oder diverse Aktien mit einer hohen Dividendenrendite zu kaufen. Vielmehr suchen sie Gesellschaften, die an Abtretungen, Verträgen Öffentlich-Privater Kooperationen (ÖPP) beteiligt sind, allgemein langfristige Verträge haben und bereit sind, ihre geschätzten zukünftigen Einnahmen mit einem gewissen Abschlag zu verkaufen.

Das von dem Standpunkt der ausländischen Fonds Gesuchte ist vielleicht eine konstante Rendite der Größenordnung von 5 % für die kommenden 20 – 30 Jahre, die sie heute auf den entwickelten Märkten außerordentlich schwer zu finden vermögen. Aus Sicht der inländischen Gesellschaften wiederum drückt der Nutzen sich in einer direkten Liquiditätsspritze per Vorauszahlung eines signifikanten Teils der zukünftigen Gewinne aus, die sie in neue Investitionsprojekte stecken können.

Der Rückgang des Landesrisikos Griechenlands und der Renditen der griechischen Anleihen hat die Diskontierung attraktiver gemacht, weil die ausländischen Fonds keine zweistelligen Renditen anstreben, wie sie es in der Vergangenheit verfolgten.

Ausländische Fonds sind in Griechenland bereits präsent und kaufen

Hier möchten wir unserem Freund mit dem Pseudonym Pellegrino, der uns dies zur Berücksichtigung brachte. Letzterer beschreibt, was in Griechenland bei den ausländischen Fonds bereits mehr oder weniger geschieht und nicht weit bekannt ist.

Sie erstellten mit einem ÖPP-Vertrag ein Projekt und haben die 25-jährige Periode seiner Verwaltung begonnen. Es kommt ein ausländischer Fons und sagt Ihnen: Wie viel wollen Sie, damit ich diesen Zahlungsplan (payment shedule) auf mich nehme? Sie haben aus der Erstellung bereits einen Gewinn erzielt und es besteht kein Grund, 25 Jahre zu warten um auch die Rendite der Verwaltungsperiode zu kosten.

Sie vereinbaren also einen Preis, der einen Teil des erwarteten Gewinns im Voraus begleicht und dem Käufer einen signifikanten Gewinn lässt. Das Geld verwenden Sie, um das nächste Projekt zu bekommen, was Sie ohne Finanzierung nicht zu tun vermögen. Das neue Projekt verkaufen Sie wieder und es geht so weiter.

Viele haben die Bedeutung des großen Absturzes der langfristigen Renditen auf die Preise der ‚guten‘ griechischen Assets nicht begriffen. Die Ausländer sind jedoch schon hier und kaufen. So, wie die Dinge sich gestaltet haben, hören sie 5 % Rendite für 25 Jahre mit garantierten Zahlungen von EBRD usw. und nässen sich vor Freude ein. Wir setzen unsererseits Kapital frei um es in neue Projekte zu stecken.

Überlegen Sie, wie viele solche Geschäftsvorgänge mit existierenden langfristigen Vereinbarungen über Überlassungen, ÖPP, Immobilienvermietungen usw. erfolgen können. Aber auch, wie viele Gelegenheiten verloren gingen, weil in den vergangenen Jahren – entweder wegen Bürokratie oder wegen Obsessionen – nicht mehr solche Projekte voranschritten.

Wir könnten ‚aneinandergereiht‘ alle Infrastrukturen des Landes herstellen, praktisch das notwendige Eigenkapital erwerbend und ihre langfristige Verpachtung abtretend. Für viele Konzerne ist es eine Chance, sich diverser non-core-assets mit Gewinn zu entledigen oder einfach nur ihre zukünftig erwarteten Gewinne in die Gegenwart zu bringen.

Auch wir stimmen dem unbesehen zu. Wie viele solche Projekte existieren jedoch in Griechenland? Wohl nicht sehr viele.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Anton
    16. September 2019, 14:46 | #1

    Das Ganze ist nicht ohne Ironie: Während die EZB-Finanzpolitik die Sparer eher enteignet (zahlen für eine Geldanlage), versuchen Fonds über ÖPP-Projekte trotzdem sichere Renditen zu erzielen – trotz der extrem negativen Erfahrungen z. B. in GB oder Deutschland mit solchen Partnerschaften. Faktisch reduzieren zwar ÖPP-Projekte kurzfristig staatliche Schulden auf dem Papier, jedoch nur zu dem Preis einer Ausdehnung staatlicher Rückzahlungsverpflichtungen. ÖPP-Projekte erhöhen letztlich nur die staatliche Verschuldung und geben den privaten Vertragspartner mehr Gläubigermacht gegenüber den Staat. Anders als beim (kleinen) Sparvermögen erhalten ÖPP-Anleger Gewinngarantien, bevor überhaupt Gewinn erwirtschaftet wurde. Fällt der aus (was häufig der Fall ist), muss die Öffentliche Hand trotzdem zahlen – aber auch der Verbraucher, also die Mehrheit der griechischen Bevölkerung.

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