Griechenland: Der Schlüssel liegt beim Bargeld

30. September 2019 / Aufrufe: 809

Der Schlüssel zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung in Griechenland liegt in der drastischen Beschränkung der Nutzung von Bargeld.

Kein Staat mit einer hohen Verschuldung kann glauben, über lange Zeit hohe Überschüsse zu generieren, wenn nur 19 % der Steuer-IDs rund 90 % der Einkommensteuer bezahlen.

Die Geschichten der Steuerhinterziehung in Griechenland haben kein Ende:

Steuerhinterziehungs-Kultur in Griechenland

In einer Stadt Mittelgriechenlands organisierte ein Verwandter eines Ministers der vorherigen Regierung zu dessen Ehren ein Essen und lud einige Bekannte und Freunde ein. Nachdem das Mahl zu Ende ging, begab der Kellner sich zu dem Verwandten des Ministers und fragte ihn, ob es ihm etwas ausmachen würde, die Rechnung zu bezahlen ohne eine Quittung zu erhalten. Überrascht fragte ihn der Mensch, ob er wisse, wer neben ihm saß, was zum Resultat hatte, dass der Kellner um Entschuldigung bat und die Quittung brachte.

In einem zentralen Athener Krankenhaus unterzog eine ältere Frau sich vor einigen Wochen einer Bypass-Operation. Der Chirurg und das Team der Ärzte steckten sich von der Familie der Patientin ein „Fakelaki“ von rund 5.000 Euro in bar ein. Den selben Betrag hatte eine befreundete Person für einen Verwandten von ihr für eine Bypass-Operation an den Chirurgen eines anderen Krankenhauses entrichtet.

Etliche in Griechenland und sicher auch die „Institutionen“ sprechen von einer Kultur, während die Involvierten die Schuld den hohen Sozialabgaben und der Besteuerung anlasten. Und all dies, wo ungefähr 19 % der Steuerpflichtigen rund 90 % der Einkommensteuern entrichten, während die Angaben der Europäischen Kommission Griechenland bezüglich der entgehenden Einnahmen aus der Mehrwertsteuer auf dem zweiten Rang nach Rumänien platzieren.

Griechenlands Fiskus entgehen Milliarden aus der MwSt.

In absoluten Zahlen werden für 2017 die MwSt.-Verluste auf 7,4 Mrd. Euro bzw. 4 % des BIP veranschlagt, die wirkliche Nummer ist jedoch wahrscheinlich höher, weil die Schätzungen auf den nationalen Berechnungen basieren, die nicht alles „erfassen“. Würden 30 % dieser Verluste, also 2,2 Mrd. Euro beigetrieben, könnte die Regierung bequem die von ihr gewünschten Steuersenkungen finanzieren und gleichzeitig das fiskalische Ziel beschleunigen.

Wie soll jedoch so etwas geschehen, wenn laut den Banken zehntausende POS inaktiv bleiben und die Vernetzung der Registrierkassen mit den Rechenzentren des Finanzministeriums oder des Ministeriums für digitale Regierungsführung ein Traum bleibt? Oder selbst auch das Input-Output-System bei den Treibstoffen „gestutzt“ bleibt, weil die Raffinerien außen vor bleiben, während laut den Faktoren des Markts das Rechenzentrum nicht über genug Rechenleistung für Massenkontrollen zu verfügen scheint. Immerhin sind mittlerweile die elektronischen Rechnungen auf die Bahn gebracht worden.

Unter diesen Umständen fällt das Gewicht auf die Einschränkung des Bargelds bei den Geschäftsvorgängen. Das Finanzministerium hat beschlossen, die „Latte“ für den Aufbau des Steuerfreibetrags per elektronischer Transaktionen anzuheben, um einen größeren Teil der Steuerhinterziehung zu erwischen und mehr Einnahmen einzunehmen.

So positiv dies auch sein mag, reicht es jedoch von allein nicht aus. Es ist nötig, dass alles Vorstehende und noch etwas erfolgt. Nämlich die drastische Senkung der Höhe der Transaktionen, die ohne steuerliche Folgen für Firmen und Selbständige in bar erfolgen dürfen. Derzeit beträgt die Grenze 500 Euro und ist sehr hoch, um in der Bekämpfung der Steuerhinterziehung effizient zu sein.

Ist die Einschränkung der Bargeldnutzung politisch erwünscht?

Wenn nicht all dies geschieht und gleichzeitig einerseits von den Banken die Kosten der elektronischen Transaktionen und andererseits die Steuersätze und Sozialabgaben gesenkt werden, wird das Resultat nicht das gewünschte sein. Ohne die Einschränkung der Bargeldnutzung und die Bekämpfung des Treibstoff-Schwarzhandels usw. wird jedwede Bemühung um die Ausweitung der Besteuerungsbasis auf eine rationale und gerechte Weise kein Ergebnis haben.

Existiert jedoch der politische Wille, der für eine holistische Bewältigung des Themas auf Basis der drastischen Beschränkung der Nutzung von Bargeld erforderlich ist? Um es elegant auszudrücken, manche der Außenstehenden sind sich überhaupt nicht sicher.

Die Notwendigkeit zur Schließung der Schere zwischen den Einschätzungen der „Institutionen“ bezüglich der fiskalischen „Lücke“ im Jahr 2020 lässt jedoch einen Spalt offen, zusammen mit einer – wie bereits erfolgenden – entsprechenden Rationalisierung der staatlichen Ausgaben zuversichtlich zu sein.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. GR-Block
    1. Oktober 2019, 00:21 | #1

    … während die Angaben der Europäischen Kommission Griechenland bezüglich der entgehenden Einnahmen aus der Mehrwertsteuer auf dem zweiten Rang nach Rumänien platzieren.“ – Fake as fake can. Die Mwst.-Einnahmen sind in erster Linie deshalb in GR niedrig, weil das BIP niedrig ist. Genau wie in Rumänien. Im Gegensatz zu den hochindustrialisierten Staaten feiern Griechen nunmal nicht täglich Konsumpartys sondern halten ihr Geld zusammen. Anstatt sein Hab und Gut im Konsumrausch zu verpulvern, besteht der Grieche auf seine finanzielle Unabhängigkeit. Sonst hätte auch SEIN Urgroßvater gegen Bares Haus und Hof verkauft und nichts den Nachkommen vermacht. Die Nachkommen dieser aus dem Feudalismus stammenden Mentalität müssen sich für ihre Dienstherren den A…. aufreißen, um viel Geld zu verdienen, damit sie es für das bloße Leben gleich wieder abgeben müssen. Leben = to live = wohnen. Na, dämmert’s?
    Und wenn es ums feiern geht, dann steigt die Party beim Griechen zuhause und das BIP bleibt gefälligst unten. Denn an meinem Spaß soll keiner teilhaben, der nicht eingeladen ist. Anders der Untertan, der muss für alles den Raubritter bezahlen. Man stelle sich nur vor, manche dieser armen Schlucker bezahlen selbst fürs Pinkeln freiwillig. Absurd!
    Verzweifelt versucht der Untertan einmal im Jahr seinem Feudalsystem zu entfliehen, im Urlaub. Aber selbst da muss er einem Raubritter den Zehnten abdrücken. Und wer jetzt behauptet, die übrigen 90% gingen schließlich in die Urlaubsländer, dem reiße ICH den A…. auf. Dieses Geld muss schließlich vorort erarbeitet werden, der Zehnte dagegen wird vom Tourismuskonzern einfach nur eingezogen, für die „Vermittlung“. Das ist ein Einkommen, ohne Arbeit, quasi Hartz IV für Reiche.

    Steuerhinterziehungs-Kultur in Griechenland“ – Die Steuerhinterziehung (Sthz) pro griechischem Kopf liegt genau im Durchschnitt der EU. Das ist natürlich hoch für ein Niedrig-BIP-Land. Aber eben nicht so hoch wie in den Feudalstaaten. Es ist nicht legitim die Sthz pro BIP zu betrachten, wenn die BIPs der Länder so unterschiedlich sind. Der Fake besteht darin, dass ein niedriges BIP als Sthz interpretiert wird.
    Damit GR in dieser Milchmädchenrechnung gut dasteht, müssen Wohneigentum eingezogen, Gehälter und Preise von heute auf morgen verdoppelt werden, dann kaschiert das BIP alles. Denn es tun sich Branchen auf, die außerhalb der Sthz stehen, z.B. der Mietemarkt … oder das bezahlte Pinkeln in öffentlichen Toiletten.
    Übrigens, in welcher Branche grassiert EU-weit die höchste Sthz … na? … im Baugeschäft natürlich. Von den vier Wänden werden in der Regel nur zwei versteuert. Da aber in allen Ländern der Hausbedarf gleich ist, haben sich manche Länder zusätzliche Märkte erschlossen, wo es naturgemäß wenig Sthz gibt. Dann stehen sie im Schnitt besser da.

    Ein besonders effizienter Trick auf dem Finanzmarkt wird von Bänkerstaaten wie LUX, CH, D, NLD … praktiziert. Interessanterweise, gar nicht so sehr von UK. Aber die wollen ja sowieso raus. Nein, nein, das klassische Beispiel (ich wiederhole mich) ist LUX. Schaut man nach der Sthz pro BIP dann ist LUX Vorletzter. Schaut man nach dem absoluten Wert Sthz pro Kopf dann ist es die Nummer eins, noch vor den Skandinaviern.
    Was GR von DNK, NOR und SWE lernen kann, habe ich schon oben erklärt. Das ist die Sache mit der Lohn- und Preiserhöhung. Das ist langwierig. Schneller geht es à la Juncker. Man muss nur in Athen jede Nacht einen Geldtransporter mit einem Kubikmeter 100-€-Scheine von der ETE zur PIRAEUS BANK fahren und zurück. Der Transfer würde pro Nacht das BIP um 0,2 Mrd € erhöhen. Bei 365 Nächten wären 73 Mrd. pro Jahr drin. Damit könnte man die 3%-Vorgabe der Memoranden um das 10-fache übersteigen. Und die Sthz wäre sofort um ein Drittel gefallen. Also … nicht wirklich … aber immerhin nach der Milchmädchenrechnung. Aber wer will die schon?

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