Die internationale Krise erreichte Griechenland

18. August 2019 / Aufrufe: 374

Im ersten Halbjahr 2019 traf die internationale Krise auch Griechenlands Wirtschaft und stellte erneut deren Widerstandsfähigkeit auf die Probe.

Das aus dem Ausland kommende „Knirschen im Gebälk“ erreichte im ersten Halbjahr 2019 auch Griechenlands Wirtschaft.

Es „reflektiert“ sich nicht nur in den offiziellen Angaben bezüglich der sich in der griechischen Wirtschaft eingestellten Deflation, sondern auch des Knarrens, das sich in der Handelsbilanz, bei den touristischen Strömen des Landes, in der Investitionsstagnation, im Rückgang beim Einzelhandelsumsatz und der Verlangsamung der Industrieproduktion zeigt.

Wird Griechenland die Gelegenheit vollständig nutzen können?

Das Positive ist, dass sich in Griechenland das wirtschaftliche Klima im Juli 2019 zügigst verbesserte: nämlich auf 105,3 Punkte, damit zeigend, dass sich psychologisch Etwas geändert hat. Und die griechische Wirtschaft hat weiterhin Widerstandskräfte, wie die jüngsten Angaben über den ansteigenden Verlauf der Steuereinnahmen im Juli 2019 zeigen.

Das Thema – führen die Ökonomen und Analysten an – ist, ob diese Gelegenheit des Klimawechsels mittels der von der Regierung auf die Bahn gebrachten zeitnah ausgerichteten Aktionen zur Stimulierung der Wirtschaft und des Markts vollständig ausgenutzt können werden wird. Und dies, damit Griechenland – sei es auch verspätet – gegen das Knirschen der exogenen Krise gedeckt wird, was … auch aus einer vollständigen Umsetzung der Reformen kommt, welche die Wirtschaft wappnen werden, jedoch noch nicht vollendet worden sind.

Alarmglöckchen wegen des rückläufigen BIP in der EU

Der Druck auf die Wirtschaften der EU zeigt sich aus den von Eurostat bekannt gegeben letzten Angaben über das BIP des zweiten Quartals 2019 (Anmerkung: die entsprechenden Einschätzungen für Griechenland werden im September 2019 erwartet). In der Eurozone verlangsamte das Wachstum sich auf 1,1%, wobei es sich in Deutschland auf einen Rhythmus von 0,4% beschränkte (Änderung von -0,1% gegenüber dem vorherigen Quartal) und in dem auch von politischer Instabilität gequälten Italien bei Null lag.

Das „Knirschen“ setzt sich in ganz Europa fort. Dies zeichnet sich in der heftigen Schwankung der (Finanz-) Märkte, aber auch in dem wegbereitenden Wirtschaftsklima-Index ab, der im Juli 2019 in der Eurozone um 0,6 Punkte sank und sich auf 102,7 Punkte gestaltete.

Griechenlands negative Halbjahresbilanz und … Chance

In Griechenland erreichte im selben Monat im Nachhall des Wahlergebnisses der Wirtschaftsklima-Index 105,3 Punkte, gegenüber 101,0 Punkten im Juni 2019. Es ist Rede von einem Ergebnis, welches das höchste seit März 2008 ist und sich auf ausnahmslos alle Unternehmensbereiche verteilt (Industrie, Einzelhandel, Dienstleistungen und Bauwesen). Aber auch das Konsumvertrauen erreichte das höchste Niveau der ungefähr letzten 12 Jahre.

Die „Bilanz“ des 1. Halbjahrs in der Wirtschaft ist jedoch negativ. Der Druck bestätigte sich vor Tagen auch aus dem bilanzierenden Bericht der staatlichen parlamentarischen Haushaltsstelle. In dem Bericht wird angeführt, dass die laufende Handelsbilanz im Verhältnis zum Vorjahr eine marginale Verschlechterung und die Inflation im Juni 2019 einen signifikanten Rückgang zeigte. „Der Rückgang der Inflation zeigt eine mögliche Verlangsamung der Dynamik der griechischen Wirtschaft„, lautet es.

Dem selben Schriftsatz zufolge ist das internationale Umfeld von einem signifikanten Grad einer Ungewissheit gekennzeichnet, die der Zuspitzung der Handelskonfrontation zwischen den USA und China und den damit einhergehenden Erschütterungen im internationalen Finanzsystem, welche die Verlangsamung der Vergrößerungsrhythmen der Weltwirtschaft zum Resultat haben, sowie auch der Möglichkeit eines ungeordneten Ausscheidens des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union entspringt.

Die Indizes der Wirtschaft Griechenlands

Der Druck auf Griechenlands Wirtschaft zeichnet sich jedoch auch in den Erhebungen der Griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) ab:

Der allgemeine Industrieproduktions-Index des Monats Juni 2019 zeigte im Vergleich zu dem entsprechenden Index für Juni 2018 einen Anstieg um nur 0,3%, gegenüber einem Anstieg um 1,3%, den er ein Jahr vorher verzeichnete. Allgemein wird im letzten Zeitraum eine schrittweise Verlangsamung beobachtet.

Der allgemeine Umsatz-Index im Einzelhandel zeigte im Monat Mai 2019 im Vergleich zu dem entsprechenden Index für Mai 2018 einen Rückgang von 2,0% und im Vergleich zu dem entsprechenden Index für April 2019 einem Rückgang um 4,8%. In volumenbezogenen Termini betrug der Rückgang 2,4%.

Im Juli 2019 verblieb Griechenland für den zweiten aufeinanderfolgen Monat im Status einer Deflation. Der Preisindex ging im Juni 2019 um 0,3% zurück und änderte sich im Juli 2019 um Null. Die Rede ergeht von einer Situation, in der Griechenlands Wirtschaft und Markt sich seit 2016 befunden hatten.

Die Verlangsamung des Preisanstiegs fand in dem gesamten vorherigen Zeitraum statt. Das Thema ist jedoch, dass Griechenland seit Monaten der Staat mit dem geringsten Preisanstieg in der EU ist. Und dies hat Auswirkungen auch auf die zukünftige Tendenz für Konsum, Produktion, aber auch Wachstum.

Der Verlauf des Handelsdefizits Griechenlands während der ersten sechs Monate des Jahres 2019 (Anstieg um 8,8%) zeigt den sich verstärkenden Druck. Ein starker Anstieg der Importe, aber mittlerweile auch langsamerer Anstieg der Exporte zeigt, dass die Wirtschaft nicht genug für die Nachfragekrise gewappnet wird, die sich EU-weit zu zeigen begonnen hat. Zusätzlich enthüllen die Angaben der Griechischen Bank (TtE) für den fünften Monat des Jahres 2019 auch 2 weitere Faktoren. Es wird eine Stagnation im Fluss der direkten ausländischen Investitionen, aber auch ein langsamerer Anstieg der touristischen Einnahmen verzeichnet.

Die am 16 Juli 2019 veröffentlichten und die Ergebnisse je Staat vergleichenden Eurostat-Angaben zeigen, dass Griechenland im ersten Halbjahr 2019 das Außenhandelsdefizit auf 11 Mrd. Euro ausgeweitet hat, gegenüber 10,1 Mrd. Euro in der entsprechenden Periode des Jahres 2018. Es ist von einem dem Wert nach EU-weit dritthöchst bleibenden Defizit die Rede (nach Frankreich und Italien, also 2 Staaten mit vergleichsweise viel größeren Wirtschaften …).

(Quelle: capital.gr, Autorin: Dimitra Kadda)

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