Alltäglicher Irrsinn in Griechenland

30. August 2019 / Aufrufe: 658

Die Odyssee eines Dialysepatienten in Griechenland, der in Urlaub fahren wollte.

Die Nierenkranken stellen eine sensible gesellschaftliche Gruppe dar, deren Leben mit dem Dialysegerät verbunden ist. Trotzdem setzen sie in ihrer großen Mehrzahl mit seelischer Stärke ihr Leben fort und versuchen, dessen Freuden zu genießen.

Eine davon ist auch ihr Sommerurlaub, der allerdings einer konkreten Vorarbeit und – leider – auch der guten Absicht des Arzt- und Pflegepersonals des Bezirkskrankenhauses bedarf. Und hier beginnen die Schwierigkeiten …

Elend und Bürokratie in Griechenland sind stärker als Eide

Ein Nierenkranker (dessen Identität Dikaiologitika News bekannt ist) beantragte im vergangenen November, sich in dem Zeitraum ab 20 Juli bis 20 August 2019 im öffentlichen Krankenhaus von Preveza Dialysen unterziehen zu lassen. Er bekam eine mündliche Zusage.

Für den Patienten kam die Zeit, sich in die westgriechische Stadt zu begeben. Einige Tage vor Antritt seiner Reise kommunizierte er mit dem Krankenhaus wegen des Vorgehens. Da wurde ihm mitgeteilt, er sei zu nicht mehr als 12 Tagen berechtigt, was praktisch sechs Dialysen bedeutet, da die Patienten alle zwei Tage dem Prozedere unterzogen werden. Der von dem Krankenhaus vorgeschobene Grund war Arbeitsauslastung. Der Nierenpatient war faktisch gezwungen, die Gegebenheiten hinzunehmen. Ihm wurde jedoch schnell klar, dass die Arbeitsauslastung einfach nur ein Vorwand war: Betten und Geräte blieben ungenutzt.

Im weiteren Verlauf erklärte ihm eine Krankenschwester, bereit zu sein, ihn drei weiteren Blutwäschen zu unterziehen, damit sein Sommerurlaub eine kleine Verlängerung bekommt, jedoch begegnete er der Weigerung der Stationsärztin der Nierenklinik des Krankenhauses. Somit war der Patient letztendlich gezwungen, sich an eine private Klinik in Agrinio zu wenden und eine Entfernung von 300 Kilometern zurückzulegen um die Dialyse zu machen, und all dies geschah, während die Betten und entsprechenden Apparaturen leer standen.

Es ist eine weitere Geschichte alltäglichen Irrsinns, eine Geschichte alltäglicher Strapazen für alle Menschen, die das Unglück haben, diesem ernsthaften Gesundheitsproblem zu begegnen – aber auch, in Griechenland zu leben. Einem Land mit einem Gesundheitssystem, das – im konkreten Fall – darin fortfährt, den menschlichen Schmerz nicht zu respektieren. Elend und Bürokratie scheinen stärker zu sein als jegliche (hippokratischen) Eide, die alle Ärzte zusammen geleistet haben.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Tasos Adraskelas)

  1. Dost Evelyn
    31. August 2019, 00:51 | #1

    Ich kann nur sagen, dass mein Mann in Katerini in einem privaten Dialysezentrum gut aufgehoben ist, schon zwei Monate, es kostet genauso viel wie in D. Der Nachteil ist nur, man muss es vorstrecken und die Kasse überweist das Geld!

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