Das Gespenst der wirtschaftliche Vergangenheit Griechenlands

19. Juni 2019 / Aufrufe: 7
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Rückgang und Überalterung der Bevölkerung

Langfristig begegnen Griechenlands Wirtschaft und sein Arbeitsmarkt jedoch einer existentielleren Krise. Laut Eurostat nahm Griechenlands Bevölkerung von 11 Millionen im Jahr 2009 bis 2018 auf 10,7 Millionen ab, hauptsächlich wegen der Abwanderung. In einem gewissen Grad hat dies geholfen, den Druck auf dem Arbeitsmarkt zu lindern, da weniger Arbeitnehmer um Arbeitsplätze konkurrieren. Im Verlauf der Zeit wird jedoch dieser kontinuierliche Abfluss von Menschen sowohl das Ausmaß als auch das Niveau der Fertigkeiten des griechischen Arbeitskräftepotentials zum Schrumpfen bringen, da die Arbeitnehmer mit der besten Ausbildung das Land verlassen – wobei viele von diesen nie wieder nach Griechenland zurückkehren werden, was zum Resultat hat, dass es für die griechischen Unternehmen schwerer wird, talentierte Arbeitnehmer zu finden.

Der Prozess der Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung ist für Griechenland, das weltweit eine der niedrigsten Geburtenraten (1,3 Kinder je Frau) und eine der höchsten Lebenserwartungen (81 Jahre) hat, besonders problematisch. In den kommenden Jahrzehnten werden die alternde Bevölkerung in Kombination mit der Beschränkung des Arbeitskräfte-Reservoirs den Druck auf das Renten- und Gesundheitssystem des Landes verstärken und den Spielraum für ein tragfähiges wirtschaftliches Wachstum einschränken. Das wird es für Griechenland noch schwerer machen, sich aus seiner ungeheuren Verschuldung „freizuschaufeln“, die in diesem Moment 180% des BIP übersteigt. Und als Ergebnis werden sich die nächste und auch die kommenden griechischen Regierungen noch für viele Jahrzehnte unter der Last der Verschuldung des Landes befinden.

Zusätzlich beginnen die griechischen Banken nach einem Krisenjahrzehnt gerade wieder zu erholen. Während der Rhythmus der nicht bedienten Kredite in den letzten Jahren reduziert worden ist, repräsentiert er jedoch weiterhin 45% aller von den griechischen Banken gehaltenen Kredite. Dies wird weiterhin die Fähigkeit der Banken behindern, Finanzierungen an Haushalte und Unternehmen zu gewähren, und somit eine der grundlegenden „Schienen“ des wirtschaftlichen Wachstums schwächen. Damit sich die Finanzierungsverhältnisse im Land verbessern, hat die nächste griechische Regierung zusammen mit den griechischen Banken neue Pläne zur Beschleunigung des Abbaus der nicht bedienten Kredite auszuarbeiten.

Eine komplexe geopolitische Szenerie

Abgesehen von dem zerbrechlichen Aufschwung der Wirtschaft wird die griechische Regierung ebenfalls in einer komplexen geopolitischen Umgebung zu „navigieren“ haben. Wegen des Drucks seitens der Europäischen Union und der USA wird das Abkommen mit Nordmakedonien bezüglich seiner Umbenennung wahrscheinlich unabhängig davon weiterhin gelten, wer die anstehenden Wahlen gewinnt. Eine neue konservativere Regierung in Griechenland kann jedoch kühlere Beziehungen zu dem nördlichen Nachbarn als die linke Regierung unter Alexis Tsipras haben.

Nach seiner Vereinbarung über seine Umbenennung strebt Nordmakedonien nun an, in die Europäische Union und in die NATO eingegliedert zu werden, wo Griechenland Mitglied ist. Und während unwahrscheinlich ist, dass Griechenland den Beitrittsantrag von Skopje klar blockieren wird, existiert jedoch die Möglichkeit, dass eine unter der Führung der Nea Dimokratia stehende Regierung über die Bemühung Nordmakedoniens, vollumfänglich in diese beiden westlichen Institutionen eingegliedert zu werden, weniger begeistert sein wird.

Zur selben Stunde wird die nächste griechische Regierung ebenfalls einer zunehmend komplizierten Situation im der östlichen Ägäis begegnen. Das sensible Verhältnis Griechenlands zur Türkei bleibt in einer zerbrechlichen Balance. Die beiden Länder kooperieren in gewissen Themen, wie der Rolle der Türkei in der Abwehr des Eintreffens der Asylanten auf griechischem Boden. In anderen Themen kollidieren sie jedoch häufig – insbesondere in den Themen, die sich auf Zypern sowie auch ihren nationalen Luftraum und das Ägäische Meer beziehen.

Ankara fordert Anteil an Zyperns Ressourcen

Was spezieller Zypern betrifft, unterstützt Athen die international anerkannte und mehrheitlich griechischsprachige Republik Zypern, während einzig und allein Ankara die mehrheitlich türkischsprachige „Türkische Republik Nordzyperns“ anerkennt. Dieses strittige Thema offenbarte sich jüngst in den Auseinandersetzungen bezüglich der Energie-Ressourcen Zyperns. Die Türkei fechtet Teile der Küstenerforschungen der Republik Zypern nach Erdgas in der Nordägäis an und vertritt, Nordzypern sei ebenfalls berechtigt, in der Region Bohrungen vorzunehmen. Ankara vertritt auch, diverse Teile der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Republik Zypern verletzen gewisse Teile des türkischen Festlandsockels. Die Spannungen eskalierten im Mai 2019, als ein türkisches Bohrungsschiff in von Ankara angezweifelten Gewässern angelangte.

Diskussionen über die Wiedervereinigung der Insel erfolgen zeitweise und werden die griechische Regierung in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich weiterhin quälen, da diverse heikle Themen wie die politische Organisierung eines wiedervereinigten Landes, die Präsenz ausländischen Militärs und die Entschädigung jener, die inmitten des Kriegs ihre Vermögen verloren, weiterhin die Erzielung eines Fortschritt behindern. Die derzeitige griechische Regierung hat derweilen in den letzten Monaten engere politische, wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu den USA angestrebt, so die häufig gespannten Beziehungen des Weißen Hauses zur Türkei ausnutzen wollend – welche Strategie sich mit der neuen griechischen Regierung unwahrscheinlich ändern wird.

Unabhängig von ihrem Ergebnis werden die Wahlen am 07 Juli 2019 einen weiteren Schritt zu der allmählichen Normalisierung Griechenlands nach einer zehnjährigen Wirtschaftskrise signalisieren. Jedoch selbst, wenn – wie erwartet – die Nea Dimokratia gewinnt, wird angesichts des Ausmaßes und der Menge der Probleme, denen Griechenland im In- und Ausland begegnet, der Führungswechsel keinen baldigen wundersamen Aufschwung zum Ergebnis haben.

(Quelle: euro2day.gr)

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