Skandalöser Steuerrassismus in Griechenland

7. Mai 2019 / Aufrufe: 382
Einen Kommentar schreiben Kommentare

In Griechenland wird seit 6 Jahren ein skandalöser steuerlicher Rassismus zu Lasten der mittelständischen Freiberufler und Selbständigen praktiziert.

Wenn sich in Griechenland ein Politiker hinstellen und sagen würde, ab dem nächsten Jahr werde für alle Griechen der Steuerfreibetrag völlig gestrichen und sogar die Arbeitslosen werden Einkommensteuer auf Basis sogenannter Lebenshaltungsindizien zahlen, wie z. B., in einem Haus mit Dach und Fenstern und nicht auf der Straße zu leben, und wie z. B. die Anzahl der Kinder, die sie haben, und dass sie auf Basis dieser Lebenshaltungsindizien sogar auch die Steuer des folgenden Jahres im Voraus plus einen Betrag von – sagen wir einmal – 650 € als Kopfsteuer für alle Griechen unabhängig davon zu zahlen haben werden, ob sie ein Einkommen haben oder nicht, dann würde es im Land eine Revolution geben!

Eine reine Kopfsteuer (Poll Tax) wollte im Jahr 1990 Thatcher einführen und wurde von ihrer eigenen Partei gezwungen, das Amt der Premierministerin niederzulegen!

Rassistische Besteuerung mittelständischer Selbständiger in Griechenland

Wenn das Vorstehende in Griechenland geschähe, würden höchstwahrscheinlich 2 bis 3 Millionen Menschen auf dem Syntagma-Platz aufmarschieren und sich sicher auch diverse arbeitslose Chaoten einfinden, um alle öffentlichen Gebäude auf dem gesamten Staatsgebiet plus 50 – 100 Bauquadrate im Zentrum Athens, wahrscheinlich weitere 10 – 20 Bauquadrate in Thessaloniki und auch sonst alles abfackeln, was sich in den übrigen Städten Griechenlands noch so anbietet … .

Ist das vielleicht ein fiktives Szenarium, das in Griechenland niemals geschehen kann? Aber nein, es geschieht bereits, nur betrifft es einfach nur eine einzige Klasse von Bürgern, nämlich die mittelständischen Selbständigen! Rassistisch!

All das, was als „vorläufige Maßnahmen zur Bekämpfung der angeblichen Steuerhinterziehung aller Freiberufler und Selbständigen“ eingeführt wurde, war 2013 verabschiedet worden, bis die neuen Kontrollmechanismen des Staates aktiviert und zu „greifen“ beginnen werden. Jene „vorläufigen“ Maßnahmen, die von der Regierung SYRIZA-ANEL aktiviert wurden! Wie sich allerdings erweist, natürlich nur angeblich „vorläufig“, da diese Maßnahmen auch heute noch gelten, wo mittlerweile die Steuerhinterziehung in Griechenland schwieriger geworden ist als dem „Internal Revenue Service“ der USA Steuern vorzuenthalten!

Nach 4,5 Jahren der Regierungsführung unter SYRIZA-ANEL, nach 4 Jahren Kapitalverkehrskontrollen, obligatorischen Lieferanten- / Kunden-Tabellen (MYF), elektronischen Rechnungen, unter Beobachtung stehenden deklarierten geschäftlichen Bankkonten, nach der Abschaffung des Bankgeheimnisses für die staatlichen Behörden, nach der halbjährlichen Meldung der Kontostände aller Bankkonten je Steuer-ID bei allen Banken, nach dem Zugriffsrecht auf Bankschließfächer und der Abschaffung der Vertraulichkeit darüber, wer ein Bankschließfach besitzt, nach der Etablierung der Möglichkeit zur Pfändung von Bankkonten und Immobilien und zu Zwangsversteigerungen für Schulden an den Staat mit dem Verwaltungsakt eines einzigen staatlichen Beamten ohne Informierung des Steuerpflichtigen und ohne einen Gerichtsbeschluss zu benötigen – Maßnahmen, die außer der Zerschlagung der wirtschaftlichen Freiheit der Griechen auch die Steuerhinterziehung eliminieren – außer jener der alten Omas, die auf dem Wochenmarkt für 3 € Strickpantoffeln verkaufen und mit Münzen bezahlt werden!

Steuerrassismus wie unter Atatürk, Lenin und Hitler

Warum haben die Mittelständler weiterhin einen Steuerfreibetrag von 0 € und Lebensführungsindizien für ihre Kinder als ob sie ALLE verurteilte notorische Steuerhinterzieher seien? Warum gibt es eigentlich in Griechenland über 40 verschiedene Steuerbemessungsmethoden, mit einem jeweils unterschiedlichen Satz für Arbeitnehmer, öffentliche Bedienstete, Angestellte des privaten Sektors, Parlamentsbedienstete, Privatiers mit Mieteinahmen, Kleinunternehmen, Großunternehmen, Offshore-Unternehmen, Politiker, Rentner mit anderen Einkommen, Privatiers mit Aktieneinkommen, Rentner ohne andere Einkommen usw. usw. usw.? Warum gibt es keine einheitliche Besteuerungsklasse für das Einkommen aller natürlichen und juristischen Personen unabhängig davon, wo dieses Einkommen herkommt? Warum verbleiben in Griechenland eigentlich von je 1 Euro Einkommen:

  • 0,90 € für einen Politiker,
  • 0,95 € für Parlamentsbediensteten,
  • 0,48 – 0,84 € für einen Arbeitnehmer des privaten Sektors,
  • 0,50 – 0,67 € für einen Immobilieneigentümer,
  • und nur 0,10 -0,20 € für einen Selbständigen?

Diese fortgesetzten rassistischen Verzerrungen der Besteuerung in Griechenland gleichen der differenzierten rassistischen Besteuerung unter Hitler gegen die Deutschen jüdischer Abstammung vor dem 2. Weltkrieg, der rassistischen Besteuerung unter Kemal Atatürk gegen die Griechisch-Orthodoxen in der Türkei und der rassistischen Besteuerung unter Lenin gegen die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte und die Händler zu Beginn der Sowjetunion.

Steuergerechtigkeit wird Griechenland wirkliches Wachstum bringen

Damit endlich ein wirkliches Wachstum kommt, ist die Angleichung der steuerlichen Behandlung für Arbeitnehmer und Selbständige und die Vereinheitlichung der in Griechenland über 40 existierenden Besteuerungssysteme zu EINEM EINZIGEN, mit dem selben – über der Armutsgrenze liegenden – Steuer- und Abgabenfreibetrag für alle, mit gleichen Steuersätzen für alle. Wirklich Alle!

Erforderlich sind:

  • Eine Absenkung des MwSt.-Regelsatzes auf 15%, sprich den Mindestwert der Sechsten Direktive, reduziert bei Gastronomie, Tourismus, Grundbedarfsgütern.
  • Eine progressive Besteuerung mit 3 – 5 Stufen und einem Höchstsatz von 30% – 35%.
  • Die Befreiung von der MwSt.-Abführung für Unternehmen mit einem Umsatz von (z. B.) bis zu 100.000 Euro, wie in Britannien.
  • Eine Abschaffung der MwSt.-Erstattung, es hat nur noch der Entrichtungsaufschub zu gelten.
  • Die MwSt. ist nur für Rechnungen zahlbar ist, die beglichen worden sind.
  • Die Abschaffung der Obszönität, die „Steuervorauszahlung“ genannt wird.
  • Eine Verpflichtung der Unternehmen zur elektronischen Rechnungsstellung.
  • Eine jährliche Regelprüfung durch vereidigte Prüfer, nach dem System der „Public Accountants“ der USA.
  • Logik und Gerechtigkeit! (Hier bewegen wir uns natürlich im Krebsgang.)

Mit all dem, was bis heute gesetzlich etabliert wurde, ist für viele, die sich über die Runden zu kommen schwertun, der einzige Ausweg zum Überleben die Überlebens-Steuerhinterziehung oder die Steuervermeidung mit legalen Mitteln.

Griechenland beraubt Mittelständler seit 6 Jahren um Steuerfreibeträge

Es ist Wachstum nötig, damit der Selbständige Umsätze und Gewinne zu machen beginnt. Ohne Rationalisierung und Gerechtigkeit im Steuersystem kommen wir nirgendwo hin. Und schließlich erzeugt das mittelständische Unternehmen hauptsächlich Arbeitsplätze. Für den Mittelständler und weitere 1 – 2 Personen.

Wer erwartete, die „Multis“ werden kommen und all die arbeitslosen Leute einstellen und Löhne und Steuern und MwSt. und all die Wohltaten bezahlen, soll mal schauen, wie viele in dem letzten Jahrzehnt kamen, oder wohl eher, wie viele weggingen! Die großen – griechischen und ausländischen – privaten Firmen bringen sich mit weniger als 10% der Arbeitsplätze und weniger als 30% des aus der produktiven Wirtschaft herrührenden Gesamt-BIP ein.

Wenn der diebische Staat wie der berüchtigte Christos Ntavelis dem Mittelständler als Kuh begegnet um das in seinen Adern fließende Blut abzumelken, wird der letztendlich sterben, und mit ihm werden auch die 2 – 3 Arbeitsplätze verschwinden, die jeder von diesen unterhält. Und von dem, der „den Laden dicht“ machte, nimmt der Staat genau so viel ein, wie er von der Piraiki Patraiki einzunehmen erwartet: nämlich 0 €. Also so viel, wie in Griechenland seit 6 Jahren auch der Steuerfreibetrag der Selbständigen und Mittelständler beträgt!

(Quelle: capital.gr, Autor: Agis Veroutis, Maschinenbauingenieur, Redakteur, mittelständischer Unternehmer und Kandidat mit der Nea Dimokratia bei den Europawahlen)

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.