Griechenland mangelt es an Selbstkritik

24. Mai 2019 / Aufrufe: 367
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Griechenland täte gut daran, sich in Selbstkritik zu üben um aus seinen Fehlern zu lernen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die sogenannten europäischen Partner kamen 2010 nicht aus ihrer eigenen Initiative nach Athen. Sie wurden von Griechenland herbeigerufen, weil es sich von den Finanzmärkten kein Geld mehr leihen konnte. Üben wir uns also in Selbstkritik, bevor wir die anderen kritisieren.

Wenn ein Land nicht seine Fehler anerkennt und die notwendige Selbstkritik ausübt, ist sehr wahrscheinlich, dass es solche Fehler in Zukunft wiederholt. Griechenland scheint dieser Kategorie anzugehören.

In Griechenland haben viele immer noch nicht begriffen, was Sache ist

Wir haben das Gefühl – und es wäre schön, wenn wir uns irren würden -, dass ein signifikanter Teil des politischen Personals und der Bevölkerung Griechenlands nicht begriffen hat, warum wir in der großen wirtschaftlichen Krise angelangten. Und auch nicht verstanden hat, warum wir im Verhältnis zu anderen Ländern wie z. B. Portugal, Irland und Zypern später aus den Memoranden herauskamen.

Viele Leute haben nicht verstanden, dass die Kumulierung der großen öffentlichen Verschuldung eine Folge der jahrzehntelangen übermäßigen Kreditaufnahme zur Finanzierung der großen Defizite des staatlichen Haushalts war. Speziell in dem 1980er Jahrzehnt, gegen dessen Ende Griechenlands öffentliche Verschuldung auf über 80% des BIP hochschoss, gegenüber 28% – 29% des BIP im Jahr 1980. Und natürlich sind ihnen auch nicht die Fehler und Unterlassungen bekannt, die bei der Handhabung der Krise ab Ende 2009 bis Mai 2010 geschahen, als das Land sich mit 3 Mrd. Euro in der Kasse und fälligen Anleihen in Höhe von 13 Mrd. Euro wiederfand.

Und sie haben auch nicht begriffen, warum andere in Memoranden eingetretene Länder wie Portugal, Irland und Zypern aus diesen früher herauskamen. Der Umstand, dass der Herd der Krise in Irland und Zypern der Banksektor war, differenziert die griechische Krise von diesen. Was jedoch an diversen anderen Tatsachen nichts ändert. Die anderen Memorandums-Länder kamen früher aus den Konvergenzprogrammen heraus, weil sie gute Schüler waren und belohnt wurden.

Der IWF war für Griechenland immer ein bequemer Boxsack

Es besteht kein Zweifel, dass die Planung des ersten Memorandums unter dem Druck der Zeit Fehler hatte, die Griechenland teuer zu stehen kamen. Jedoch taten auch wir etliche Male, was wir konnten, um die Vereinbarungen nicht umzusetzen, so die Gläubiger „hereinlegend“ und ihren Argwohn verstärkend – was zum Resultat hatte, dass letztere strenger werden. Der Fall des Poul Thomsen vom IWF, der als „Taube“ nach Griechenland kam und sich im weiteren Verlauf zu einem unerwünschten „Falken“ verwandelte, ist der charakteristischste.

In solchen Fällen ist die Selbstkritik gut, weil sie bei der Vermeidung ähnlicher Fehler in der Zukunft hilft. Deswegen betrachten wir die Kritik, die der IWF wegen des griechischen Programms an sich selbst übt, als sehr richtig und konstruktiv. Der IWF gesteht ein, dass er im Jahr 2010 seine Satzung verletzte, indem er Griechenland Geld lieh, ohne die Bonität der griechischen Verschuldung bescheinigt zu haben. Vielleicht, weil er in der EU Fuß fassen wollte, was damals Herr Schäuble nicht wünschte, jedoch Frau Merkel wollte. Der IWF gibt ebenfalls zu, dass alles geschah, damit die europäischen Banken keinen Schaden erleiden.

Es besteht kein Zweifel, dass für das griechische politische System und einen großen Teil der Leute der IWF schon immer der bequeme Boxsack war. Manchmal vielleicht gerechtfertigt, andere Male ungerechtfertigt. Die Selbstkritik des IWF ist unserer Ansicht nach für ihn selbst nützlich. Für nicht richtig halten wir dagegen das Fehlen von Selbstkritik wegen der griechischen Programme sowohl von den europäischen Gläubigern als auch von uns selbst, also den Politikern und anderen, die uns regieren. Sei es auch, wenn letztere die Politiken der Periode gewöhnlich parteiliche Ferngläser tragend tangieren. Wenn wir uns nicht in Selbstkritik üben, wird es jedenfalls noch schwerer sein, unsere Lehre zu ziehen, damit wir ähnliche Fehler in Zukunft nicht wiederholen.

(Quelle: euro2day.gr)

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