Wer bezahlt Wohnungsschutz in Griechenland?

3. April 2019 / Aufrufe: 3
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Die neue Regelung zum Schutz der Hauptwohnung in Verzug befindlicher Kreditnehmer in Griechenland bürdet einen erheblichen Teil der Kosten den übrigen Bürgern auf.

Über den neuen Schutzrahmen in Griechenland für die Hauptwohnung von Zwangsmaßnahmen bedrohter Kreditnehmer ist viel geschrieben worden, jedoch wie es auch mit anderen Fällen von Regulierungen in der Vergangenheit geschehen ist, fehlt etwas Signifikantes.

Vor einigen Jahren bei einer Konferenz des Ausschusses für die private Verschuldung, an der hochrangige Funktionäre der Regierung, der Griechischen Bank usw. teilnahmen, soll einer von diesen (sinngemäß, weil es uns eine anwesend gewesene Person hinterbracht hatte) gesagt haben: „Wenn ich etwas bereut habe, dann ist es, keinen Baukredit aufgenommen zu haben und danach Zahlungsunfähigkeit zu erklären.“ Indirekt deutete er damit an, dass eine ungeklärte Anzahl von Kreditnehmern, die ihre Kredite zu bedienen aufhörten, den gesetzlichen Schutzrahmen zu ihrem Vorteil ausnutzten.

Griechenlands Politiker ermunterten strategische „faule“ Schuldner

Zweifellos ermutigten die Erklärungen jener Periode seitens politischer Personen über Schuldenerleichterung usw. solche Verhaltensweisen. Es war sicherlich nicht das erste Mal, dass Politiker bei Schuldnern von Baukrediten Hoffnungen schufen und sie indirekt ermunterten, die Raten nicht zu zahlen, weil mit ihnen an der Macht bessere Bedingungen kommen würden. Den Bankern zufolge war das Resultat auch noch vor dem Ausbruch der großen Krise direkt erkennbar, da sie nach solchen Erklärungen einen Anstieg im Zahlungsverzug der Raten sahen.

All dies untergrub in Griechenland die Zahlungskultur noch mehr. Zusammen mit all jenen die in ein offenkundiges Unvermögen zur Bedienung ihrer Kredite gerieten, weil sie ihre Arbeit verloren oder / und ihre Einkommen wegen der Wirtschaftskrise drastisch sinken sahen, kamen also auch die sogenannten strategischen Nichtzahler hinzu. Letztere sind gewöhnlich einen oder mehrere Schritte den offiziellen Behörden voraus, die monatelang die neue Regelung zum Schutz der Hauptwohnung erörtern.

„Wohnungsschutz“ kommt Griechenlands Gesellschaft teuer zu stehen

Auf die neue Regelung werde ich hier nicht eingehen. Die erfolgenden Diskussionen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Auswahlkriterien und darauf, inwieweit das neue System 60% oder 70% der Kreditnehmer abdeckt. Jedoch stützt der neue Rahmen sich ebenfalls auf die Bezuschussung der Kreditraten aus dem staatlichen Haushalt und wird im Durchschnitt auf ungefähr 33% des Betrags eingeschätzt. Der Gesamtbetrag der jährlichen Subventionierung wird für eine unbestimmte Anzahl von Jahren auf bis zu 200 Mio. Euro jährlich eingeschätzt. Wenn es 10 Jahre sind, kann der Betrag bis zu 2 Mrd. Euro erreichen. Wenn es 20 Jahre sind, verdoppelt die Summe sich.

Obwohl die Raten-Subventionierung ein wesentlicher Grund ist, aus dem die Banken sich mit der Regierung über die Regelung einigten, und der Betrag überhaupt nicht unbedeutend ist, spricht diesen fast niemand an. Offenkundig weder die Banken noch die Regierung und auch nicht die Parteien der Opposition. Dennoch werden Mieter, andere Steuerzahler, die ihre Kredite abbezahlt haben, und Kreditnehmer, die ihre Kredite – wenn auch „blutend“ – regulär bedienen, einen Teil der auf Basis der neuen Regelung ausgewählten Bau- und gewerblichen Kredite bezahlen.

Die Bezuschussung der Rate aus dem Staatsaushalt und wer diese bezahlt, stände in einem anderen Land im Mittelpunkt der Diskussion. In Griechenland nicht. Das sagt viel. Über das Land, sein System und natürlich seine Zukunft.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.