Wenn man in Griechenland … Schulden erbt

27. April 2019 / Aufrufe: 538

Welche Möglichkeiten in Griechenland bestehen, Erbschaften auszuschlagen, die man sich nicht leisten kann oder unter dem Strich gar nur aus Schulden bestehen.

Es gab Zeiten, in denen in Griechenland … die Erbschaft des Onkels aus Amerika angefangen vom Objekt frommer Wünsche bis hin zum Gegenstand klassischer griechischer Filme wurde. In den letzten Jahren ist dagegen nicht nur der Nachlass des Erbonkels in Amerika, sondern in den meisten Fällen sogar auch der Onkel in Griechenland unerträglich – sprich ein Schmerz, der die Erben zur Ausschlagung nicht nur ihrer Haftung, sondern auch signifikanter Vermögenswerte führt.

Abgesehen von der in vielen dieser Fälle einhergehenden hohen Erbschaftssteuer, aber auch den hohen Kosten des Besitzes der ererbten Vermögenswerte, umfasst eine dritte (große) Kategorie jene Erblasser, die zum Zeitpunkt ihres Todes auch viele Schulden hinterließen. Welche Möglichkeiten gibt das Gesetz?

Ausschlagung einer Erbschaft in Griechenland

Es ist offensichtlich, dass der Gesetzgeber nicht zulassen konnte, dass der Erbe nur die positiven Elemente eines Nachlasses (beispielsweise Immobilien) bekommt, ohne dass auch die Schulden auf ihn übergehen, die gegebenenfalls jemand während der Dauer seines Lebens geschaffen hat. Aus diesem Grund hat in Griechenland der Erbe die Möglichkeit, innerhalb von vier Monaten ab dem Tag, an dem er von dem Ableben einer Person erfährt, deren Erbe er ist, sich zum Amtsgericht am letzten Wohnort des Verstorbenen zu begeben und eine Erklärung abzugeben, worin er anführt, den Nachlass dieser Person auszuschlagen.

Um sowohl den Tod der besagten Person als auch die Verwandtschaft des Ausschlagenden zu nachzuweisen, hat der Antragsteller jedoch die (standesamtliche) Sterbeurkunde und die seine Verwandtschaft bestätigende sogenannte „Bescheinigung über nächste Verwandte“ (beide lassen sich mit einem einfachen Antrag beim nächstgelegenen „Zentrum für Bürgerservice“ / KEP erwirken) und natürlich seinen Ausweis bei sich zu haben. Weiter ist ratsam, diese Ausschlagungsurkunde jedem Träger (hauptsächlich des öffentlichen Sektors, wie DOY – EFKA) zukommen zu lassenbei, bei dem unser – verstorbener – Verwandter möglicherweise Schulden hatte.

Notieren Sie auch, dass ab dem Tag der Ausschlagung der Erbschaft eine neue Ausschlagungsfrist für die in der Reihenfolge nächsten Verwandten beginnt. Die Reihenfolge (gesetzliche Erbfolge) gestaltet sich folgendermaßen: Kinder – Ehegatten, Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel / Tanten und Neffen / Nichten, bis hin auch zu den Kindern der Neffen / Nichten. Wenn jemand von all diesen minderjährig ist, bedürfen die Eltern der Erteilung einer gerichtlichen Genehmigung.

Nachlassschulden in Griechenland können „gemutmaßte“ Erben sogar noch nach Jahrzehnten … erwischen

Es gibt Fälle, in denen es – speziell innerhalb des Zeitraums von vier Monaten – schwierig ist, das Vermögen zu schätzen, aber auch entsprechend das vollständige Bild über die Schulden des Verstorbenen zu erhalten. Kurz gesagt also Fälle, in denen man nicht sicher sein kann, ob bei Verkauf des Immobilienvermögens des Verstorbenen seine Schulden beglichen werden und für die Erben etwas „übrig bleiben“ wird. In diesem Fall, wo der Unterschied zwischen Vorteil oder Verlust kaum auszumachen ist, stellt die beste Lösung die Annahme, jedoch mit dem „Privileg der Bestandsaufnahme“ der Erbschaft dar. Es wird das selbe vorstehend befolgte Prozedere befolgt, allerdings erklärt der Erbe, die Verflüssigung der Vermögenswerte des Verstorbenen zu wünschen.

Die „schwierigen“ Fälle sind jene, in denen wir von Schulden des Verstorbenen nur lange nach seinem Tod erfahren, wie es die Fälle sind, in denen noch zu seinen Lebzeiten eine Prüfung seitens des Finanzamts begonnen hatte, jedoch erst nach seinem Ableben vollendet wurde und es posthum Strafen „hagelte“. Wir sind einem Fall begegnet, in denen die Verwandten einer solchen Erblasserin zu keinerlei Ausschlagungshandlung geschritten waren und somit als deren Erben galten, und (da ein gerichtlicher Kampf ihrer Geschäftspartner vorausgegangen war) das Finanzamt sage und schreibe 24 (!) Jahre nach dem Tod der Kontrollierten die Geldstrafen zu Lasten der Erben feststellte, die den Nachlass nicht ausgeschlagen hatten.

In einem solchen Fall ist die Lösung eine Klage auf „Annullierung der fiktiven (sprich gemutmaßten)  Erbschaftsannahme“, damit das Gericht den Erben (gegebenenfalls …) die Möglichkeit zu einer nachträglichen Ausschlagung gibt. Nichtsdestotrotz sollte man immer schon von Anfang an die gesetzlich gebotenen Möglichkeiten untersuchen und entsprechend handeln. Insbesondere in Fällen, in denen der Verstorbene und die Möglichkeit, dass er Schulden hat, nicht so gut bekannt sind, ist die Ausschlagung der Erbschaft nicht immer die optimale, jedoch fraglos sicherste Lösung.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autorin: Sofia Nikolaou, kandidierende Abgeordnete der ND im Wahlkreis A‘ Athen, Rechtsanwältin)

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