Griechenlands heimlicher Schuldenschnitt

21. April 2019 / Aufrufe: 490

Wie bei der öffentlichen Verschuldung Griechenlands eine stille Umstrukturierung erfolgte.

Wenn Griechenland seine europäischen Gläubiger zu überzeugen schafft, die Zielvorgabe für den Primärüberschuss zu reduzieren, wird es das zum Teil etwas verdanken, das unbemerkt passiert ist.

Die „Beschneidung“ der Verschuldung kann zwei Formen annehmen. Die bekannteste und verständlichste ist der „Cut“ des Nennbetrags der Verschuldung. Man schuldet 1.000 Euro und der Gläubiger reduziert einem die Schuld, z. B. auf 600 Euro – mit dem Resultat, dass man Tilgungsraten für einen geringeren Betrag bezahlt.

Rund 90% der Verschuldung Griechenlands hat feste Zinssätze

Dies geschah praktisch mit der Umstrukturierung der griechischen Verschuldung (PSI Plus) im Jahr 2012, bei gleichzeitiger Verlängerung der Laufzeiten. Von den in das Prozedere einbezogenen Anleihen im Nennwert von 206 Mrd. Euro wurde etwas mehr als die Hälfte „beschnitten“. Die finale Reduzierung der Verschuldung war jedoch geringer, weil es nötig war, die inländischen Banken wegen der aus dem „Schnitt“ der von ihnen gehaltenen Anleihen erlittenen Verlust zu rekapitalisieren.

Der „Cut“ kann jedoch auch eine andere Form annehmen, z. B. in gegenwärtigem Wert. Der Wert einer Schuld von 1.000 Euro unterscheidet sich von einer gleich hohen Schuld in 10 oder 20 oder 30 Jahren ab heute. Auf Basis der verfügbaren Angaben der „Public Debt Management Agency“ (PDMA) Griechenlands beträgt die gemittelte Dauer der Verschuldung des allgemeinen Verwaltungsapparats leicht über 18 Jahre. Grob veranschlagt wird die griechische Verschuldung ungefähr alle 18 Jahre refinanziert, gegenüber 6 oder noch weniger Jahren anderer Länder der Eurozone wie Italien, Spanien usw.

Noch signifikanter ist der Umstand, dass Ende 2018 ungefähr 89% der öffentlichen Verschuldung Griechenlands einen festen Zinssatz hatten. Wir sind uns sicher, dass die Quote seitdem weiter gestiegen ist und wahrscheinlich 91% übersteigt. Gleichermaßen signifikant ist der Umstand, dass am 31 Dezember 2018 die gemittelte Neuberechnungsdauer 13 Jahre betrug. Anders gesagt wird Griechenland für 89% und mehr der Verschuldung in durchschnittlich ungefähr 13 Jahren den Festzins neu zu veranschlagen haben. All dies ist nicht zufällig und geschah nicht innerhalb einer Nacht.

Lautlose Umstrukturierung der griechischen Verschuldung

Das Prozedere begann einige Jahre vorher und wurde von den kurzfristigen Maßnahmen zur Umstrukturierung der Verschuldung beschleunigt. Letztere bezogen sich auf Anleihen des EFSF im Nennwert von über 30 Mrd. Euro, welche die inländischen Banken im Rahmen ihrer Rekapitalisierung erhalten hatten. Die Banken bekamen Liquidität, praktisch wurden diese Anleihen jedoch durch andere substituiert, die in 30 und mehr Jahren auslaufen und einen festen Zinssatz haben. Diesen sind die fest verzinsten Kredite des ESM (drittes Memorandum) von über 50 Mrd. Euro hinzuzurechnen.

Schließlich sind die SWAPs (Tausch von gleitenden Zinssätzen gegen feste) einzubeziehen, zu denen in den letzten Jahren lautlos Griechenlands PDMA und der „Europäische Stabilitätsmechanismus“ (ESM) schritten. Offensichtlich, um nicht von dem Markt wahrgenommen zu werden und nicht die Kosten in die Höhe zu treiben. Der Wert (notional amount) der SWAPs ist uns nicht bekannt, jedoch werden wir veranschlagen, dass er 50 Mrd. Euro übersteigen kann.

All dies erklärt, warum (mit den SWAPs) 90% und mehr der Verschuldung einen festen Zinssatz haben – mit dem Resultat, dass die gemittelten Finanzierungskosten von 6,2% vor dem Beitritt Griechenlands im weit zurückliegenden Jahr 2000 auf 2,2% im Jahr 2017 und 1,4% im Jahr 2018 gestalteten.

Das Vorstehende mag vielleicht sehr technisch anmuten. Es gibt jedoch eine Realität wieder. Nämlich die „heimliche“ oder besser gesagt lautlose Umstrukturierung der griechischen Verschuldung. Als die Politiker sich in Hahnenkämpfen ergingen, kümmerten sich gewisse Andere um die Interessen des Landes.

(Quelle: euro2day.gr)

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