Griechenland: vom Brain-Drain zum Tax-Drain

17. April 2019 / Aufrufe: 1
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Nach der Abwanderung von Talenten wird in Griechenland nun auch eine zunehmende Tendenz zur Abwanderung von Steuerzahlern verzeichnet.

Die Abwanderung qualifizierten Personals ins Ausland während der Jahre der Krise hat für die Wirtschaft Griechenlands verschiedene Nebenwirkungen. Das selbe gilt auch für die Abwanderung anderer Personen aus steuerlichen Gründen in Länder des Auslands.

Manchmal sprechen wir über verschiedene Themen, gehen jedoch darüber hinweg, bis wir auf einen Bekannten oder Bekannte treffen, die uns ihre persönlichen Geschichten erzählen. So geschah es jüngst mit einem Bekannten, der in den beiden letzten Jahren Steuereinwohner Zyperns wurde, um – laut ihm selbst – der hohen Besteuerung und den Sozialabgaben in Griechenland zu entgehen. Offensichtlich hat er hohe Einkommen.

Steuer-Migration wegen Überbesteuerung in Griechenland

Der Mensch hob den großen Unterschied, den er seine Bezüge nach Steuern vergleichend feststellte, aber auch die Hindernisse hervor, die ihm die griechischen Behörden in den Weg legten, bis sie ihm den Status des Steuerausländers zu gestanden. „Vielleicht hätten sie mir das Papier (des nicht in Steueransässigen) nicht gegeben, wenn nicht ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (StE) ergangen wäre, das einem Deutschen Recht gab, der in Deutschland arbeitete, dessen Ehefrau jedoch in Griechenland war„, betonte er und fügte an, dass auch seine Frau in Griechenland sei.

Während er jedoch aus der Sache herauskam, schaffen andere es nicht. Eine seit drei, vier Jahren in den Arabischen Emiraten arbeitende Frau ist von den griechischen Behörden immer noch nicht als Steuerausländerin charakterisiert worden. „Es ist sehr schwer, den Status des Nicht-Steueransässigen zu erwerben, wenn man in einem Land außerhalb der EU arbeitet, und insbesondere, wenn es in diesem Land keine Einkommensteuer gibt„, betonte er und meinte, dies erscheine in Griechenland wie etwas Außerirdisches.

Außer der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte (Brain-Drain), worüber viel geredet worden ist und die ebenfalls die Steuerbasis schwächt, existiert also auch die Abwanderung aus rein steuerlichen Gründen, die man als Tax-Drain bezeichnen könnte.

Überbesteuerung beschert Griechenland immer mehr „Steuerflüchtlinge“

Laut den Angaben der OECD befindet Griechenland sich bei dem Kriterium des höchsten Einkommensteuersatzes natürlicher Personen unter den ersten fünf Rängen der 24 europäischen Mitgliedsländer der Organisation. Wenn auch die Solidaritätsabgabe berücksichtigt wird, kommt Griechenland sogar unter die ersten drei. Noch signifikanter ist die Tatsache, dass es bei der Höhe des Jahreseinkommens (40.000 Euro), auf das der Höchstsatz zur Anwendung kommt, nach Belgien auf Rang zwei folgt. Wer in Griechenland mehr als 40.000 Euro verdient, wird von dem Staat als reich betrachtet.

All dies erklärt zu einem großen Grad, warum allein 2017 rund 20.000 Personen den Steuerwohnsitz wechselten, und vor allem, warum diese Tendenz sich wahrscheinlich fortsetzen und dem Staatshaushalt Einnahmen entziehen wird. Und das, wo 6 von 10 Familien deklarierten, 2017 mit weniger als 830 Euro im Monat (10.000 Euro im Jahr) über die Runden gekommen zu sein, während weniger als 20.000 Personen ein Jahreseinkommen von über 100.000 Euro deklarierten.

Es ist offenkundig, dass Interventionen zu erfolgen haben, damit eine Bremse gesetzt und / oder die Tendenz des Steuer-Drain umgekehrt wird, ohne dass es Nebenwirkungen bei den öffentlichen Finanzen gibt. Das sind jedoch politische Entscheidungen.

(Quelle: euro2day.gr)

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