Griechenland: Auch das noch …

23. April 2019 / Aufrufe: 2
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Der steigende Erdölpreis bedeutet für Griechenlands Wirtschaft eine neue ernste Hürde.

Wenn es ein Allheilmittel für jedwede Krankheit der Wirtschaft Griechenlands gibt, dann ist es das Wachstum. Dieses lässt sich jedoch weder von Politikern anordnen noch kann es als gegeben betrachtet werden.

Noch viel weniger, wenn sich neue Hindernisse ergeben.

Austeritäts-Falle stürzte Griechenland in eine tiefe Rezession

Erinnern Sie sich an den Begriff „Austeritäts-Falle“, der in den Jahren der großen Krise 2011 – 2012 international kursierte? Viele verwendeten ihn um sich auf Länder wie Griechenland zu beziehen, die in einer Periode wirtschaftlicher Rezession strenge Sparmaßnahmen ergriffen hatten um das Defizit des staatlichen Haushalts einzuschränken, was den Anstieg der Verschuldung als Prozentsatz des BIP zum Resultat hatte. Wäre die Rezession nicht dermaßen tief gewesen, wäre das Verhältnis Verschuldung zu BIP kleiner. Das selbe gilt auch für andere Dinge wie das fiskalische Defizit als Quote des BIP oder die problematischen Kredite, da sie theoretisch eingeschränkt werden, wenn die Wirtschaft wächst und die Leute Arbeit finden.

Das Thema ist der starke Wachstumsrhythmus und alle Regierungen wollen ihn. Jedoch lässt das Wachstum sich aus verschiedenen Gründen nicht befehlen. Der offensichtlichste ist das internationale Umfeld. Jede Wirtschaft wird in einem unterschiedlichen Grad von der internationalen Umgebung beeinflusst und kontrolliert dies nicht. Das gilt sogar für Monstren wie die Vereinigten Staaten, die eine geschlossene Wirtschaft mit dem kleinen Verhältnis von Exporten – Importen zum BIP haben. Im Fall Griechenlands gilt dies noch viel mehr. Allein der Zweig des Tourismus bestimmt direkt und indirekt ungefähr 20% des BIP.

Der eingeschätzte Rückgang der Einnahmen aus dem Tourismus in diesem Jahr hilft nicht dem Wachstumsrhythmus, der sich allem Anschein nach unter 2% bewegen wird. Für ein zweites aufeinander folgendes Jahr einen Wachstumsrhythmus von über 1,5% zu verzeichnen wird vielleicht als positiv betrachtet. Für eine Wirtschaft, die aus einer vieljährigen tiefen Rezession kommt, müsste der Wachstumsrhythmus jedoch stärker sein.

Griechenlands Wirtschafswachstum droht auch 2019 zu enttäuschen

Leider zeigt alles, dass ein neues Hindernis es der griechischen Wirtschaft noch schwerer machen kann. Nämlich der große Anstieg des Preises des „Schwarzen Goldes“, das Griechenland aus dem Ausland importiert. Der Brent-Preis stieg über 70 Dollar pro Barrel und hat damit in dem ersten Quartal des Jahres 2019 Gewinne von über 25% verzeichnet.

Eine Rolle hat dabei die Reduzierung der Exporte aus Ländern wie Venezuela, Irak und Libyen aus politischen und wirtschaftlichen Gründen gespielt. Die signifikanteste Rolle ist jedoch die Vereinbarung der OPEC-Länder mit anderen Nicht-Mitgliedern wie Russland und Kasachstan, ihre diesjährige Produktion – mit Saudi Arabien allen voran – gegen den Wunsch des Präsidenten Trump zu reduzieren. Das Resultat ist der Rückgang der Ölvorräte nahe an den Durchschnittswert der letzten 5 Jahre, trotz des kontinuierlichen Anstiegs der Schieferöl-Produktion in Nordamerika.

Und all dies geschieht in einer Periode, in der die Aramco, sprich die staatliche Erdölgesellschaft Saudi Arabiens, ihre erste Obligation in Dollar an die Investoren verkauft und damit Zugang zu ihren Wirtschaftsdaten gibt. Mit Nettogewinnen von 111 Mrd. Euro im Jahr 2018 ist die Aramco die gewinnstärkste Gesellschaft der Welt, zweimal höhere Gewinne als Apple und sechsmal höhere als Exxon Mobil präsentierend.

All dies belastet Griechenland, das Erdöl importiert. Und dies, weil der Wert der Importe bei Erdölprodukten das Defizit seiner laufenden Handelsbilanz ausweitet und eventuell den Wachstumsrhythmus bescheidet. Zusätzlich wirkt der Anstieg des Preises für Benzin usw. in der Tasche der Privatleute und Unternehmen als Steuer, die Kaufkraft der ersteren und die Gewinne der letzteren schmälernd.

Nach dem erwarteten kleinen Rückgang des Tourismus aus externen Gründen, z. B. Erholung der Türkei, Brexit usw., und wegen der Erhöhung der Preise durch die inländischen Unternehmer stellt also der Anstieg des Ölpreises keine gute Nachricht dar. Wenn dies sich nicht zum Besseren ändert, steigen die Möglichkeiten, dass der Wachstumsrhythmus der griechischen Wirtschaft 2019 enttäuscht.

(Quelle: euro2day.gr)

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