Bürokratischer Wahnsinn in Griechenland

22. April 2019 / Aufrufe: 937

In Griechenland wurde einem 75 Jahre alten bettlägerigen Rentner eine Schuld an den Fiskus in Höhe von fast 3 Milliarden Euro angelastet.

In Heraklion ist eine ganze Familie in unerhörte Geschichte des bürokratischen Wahnsinns in Griechenland verwickelt worden, indem sie mit einer 3 Milliarden Euro erreichenden Schuld an das Finanzamt konfrontiert wurde!

Als die Kinder des 75-jährigen Giannis Vergis versuchten, für ihren an multipler Sklerose leidenden und bettlägerigen Vater eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung zu erhalten, stellten sie fest, dass dessen Steuer-ID wegen einer Schuld an das Finanzamt (DOY) Heraklion blockiert war.

Aus „Platzhaltern“ wurden in Griechenland … Milliarden!

Wir wussten, dass unser Vater eine nicht regulierte Verbindlichkeit aus einer älteren Epoche hatte, rund um die 8.000 Euro, und stellten uns vor, dass es dies war, was das Problem schuf„, sagt gegenüber ekriti Christos Vergis, Sohn des 75-Jährigen. Als er jedoch in den Archiven des Finanzamts nach der genauen Höhe der Schuld seines Vaters forschte, stellte er überrascht fest, dass der geschuldete Betrag … 3 Milliarden Euro tangierte. Genau gesagt waren es 2.934.702.861,33 Euro. Obwohl die Beamten des Finanzamts sehr schnell bestätigten, dass es sich um einen Fehler handelt, war das Abenteuer der Familie damit jedoch nicht zu Ende.

Die Familienmitglieder vermochten wenigstens fünf Monate lang nicht die steuerliche Fertigkeitsbescheinigung für ihren Vater zu erhalten, da – wie man ihnen mitteilte – nicht nur die Feststellung des Buchhaltungsfehlers ausreichte. Es hätten alle Steuerbehörden des Landes tatsächlich feststellen, dass es sich um einen Fehler handelt, sie mit dem konkreten Steuerpflichtigen keine Anhängigkeit haben, und eine einschlägige Schuldenfreiheits-Bescheinigung ausstellen müssen. Das Thema gelangte sogar bis zur Unabhängigen Behörde für Öffentliche Einnahme (Zollämter, Dienststellen für Sonderkontrollen, Beitreibungsdirektionen, Einnahmedirektionen usw.) um das Selbstverständliche zu bescheinigen, also dass es nicht möglich ist, dass für nur eine einzige natürliche Person eine solche Schuld besteht.

Der Sohn des Rentners übernahm, die Sache für Rechnung seines bettlägerigen Vaters zu klären, und gelangte sogar bis in Athen an, um sein Recht zu bekommen. Obwohl bei jedem Kontakt mit den Steuerbehörden anerkannt wurde, dass es sich um einen Fehler handelt, wusste ihm jedoch niemand zu sagen, wann die steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für seinen Vater freigegeben werden würde. Eine der ihm vorgeschlagenen Lösungen war sogar, sich gerichtlich gegen den Fiskus zu richten, dabei natürlich auch die einschlägigen Ausgaben auf sich nehmend, während in anderen Fällen die Beamten ihm mitfühlend „einen guten Ausgang“ wünschten.

Schulden an Griechenlands Fiskus sanken über Nacht um 3 Mrd. Euro

Informationen von ekriti zufolge ergab sich der Fehler aus der automatischen Ergänzung von Ziffern in den Feldern des „elektronischen“ Schulden-Formulars speziell für die alten Steuerpflichtigen. Ein seit Jahren mit dem Betrieb der Terminals bei den Finanzämter vertrauter Mensch sagt uns, es war üblich, dass das System leere Felder von allein mit … „Neunen“ ausfüllt. (Außerdem ist es kein Zufall, dass Nr. des die Schuld der Herrn Vergis bescheinigenden Dokuments 999999 lautet und die Bescheinigung auf den … 01/01/1900 datiert ist.)

Offensichtlich gab es auch in dem Feld des Betrags gleichfalls eine Reihe von Neunen. Anlässlich der Umsetzung des TAXISnet und der Umstellung von Drachmen auf Euro wurden diese „Neunen“ wahrscheinlich von einem Beamten versehentlich als wirkliche Schuld betrachtet, die anschließend in Euro umgerechnet wurde. Auf den sich ergebenen Betrag begannen (höchstwahrscheinlich ab 01/01/1900) Zinsen und Aufschläge berechnet zu werden, womit wir bei dem absurden Betrag von drei Mrd. Euro angelangten.

Obwohl die Geschichte eine bizarre Dimension hat, betonen die Kinder des Steuerpflichtigen, dass gegebenenfalls auch andere Bürger ähnlichen Situationen begegnen und es angebracht sei, dass die staatlichen Dienststellen diesen schneller begegnen, damit es nicht all diese Strapazen gibt. Wie gegenüber ekriti die Schwester Stavroula des Christos Vergis betont, „soll es nicht jedes Mal nötig sein, uns an die Fernsehkanäle und die Journalisten zu wenden, um unser Recht zu bekommen„.

Tatsächlich wurde kurz vor der Veröffentlichung der Reportage und nach von uns an die Behörden in Heraklion und Athen gerichteten Anfragen erst am 18 April 2019 (zunächst mündlich) beschieden, das Thema sei geregelt worden und ihr Vater könne eine steuerliche Fertigkeitsbescheinigung erhalten, sofern er die (existente) ältere Schuld der Größenordnung von 8.000 reguliere, was jedoch bereits geschehen war.

Als ich das Telefonat erhielt, dachte ich, dass gerade 3 Mrd. von unserem Buckel, aber auch dem schwarzen Loch des Landes gelöscht wurden„, meint Christos Vergis und fügt an: „Wenn man sich es überlegt, ist das kein Klacks. Bei der Eurogruppe macht man uns jedes Mal allein schon nur für eine Milliarde fertig. Bei einem solchen Betrag wäre auch allein der Fall meines Vaters eine Sonderkonferenz wert … .

(Quelle: ekriti.gr, Reportage: Marios Dionellis)

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