Griechenlands Plan B für IWF-Kredite

10. März 2019 / Aufrufe: 1
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Der Plan B Griechenlands für die für die vorzeitige Tilgung der teuren Kredite des IWF.

Die beiden erfolgreichen Anleihen-Emissionen Griechenlands haben die Argumente Athens bezüglich einer vorzeitigen Tilgung der Gesamtheit des teuren IWF-Kredits gestärkt, jedoch können manche Länder der Eurozone Einwände haben.

Eine Weise, in den Verhandlungen das Minimum oder das zu bekommen, was man wirklich wünscht, ist, mehr Dinge zu verlangen und danach einen Kompromiss einzugehen, dabei nachgebend um das Minimum zu bekommen.

Griechenland könnte die teuren IWF-Kredite sofort tilgen

So gesehen ergibt die Möglichkeit einen Sinn, dass Alexis Tsipras bei dem nächsten Gipfeltreffen von seinen Amtskollegen verlangt, dass Griechenland die Gesamtheit der IWF-Kredite in Höhe von 9 Mrd. Euro tilgt. Vielleicht hat es ebenfalls eine innenpolitische Dimension, darin ist diese Kolumne jedoch nicht gut. Das wirkliche Thema für Griechenland ist jedoch die Tilgung des – weil mit einem Zinssatz von über 5% behafteten – teuren Kredits, der sich analog dazu, mit wem man spricht, zwischen 4,8 und 5,3 Mrd. bewegt.

Von verschiedenen Seiten ergibt sich, dass Regierungsfunktionäre bei europäischen Gesprächspartnern von ihnen das Thema der Abzahlung des teuren IWF-Kredits seit dem vergangenen Jahr gestellt haben. Ebenfalls soll es der griechische Finanzminister bei der IWF-Chefin Christine Lagarde angesprochen haben, logischerweise im Rahmen der Aufrechterhaltung offener Kommunikationskanäle und einer guten Beziehung, da die Entscheidung Griechenland und seinen europäischen Partnern obliegt.

Augenscheinlich profitiert der IWF, da er bei dem teuren Teil der „griechischen“ Kredite einen Zinssatz von über 5% einstreicht. Wir wissen jedoch nicht, ob er sich noch mehr Zinsen einsacken würde, wenn er die selben Gelder an ein anderes Land – beispielsweise Argentinien – verleihen würde.

Der erfolgreiche Gang Griechenlands mit der 5-jährigen und der 10-jährigen Anleihe an die Finanzmärkte hat seine Position in den neuen Kontakten gestärkt, die es auf Premierminister-Ebene usw. haben wird. Die durchschnittlichen Finanzierungskosten der beiden Anleihen-Emissionen für die 5 Mrd. Euro, die Griechenland von den Märkten „einsammelte“, werden auf ungefähr 3,7% veranschlagt, während es dem IWF ungefähr 5,10% zahlt – womit die Einsparung an Zinsen erheblich ist.

Es ist eine Win-win-Situation für Griechenland und den ESM, der sich als Hauptgläubiger des Landes für dessen Verschuldungsprofil zu interessieren hat. Trotz allem können die wenigen Länder der Eurozone, die 2018 die Füße gegen die Möglichkeit einer vorzeitigen Tilgung der teuren IWF-Kredite in den Boden gestemmt haben sollen, dies auch weiterhin tun. Und der Grund, aus dem sie dies taten, hat nicht mit Griechenland (da sie die Vorteile begreifen), sondern – wie wir erfahren – mit dem IWF und ihrer eigenen innenpolitischen Bühne zu tun.

Für jemanden, der in Athen ist und von den inländischen Medien bezüglich des IWF „bombardiert“ wird, mag das vielleicht widersprüchlich anmuten. Amtsträger dieser Länder jedoch halten wegen des von dem IWF bezüglich einer Umschuldung ausgeübten Drucks den Fonds für die generösen mittelfristigen Maßnahmen der Eurogruppe des Juni 2018 zur Erleichterung der griechischen Verschuldung für verantwortlich.

Griechenland zahlt jährlich rund 1,8 Mrd. Euro an den IWF

Wenn wir die Situation einfach formuliert wiedergeben sollten, wäre dies etwa so: Der Fonds übte mit dem Bild als Hebel, das die Märkte sich über die Erleichterungsmaßnahmen bilden würden, wenn er selbst sich „kalt“ zeigen würde, Druck auf uns aus, und nun will er sich klammheimlich aus der Affäre ziehen.

Wir vermuten, dass all dies zumindest einigen Regierungskreisen bekannt ist. Vielleicht gab es also aus diesem Grund – vor der Emission der 5-jährigen und der 10-jährigen Anleihe – den Gedanken, den Widerstand dieser Länder zu überwinden, indem man die vorzeitige, teilweise Tilgung des IWF-Kredits für den Betrag von 1,8 Mrd. Euro verlangte. Also den Plan B, wie wir es nennen.

Die 1,8 Mrd. Euro entsprechen im vorliegenden Fall den Zahlungen eines Jahrs, sprich des Jahres 2019. Es sei angemerkt, dass Griechenland jedes Jahr ungefähr 450 Mio. Euro pro Quartal an den Fonds zahlt. Die beiden erfolgreichen Anleihen-Emissionen haben natürlich die Argumente Athens bezüglich einer vorzeitigen Tilgung der Gesamtheit des teuren IWF-Kredits von 4,8 – 5,5 Mrd. Euro gestärkt.

Wir werden jedoch nicht darauf wetten, dass die Genehmigung des ESM zur vorzeitigen Tilgung der Gesamtheit des IWF-Kredits an Griechenland, die Athen vielleicht aus politischen Gründen anstreben wird, erteilt werden würde.

(Quelle: euro2day.gr)

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