Griechenland vermisst … Arbeitslose

5. Februar 2019 / Aufrufe: 719

In Griechenland verschwanden in den letzten fünf Jahren hunderttausende Arbeitslose, die jedoch nach wie vor zu existieren scheinen.

Das Bild, das die ELSTAT präsentiert – und auf das sich Griechenlands Regierung beruft um davon zu überzeugen, die Wirtschaft des Landes habe sich „erholt“ -, scheint im Verhältnis zur Realität geradezu magisch zu sein:

Während der letzten fünf Jahre „verschwanden“ bei den Erhebungen der ELSTAT 337.907 Arbeitslose, die jedoch nicht aus den Listen der OAED gelöscht wurden. Stattdessen blieben sie sogar auch 2018 „beharrlich“ in den Arbeitslosenregistern eingeschrieben und hielten damit die Arbeitslosenrate auf einem minimal niedrigeren Niveau als im Jahr 2014.

„Amber alert“ wegen … Arbeitsloser in Griechenland

Laut der griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) waren die Arbeitslosen jedoch im Verhältnis zu vor fünf Jahren um 1/4 weniger. Und nicht nur das, sondern 2018 nahmen die in den einschlägigen Registern verzeichneten Arbeitslosen im Verhältnis zur 2017 zur selben Stunde zu, wo die ELSTAT während der selben Periode einen neuen Rückgang maß..

Anders gesagt, neben dem paradoxen Phänomen des dramatisch größeren Rückgangs der Arbeitslosen, den in der Periode 2017 – 2018 die ELSTAT im Verhältnis zu dem von dem von dem OAED gemessenen erfasst, kommt ein weiteres hinzu: Während ELSTAT im vergangenen Jahr weiterhin noch weniger Arbeitslose zählt, zählte – das / der / die – OAED … mehr. Zum ersten Mal sind die Arbeitslosen laut dem OAED sogar mehr als laut der ELSTAT.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass die „Organisation für die Beschäftigung des Arbeitskraftpotential“ (OAED)  reale Arbeitslose zählt, da letztere sich regelmäßig bei den örtlichen Geschäftsstellen melden (müssen), während die von der ELSTAT bekannt gegebene Anzahl der Arbeitslosen aus Demoskopien herrührt. (Siehe auch: Griechenland verheimlicht 300.000 Arbeitslose)

Statistikbehörde (ELSTAT) vs … Arbeitsamt (OAED)

Um genauer zu sein, der von dem OAED – als Prozentsatz – verzeichnete Rückgang (2,8%) ist im Verhältnis zu dem von der ELSTAT verzeichneten (28,9%) zehnmal geringer. Konkret:

  • Laut den – mit der Methodologie des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) in Einklang stehenden – Erhebungen der ELSTAT gingen die Arbeitslosen seit 2014 bis einschließlich 2018 um 362.822 bzw. 28.9% zurück.
    Detaillierter gingen laut der ELSTAT die Arbeitslosen im September 2018 auf 887.009 zurück, gegenüber 1.249.831 im entsprechenden Monat des Jahres 2014.
    In diesem Zusammenhang ist anzumerken wert, dass dieser Rückgang sowohl zu der von der ELSTAT verzeichneten Zunahme der Beschäftigten als zu auch dem „Ergani“-Informationssystem über den Fluss der abhängigen Lohnarbeit passt (wenn auch nicht damit übereinstimmt). Laut ELSTAT nahmen in Griechenland in den letzten fünf Jahren die Beschäftigten um 328.392, laut „Ergani“ um 373.766 zu.
  • In genau der selben Periode (2014 – 2018) gingen jedoch die beim OAED registrierten Arbeitslosen um grade einmal 28.915 zurück. Anders gesagt nahmen sie um 2,8% ab. Konkret gingen die Arbeitslosen, die sich beim OAED registrieren ließen, von 968.100 im September 2014 auf 939.185 im September 2018 zurück. Somit „verschwanden“ aus den Erhebungen der ELSTAT 337.907 Arbeitslos, blieben jedoch in den Zählungen des OAED weiterhin „erhalten“.

(Quelle: capital.gr, Autor: Dimitris Katsaganis)

  1. GR-Block
    5. Februar 2019, 10:26 | #1

    Ha, das Spiel der Ämter mit den als „arbeitslos“ registrierten kennen wir in D auch. Es ist immer das Selbe. Ist jemand, der in Schulung ist, arbeitslos? Ist jemand, der krank ist, arbeitslos? Natürlich nicht, sie sind gehaltlos. Denn arbeiten tun viele auch ohne Bezahlung.

    Für eine Gesellschaft zählt in erster Linie die Anzahl der Gehälter. Und die ist in GR bis 2014 auf 48,8% der Bevölkerung (Alter 15-64) abgestürzt. Danach stieg sie bis 2017 kontinuierlich an. Da aber das BIP beharrlich bei unter 180 Mrd blieb, heißt dies, dass das Gesamteinkommen zwar besser verteilt, aber gleich geblieben ist. (Nur 2017 gab es eine Erhöhung bis 180 Mrd.)
    Ist das jetzt gut? Naja, zumindest hat man den Mittelstand von seinem hohen Ross gestürzt und ihm klar gemacht, zu welcher Klasse er eigentlich gehört. Denn vor allem dessen Wohlstand wurde in der Krise abgebaut.
    Die Zahlen für 2018 sind noch in der Schwebe, deshalb darf wie hier spekuliert werden.

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