Das Exportproblem Griechenlands

10. Februar 2019 / Aufrufe: 612

Die Gründe der sehr niedrigen produktiven Extravertiertheit der Wirtschaft Griechenlands, die vor wenigen Tagen auch der SEB unterstrich, sind enthüllend und lehrreich.

Trotz des scheinbaren Anstiegs der Exporte existiert tatsächlich ein ernsthaftes Problem. Es geht um die sehr, sehr niedrige Exportfähigkeit der griechischen Wirtschaft, die auch der Schlüssel dafür ist, um den sieben Bankrotten des Landes in weniger als 200 Jahren auf die Spur zu kommen – aber auch denen, die folgen werden, wenn Griechenland keinen ausreichenden Export-Background erwirbt.

Und das ist überhaupt keine einfache Sache. Spezieller wiederum heute, wo Griechenland in den kommenden 42 Jahren unter Austerität stehen wird, wenn es nicht auf einen Wachstumskurs gerät.

In Griechenland decken 2,5% der Unternehmen über 50% der Exporte

Die letzte Untersuchung – Studie der von Panos Papazoglou geleiteten Beratergesellschaft Ernst und Young (EY) teilt uns mit, dass die griechischen Güter-Exporte von 260 Unternehmen, sprich 2,5% der Gesamtheit der griechischen Unternehmen getätigt werden. Diese decken über 50% der griechischen Exporte, die für ein kleines Land westlichen Typs hoffnungslos niedrig sind. Es sei angemerkt, dass die Pro-Kopf-Exporte in Griechenland mit Müh und Not etwas über 2.200 Euro im Jahr erreichen – während es in Belgien mit seinen 11 Millionen Einwohnern 26.000 Euro und in Irland mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern 16.000 Euro sind.

Laut EY erregt im Fall Griechenlands Interesse, dass, während die griechischen Unternehmen mit der wirtschaftlichen Krise konfrontiert sind, die wenigsten von ihnen den Weg der Extravertiertheit eingeschlagen haben, da 2015 von den insgesamt 700.000 Unternehmen des Landes nur 17.730 eine Exporttätigkeit verzeichneten. Letztendlich ist dieser Mangel an Extravertiertheit wiederum das riesige Problem der griechischen Wirtschaft und es wird sich in dem Grad zuspitzen, in dem sich das internationale wirtschaftliche Umfeld wandelt.

Unter diesem Aspekt ist besonders zu unterstreichen, dass auch die strukturellen und sonstigen mentalen Unzulänglichkeiten der griechischen Unternehmen in einem übertriebenen Grad an dem allgemeinen Umfeld liegen, in dem sich das inländische Unternehmertum entwickelte und heute funktioniert. Der Etatismus, die unternehmensfeindliche Kultur, die labyrinthische und verderbte Bürokratie, die Überbesteuerung und der Mangel an ausgebildetem Personal sind Hauptgründe für diese beschränkte Extravertiertheit. Jedoch sind dem auch die ernsthaften Organisationsunzulänglichkeiten der Unternehmen hinzuzurechnen.

So konzentriert sich für einen großen Teil des Musters der 149 Unternehmen, die EY in der Untersuchung heranzog, ihre Exportbemühung auf die relativ „zugänglichen“ Länder des Balkans und allgemein der „Nachbarschaft“. Ebenfalls ist gerade einmal eins von fünf Unternehmen des Musters zur Schaffung von Produktionsstätten im Ausland geschritten und nur 5% von diesen verfügen heute über mehr als vier Anlagen außerhalb Griechenlands.

Griechenlands Mittelständlern mangelt es an „Exportkultur“

Weiter betonen wir, dass auch die griechische unternehmerische Beteiligung an Vertriebsnetzen im Ausland unbedeutend ist – mit dem unangenehmen Resultat, dass die griechischen Konsumgüter im organisierten Groß- und Einzelhandel außerhalb Griechenlands schwer zu finden sind. Und anstatt dass dies für die Unternehmen ein großes Problem ist, versuchen manche ihrer Vertreter, es mit diversen ausländerfeindlichen Spitzen zu verdecken.

In diesem Sinn ist die niedrige Extravertiertheit auch ein äußerst ernsthaftes internes Thema der griechischen Unternehmen. Wenn die griechischen Unternehmer, hauptsächlich klein- und mittelständische, sich keine Exportkultur zu eigen machen, wird sich nichts Positives ergeben. Der Erwerb einer Exportkultur wiederum ist kein Thema staatlicher Subventionen und Bezuschussungen. Er hängt allem voran davon ab, einen wie offenen Horizont der selbige Unternehmer bezüglich des Unternehmertums hat und in welchem Grad er die Bedeutung des internationalen Markts in seine Logik zu integrieren vermag.

In unserer Epoche, die jene der heftigen Unruhen und Änderungen ist, hat der Unternehmer im weiteren Sinn der Bedeutung noch mehr dauerhaft wachsam zu sein. Wie der berühmte Marketing-Guru Philip Kotler betont, „wegen der revolutionären Innovationen und der großen unerwarteten Schocks gibt es in unseren Tagen viel mehr Gefahr und Ungewissheit in den unternehmerischen Angelegenheiten als jemals in der Vergangenheit. Die Unternehmensverantwortlichen lebten immer mit Gefahr und Ungewissheit und kauften Sicherheit, wann immer dies möglich war, um den Schaden zu mäßigen. Heutzutage sind die Geschwindigkeit der Änderungen und die Größe der Schocks jedoch größer als jedes andere Mal. Was in unseren Tagen geschieht, ist nicht das, was in der Vergangenheit als normal galt. Es handelt sich um eine neue natürliche Lage. Sie schreitet über die revolutionären Innovationen hinaus und beinhaltet auch die großen Schocks.

Diese Schocks wiederum diktieren einerseits neue institutionelle Funktionsrahmen der Wirtschaft und der Verwaltung des Landes auf. Andererseits erlegen sie jedoch auch neue Wahrnehmungs- und Verhaltensregeln hinsichtlich des unternehmerischen Geschehens auf. Wenn diese Parameter nicht verständlich werden, wird die Diskussion über Extravertiertheit dauerhaft zwischen Käse und Dessert erfolgen. Natürlich ohne jedwedes Ergebnis.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Gerome van de Ven
    13. Februar 2019, 15:13 | #1

    Vor ca. 15 bis 20 Jahren konnte man in jedem deutschen Supermarkt griechische Feigen kaufen, heute so gut wie nicht mehr. Die angebotenen Feigen kommen fast ausschließlich aus der Türkei. Warum ist das so?
    Griechischen Wein, außer vielleicht mal einen billigen Retsina, ist ebenso aussichtslos in deutschen Supermärkten zu bekommen. Dabei ist der griechische Wein von meist besserer Qualität als italienischer oder die meist überteuerten Franzosen. Selbst Wein aus Australien, Neuseeland, USA und Südafrika ist leichter in Deutschland zu bekommen als griechischer Wein! Dies scheint mit sehr merkwürdig! Hier werden auf Seiten griechischer Erzeuger große Chancen der Vermarktung liegengelassen.
    Es dürft doch nicht so schwer sein, gute griechische Produkte in Deutschland in den Handel zu bringen, gerade bei dem vielzitierten, freien Warenausstausch innerhalb der EU – oder gilt dieser nur für ganz besondere Mitglieder?

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