Anomalität kostet Griechenland viel Geld

16. Februar 2019 / Aktualisiert: 16. Februar 2019 / Aufrufe: 284
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Griechenland kam im August 2018 aus dem dritten Memorandum heraus, ist aber noch nicht in zu einer völligen Normalität zurückgekehrt, was wiederum messbare Kosten hat.

Griechenland hat im August 2018 das dritte Hilfsprogramm hinter sich gelassen, jedoch sind weder die Kapitalverkehrskontrollen vollständig aufgehoben worden noch hat das Land einen normalen und ungehinderten Zugang zu den internationalen Finanzmärkten erworben um seine Bedürfnisse zu finanzieren.

Anders gesagt, Griechenland ist noch nicht wieder an dem Punkt der völligen Normalität angelangt. Das hat Kosten, von denen zumindest eine Seite gemessen werden kann. Der Vergleich mit einem anderen Land wie Deutschland macht dies deutlicher.

Investoren bezahlen dafür, Deutschland Geld zu leihen

Deutschland ist die größte Wirtschaft der Eurozone, mit einem auf nah bei ungefähr 3,6 Bio. Euro geschätzten Brutto-Inlandsprodukt (BIP) im Jahr 2018 (Anmerkung: die Quelle nennt irtümlich Mrd. Euro). Das Land hat ebenfalls schon vor langer Zeit seine öffentlichen Finanzen in Ordnung gebracht, wobei alle Träger des allgemeinen Staatsapparats einen Haushalt haben und ihn ausführen. Es ist kein Zufall, dass der staatliche Haushalt seit 2013 Überschüsse ab 0,6% bis 1,0% des BIP verzeichnet, während die öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP seit 2012 bis 2018 um 10 Prozentpunkte auf ungefähr 64% zurückgegangen ist.

Es überrascht also nicht, dass die Investorengemeinschaft dafür bezahlt, Deutschland über große Zeiträume – von beispielsweise bis zu 9 Jahren – Geld zu leihen, da die Titel negative Dividenden bieten. Deutschland ist ein „normales“ Land. Deswegen bewegt sich das Liquiditätspolster, über das es für außerordentliche Bedürfnisse der allgemeinen Verwaltung verfügt, bei 200 und 300 Mio. Euro im Jahr, und offenkundig zahlt es keine Zinsen mit negativen Finanzierungszinssätzen.

Griechenland könnte jährlich hunderte Mio. Euro an Zinsen sparen

Im Fall Griechenlands, mit dem BIP bei 186 Mrd. Euro, wird eingeschätzt, dass das Polster sich analog zu den Umständen und zu der zeitlichen Periode auf insgesamt zwischen 40 und 50 Mrd. Euro gestaltet. Darin mit eingerechnet ist der Betrag von 7 bis 10 Mrd. Euro, über den die ungefähr 1.800 (!) öffentlichen Träger im Banksystem verfügen, wie die Zuständigen schätzen. Mit durchschnittlichen Finanzierungskosten von ungefähr 1,5% bezahlt der griechische Staat für dieses Polster Zinsen in Höhe von jährlich 600 bis 750 Mio. Euro.

Wenn Griechenland sich ungehindert Geld von den Märkten leihen könnte, seine Finanzen unter Kontrolle gebracht hätte und die Träger des allgemeinen Staatsapparats ihre Haushalte ausführen würden und ein gutes Bild ihrer Kassenflüssen hätten, wäre das Liquiditätspolster dagegen sehr viel kleiner. Die Experten schätzen, das Liquiditätspolster für die zentrale Verwaltung und die Träger des allgemeinen Staatsapparats würde unter normalen Umständen 2 bis 2,5 Mrd. Euro und maximal bis zu 5 Mrd. Euro groß sein.

Dies bedeutet, dass Griechenland aus der Liquiditätsverwaltung jährlich hunderte Mio. Euro an Zinsen einsparen würde, wenn es zu einer Normalität zurückkehren würde. Die Kosten steigen offensichtlich noch mehr, wenn man auch die positiven Auswirkungen bedenkt, die es auf den Rhythmus des Wachstums, die Beschäftigung und die Einkommen geben würde. Leider.

(Quelle: euro2day.gr)

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