Griechenlands Elektrizitätsgesellschaft entdeckte Goldgrube

3. Januar 2019 / Aufrufe: 812

Die öffentliche Elektrizitätsgesellschaft DEI in Griechenland beschloss jüngst, ihre Kunden dreist um jährlich rund zusätzliche 40 Millionen Euro abzuzocken.

Die Anzahl der Kunden der Öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI) in Griechenland, welche die elektronische Ausstellung ihrer Stromrechnungen beantragten um der neu eingeführten Gebühr für den Postversand auf Papier gedruckter Rechnungen entgehen, ist sehr niedrig.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass selbst Verbraucher, die sich für den sogenannten „e-bill“-Service anmelden wollen würden, mittels bürokratischer Hürden davon abgehalten werden, während die unverblümte neue Abzocke mittlerweile auch den „Ombudsmann des Verbrauchers“ auf den Plan gerufen hat.

Neue Rechnungsgebühr bringt DEI jährlich rund 40 Mio. Euro

Gerade einmal 350.000 Kunden der DEI haben den nur noch „elektronischen“ Versand der Stromrechnung beantrag und den Verzicht auf die Ausstellung ausgedruckter und per Briefpost verschickter Rechnungen erklärt, die fortan mit je 1 Euro in Rechnung gestellt werden.

Wie Quellen unter Berufung auf bis zum 20 Dezember 2019 reichende Angaben der Gesellschaft berichten, sind 600.000 Verbraucher (Stromanschlüsse) für den elektronischen Fakturierungs- und Bezahlungsdienstes „e-bill“ registriert. Von diesen wiederum erklärten 350.000, nur per E-Mail informiert werden zu wollen, um der Belastung von 1 Euro je auf Papier ausgestellter Rechnung zu entgehen. Diese 350.000 Verbraucher entsprechen ungefähr 5% der Gesamtheit der sich auf rund 7 Millionen belaufenden Kunden der öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft. Weiter ist anzumerken, dass die DEI jedes Jahr rund 40 Millionen Rechnungen ausstellt und – wie sie ihren Beschluss zur Berechnung von 1 Euro je Informationsformular begründete – die neue Belastung den Kosten für Ausdruck und Postversand der konventionellen Rechnungen entspricht.

Die geringe Akzeptanz des „e-bill“-Systems bei den Verbrauchern macht damit die neue Belastung praktisch zu einer stabilen Basis für zusätzliche Einnahmen in Höhe von 40 Mio. Euro für die öffentliche Gesellschaft – und zwar im selben Moment, wo sie für die ersten drei Quartale des Jahres 2018 Verluste von 255,1 Mio. Euro nach Steuern bekanntgab, gegenüber 82,6 Mio. Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Ombudsmann wirft Elektrizitätsgesellschaft rechtswidrige Abzocke vor

In Griechenland erhalten an das Niederspannungsnetz angeschlossen Haushalte und Unternehmen jährlich jeweils sechs auf Papier gedruckte Stromrechnungen (drei Abschlagsrechnungen und drei Endabrechnungen). Folglich haben sie mit nur 1 auf ihren Namen laufenden Anschluss zusätzliche sechs Euro zahlen. Wenn jedoch jemand beispielsweise auch noch eine Ferienwohnung hat, steigt die Belastung auf 12 Euro.

Trotz allem ist die Akzeptanz der elektronischen Rechnungsstellung niedrig. Einer der signifikanten Gründe sind die Hindernisse, denen viele Kunden der DEI bei der Registrierung für den „e-bill“-Service begegnen. Beispielsweise ist in den meisten Fällen eine Aktualisierung von Angaben wie des polizeilichen Personalausweises oder der Steuer-ID nötig. Die Verbraucher haben diese Unterlagen entweder „einzuscannen“ und per E-Mail zu schicken oder sich in die endlosen Schlangen an den Schaltern der Geschäftsstellen der DEI einzureihen um sie persönlich einzureichen. Zusätzlich haben viele Kunden der Gesellschaft – hauptsächlich ältere Leute – keinen Internetanschluss und sind somit nicht in der Lage, Zugang zu dem „e-bill“-Service zu erlangen.

Neulich betonte der „Ombudsmann des Bürgers“ mit seiner Intervention und einem Schreiben an die Verwaltung der öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft, mit diesem Beschluss werden die Verbraucherschutzgesetzgebung sowie auch die Stromversorgungsverordnung verletzt. Bezüglich der neuen Belastung von 1 Euro unterstrich er sogar, diese Gebühr sei nicht „gegenseitigkeitsbasiert“ und stelle folglich eine einseitige Änderung des Vertrags mit dem Kunden dar. Aus diesem Grund forderte er die DEI auf, anstatt zu einer Belastung aller, die weiterhin den Postversand konventioneller Rechnungen wählen, zu einer Senkung des Betrags der Stromrechnung für all jene zu schreiten, die sich für die ausschließlich elektronische Rechnungsstellung entscheiden.

Anders gesagt charakterisiert die unabhängige Behörde die zusätzliche Berechnung von einem Euro unverblümt als „Abzocke“. Die Firmenleitung der DEI scheint sich der Empfehlung des Ombudsmanns jedoch zu verschließen und Pressestimmen sprechen bereits von einem bald zu erwartenden Rechtsstreit.

(Quelle: euro2day.gr, Autor: Christos Kolonas)

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