Griechenland macht seit 200 Jahren den selben Fehler

15. Januar 2019 / Aktualisiert: 15. Januar 2019 / Aufrufe: 1.185
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Der Fehler, der in Griechenland seit zwei Jahrhunderten wiederholt wird.

Griechenland ist in seiner modernen Geschichte etliche Male bankrott gegangen. Die Pleiten haben etwas Gemeinsames, jedoch fahren die aufeinander folgenden Regierungen fort, es zu ignorieren, und begehen immer wieder den selben Fehler.

Sollten wir das vielleicht ändern?

Griechenland wurde seit 1829 bereits viermal „gerettet“

Seit Griechenland seine nationale Unabhängigkeit erwarb, ist es etliche Male pleite gegangen. Laut Carmen Reinhart und Christoph Trebesch wurde es seit 1829 bis heute gegenüber seinen Gläubigern viermal insolvent und gerettet.

Bei allen vorstehenden Pleiten wiederholt sich das selbe Muster. Vor jedem Bankrott leiht das Land sich signifikante Beträge von ausländischen privaten Geldgebern. Wenn das Unvermögen zur Tilgung der Schulden seine Erscheinung macht, greifen die ausländischen Regierungen ein. Letztere gewähren Kredite, damit die privaten Gläubiger bezahlt werden, allerdings unter der Bedingung, dass Griechenland das Defizit seines Haushalts drastisch reduzieren und Reformen umsetzen wird. Es folgt eine lange Periode mit ausländischen politischen Interventionen zur Abzahlung der Kredite, wobei laut den beiden Wirtschaftsprofessoren – entsprechend der Universitäten Harvard und München – das Damoklesschwert der öffentlichen Verschuldung über dem Land schwebt.

Erinnert all das Sie an etwas? Offensichtlich. Außerdem sind die Erinnerungen sehr frisch, um sie zu vergessen. Sogar auch für die Griechen, die nicht für ihr starkes Erinnerungsvermögen berühmt sind.

Was steckt hinter dem Muster der Pleiten Griechenlands?

Was „verbirgt“ sich hinter dem sich wiederholenden Muster der griechischen Pleiten seit 1829 bis heute? Die Antwort ist: Der Hang Griechenlands zur Auslandsverschuldung, was eine Abhängigkeit schafft und zum Schluss den Bankrott bringt. Wenn also etwas zu geschehen hat, ist dies, zu Lasten der Auslandsverschuldung die Inlandsverschuldung zu steigern.

So etwas kann nicht von dem einen auf den anderen Tag geschehen. Es kann jedoch progressiv – bei einer ehrgeizigen Zielsetzung mit einem Horizont von 10 Jahren – geschehen, wenn es einen von fast dem gesamten politischen Spektrum des Landes gemeinsam akzeptierten Plan gibt. Wir behaupten nicht, dass es leicht sein oder in einem Land mit einer niedrigen Sparquote wie Griechenland gelingen wird. Wenn aber die öffentliche Verschuldung weiterhin fast vollständig in ausländischen Händen bleibt, wird das Muster der griechischen Pleiten sich in Zukunft vielleicht wiederholen.

Die Realisierung des Beschlusses der Eurogruppe des 21 Juni 2018 über die Verschuldung bietet Griechenland die Gelegenheit, für ein Jahrzehnt und mehr relativ niedrige Tilgungsraten zu zahlen, und erleichtert damit seine Finanzierung aus privatem Kapital. Es ist ein verhältnismäßig großer Zeitraum, damit es seine öffentlichen Finanzen in Ordnung bringt und seine Wirtschaft umstrukturiert und tragfähige, hohe Wachstumsrhythmen erzielt.

Der Beschluss der Eurogruppe befreit Griechenland jedoch nicht von der überdimensionalen Verschuldung, die es lange Zeit wegen der großen chronischen Haushaltsdefizite kumulierte. Es ist also signifikant, dass es eine nationale Einigung im Thema der Reduzierung der Auslandsverschuldung bei paralleler progressiver Steigerung der Inlandsverschuldung gibt, dabei ehrgeizige Ziele setzend. Sogar auch, wenn vorstehende Strategie höhere Kosten hat.

Wird die Geschichte sich wiederholen? Lassen wir uns hoffen, dass sie es nicht tut, jedoch ist die Geschichte nicht unser Verbündeter.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. GR-Block
    15. Januar 2019, 17:25 | #1

    Jaja, es ist schwer aus der Geschichte zu lernen, wenn sie andere schreiben.

    Staatsschulden sind der einzige Weg, die Privatwirtschaft ständig und ohne Gegenleistung mit Kapital auszustatten. Der Regent und dessen Regierung, gewählt oder auch nicht, ist angehalten, nötige oder auch unnötige Staatsausgaben so zu gestalten, dass ein ständiger Fluss von Zinsen in einer Einbahnstraße und in genügender Höhe vom Berg der Staatsschulden hinab in die Niederungen der Privatwirtschaft fließt. Dafür werden die staatlichen Vasallen mit Beraterverträgen, Empfehlungen, Parteispenden oder Preisen ausgestattet, legal oder auch nicht.
    Seine Mitmenschen auf diese Weise auszubeuten, ist äußerst lukrativ, macht aber Feinde. Man riskiert eine Spaltung der Gesellschaft und ausbrechende Klassenkämpfe. Besser ist es, andere Völker auszubeuten, die sich dann mit ihren Eliten anlegen; weil sie es nicht besser wissen (wollen).
    Die einfachste Art, andere auszubeuten, ist der Imperialismus. Man bekommt Land, Bodenschätze und Sklaven (Arbeiter). Eine besonders nordwest-europäische, feudalistische Art ist, in neu entstandenen Staaten den Regenten zu beseitigen und zur Wiederherstellung der „Stabilität“ einen Regenten selbst zu bestimmen; am besten aus der eigenen Familie. Das ist eine 1000-jährige Erfolgsgeschichte von Vogelschissen (gibt es diesen Plural überhaupt?).

    Der alte fränkische Hochadel bestimmte aus seinen Reihen einen grünen Jungen zum König Griechenlands, und dieser übergab 1833 den gerade erworbenen Wirtschaftsraum „Investoren“ aus der eigenen Verwandtschaft. Diese Familienmitglieder investierten die griechischen Steuergelder in die eigenen Industrien und erteilten sich selbst gewaltige Staatsaufträge. Die anderen Familienmitglieder halfen unterdessen, wo sie konnten und arbeiteten, an der weiteren Verwertung des ehemaligen Osmanischen Reichs. Es gab ja viel aufzuteilen, schnell, bevor die sich befreienden Völker eigene Regenten bestimmten.
    Deshalb durften sich Griechen bei der Staatsführung nicht beteiligen. Als sie es durften, wurden ausschließlich solche in Amt und Würden gebracht, die gegenüber dem deutschen Royalismus loyal waren und in D Militärakademien, aber auch Universitäten besucht hatten. Nur so konnten die enormen Einnahmen deutscher Unternehmen gesichert werden.
    Der moderne Feudalismus, der Kapitalismus, nutzt also nicht nur Waffen. Zunächst hält man ein gerade befreites Volk durch Schulden und Zinszahlungen bei der Stange, bis dieses irgendwann den Feudalherren hinauswerfen möchte. Dann wechselt man – gemäß der „europäischen“ Werte – einfach den Feudalherren. Genauso bei den Griechen: vom türkischen Sultan, zum Bayrischen Otto, zu den Holsteinischen Georg, Konstantin, Alexander und Georg. Nach der Zweiten Hellenischen Demokratie 1928-1932 (Wiki: „Zweite Hellenische Republik“) schafften es gerade noch Paul und Konstantin. Danach konnten die Griechen endlich den Feudalismus abschaffen … dachten sie. Der hatte aber schon den nächsten Vogelschiss bereit. Seit 1981 hat sich die fEUdalistische Wirtschaftsgemeinschaft (damals noch EWG) über das Land der Hellenen gelegt. Genau wie 148 Jahre zuvor!

    Bevor also die Freien – weit über 50% der Beschäftigten waren selbständig – ihre Märkte in die Hand nehmen konnten, wurde das Land endgültig in die EWG gesteckt. Der deutsche König Paul hatte schon 1955 ohne Wahlen Konstantinos Karamanlis zum Ministerpräsidenten ernannt, der ein Jahr später das Bundesverdienstkreuz erhielt, um 1959 das Assoziierungsabkommen mit der EWG zu beantragen. Die feudale Familie des deutschen Königs ließ den gleichen Karamanlis 1974 abermals zum Kgl. Griechischen Ministerpräsidenten ernennen, damit er durch eine Volksabstimmung Pauls Sohn Konstantin holen sollte. Das ging allerdings schief. So reichte er auch ohne König den in Windeseile vorbereiteten Aufnahmeantrag in die fEUdalistische Wirtschaftsgemeinschaft Mitte 1975 ein. Genauso eilig besuchte ihn noch im Dezember Helmut Schmidt, der Auftragsblöcke seiner Bosse mitbrachte. Offensichtlich wurden diese vollgeschrieben, denn Karamanlis erhielt ein Jahr später als erster Nicht-Franke den Karlspreis.

    Von da an wurden die griechischen pro-Kopf-Staatsschulden auf „europäische Werte“ gebracht, um Arbeitsplätze und Gewinne zu sichern, in Deutschland.

  2. Felix Thommen
    16. Januar 2019, 19:32 | #2

    Griechenland wäre ein reiches Land, ist aber arm, weil es sich ausbeuten lässt. Man kann und muss davon ausgehen, dass Griechenland über immense Ölvorkommen verfügt. Schon Herodot habe darüber berichtet, dass das griechische Öl leichter sei als das persische.
    10 Jahre Krise und jetzt haben Exxon und andere Ölfirmen das Recht, Probebohrungen vorzunehmen, bei Kreta, im jonischen Meer bei Kyparissia. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt!

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