Deutschlands formlose Hilfe an Griechenland

26. Januar 2019 / Aufrufe: 1.042

Vielen ist unbekannt, auf welche Weise Deutschland Griechenland quasi formlos hilft.

Während der Dauer der Memoranden hat Deutschland sich in Griechenland im Visier Vieler wiedergefunden. Jüngst auch mittels der (gemutmaßten) Verknüpfung der Aussetzung der neuen Rentenkürzungen mit dem Prespa-Abkommen.

Es gibt jedoch noch etwas, das Viele nicht wissen oder ignorieren.

Griechenland leiht sich trotz höheren Risikos „billigeres“ Geld

Über die Rolle Deutschlands in der Schuldenkrise der Eurozone und spezieller Griechenlands ist viel geschrieben und gesagt worden. Für die Deutschen stellt die Gewährung entweder zwischenstaatlicher Kredite oder von Krediten durch ESM / EFSF zu niedrigen Zinssätzen einen Solidaritätsakt dar. Für andere gelten diese Kredite wegen der sie begleitenden strengen Bedingungen als abstrafend. Und natürlich fehlten auch nicht jene, die behaupteten, Deutschland habe von der Krise profitiert, weil die Euro-Zinssätze sanken und es sich zu viel niedrigeren Kosten als vorher Geld leihen konnte.

Jedenfalls ist Deutschland der größte Gläubiger unter den anderen Ländern der WWU, da es die größte Wirtschaft des Euro-Blocks und jenes ist, das die Beschlüsse der Eurogroup am meisten beeinflusst. Es ist ebenfalls das Land, an dem üblicherweise der berüchtigte Spread gemessen wird, der in der Periode der Memoranden in aller Munde geriet und das Kreditrisiko des Emittenten einer Anleihe wiedergibt. Für Anleihen-Emittenten, von denen der Markt einschätzt, sie könnten ihre Verpflichtungen, also die pünktlichen Tilgungszahlungen brechen, ist der Spread größer.

Der Zinsunterschied (Spread) zwischen der griechischen und der deutschen 10-Jahres-Anleihe liegt derzeit nahe bei 395 Basispunkten. Die Rendite der griechischen 10-Jahres-Anleihe befindet sich bei 4,18% und die der entsprechenden deutschen Anleihe bei 0,23%, wobei die Politik quantitativer Lockerung (QE) der EZB eine signifikante Rolle gespielt hat.

Es ist anzumerken wert, dass der Spread im Oktober 2009 bei ungefähr 140 Punkten lag, mit der Rendite der griechischen Anleihe bei 4,6% und der zehnjährigen deutschen bei 3,24%. Für die Geschichte: nur einen Monat später war die Rendite der griechischen Anleihe auf 5,5% und im Dezember 2009 auf 6,5% geklettert. Anders gesagt, der griechische Staat leiht sich heute Geld billiger als im Herbst des Jahres, bevor das Land in das Sternbild der Hilfsprogramme eintrat. Und dies, obwohl die Investorengemeinschaft einschätzt, das Risiko eines Zahlungsausfalls bei der Anleihe Griechenlands sei im Vergleich zu Herbst 2009 heute höher.

Auch Griechenland profitiert von niedrige Renditen deutscher Anleihen

Zweifellos haben sowohl die Rendite der Anleihen als auch der Spread ihre Bedeutung. Die Kosten der Kreditaufnahme werden jedoch durch den Zinssatz bestimmt. Solange also die Renditen der deutschen Anleihen sehr niedrig sind, werden Griechenlands Finanzierungskosten trotz des vergleichsweise höheren derzeitigen Spreads unter Kontrolle bleiben.

Natürlich ändert das Ende der neuen Anleihekäufe durch die EZB die Gegebenheiten um einiges. Jedoch gibt es etwas anderes, das sich nicht ändert und wovon erwartet wird, die deutschen Renditen niedrig zu halten. Was das ist? Der Mangel an deutschen Wertpapieren auf dem Markt. Dieser liegt an drei Gründen:

  • Erstens an der Politik des Eurosystems beim Kauf deutscher Anleihen, die zum Resultat hatte, dass es ungefähr 25% – 28% der staatlichen Verschuldung des Landes hält.
  • Zweitens an der strengen Fiskalpolitik Deutschlands, die zum Resultat hat, dass die Netto-Emission staatlicher Anleihen in den letzten Jahren bei Null liegt.
  • Drittens an der erhöhten Nachfrage nach Wertpapieren mit hoher Bonitätseinstufung, die in der Eurozone aus Regulierungsgründen als Pfänder genutzt werden (Basel III). Und dies, weil etliche Wertpapiere mit einem hohen Rating während der Dauer der Krise herabgestuft wurden.

Die vorstehenden Gründe begünstigen die Erhaltung der deutschen Renditen auf niedrigen Niveaus, was zum Resultat hat, dass andere Anleihen – wie beispielsweise die griechischen – trotz des relativ großen Spreads profitieren. Dies ist die „formlose“ Hilfe Deutschlands an Griechenland, von der wir im Titel reden.

(Quelle: euro2day.gr)

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