Griechenland: Welcher „Markt“?

18. Dezember 2018 / Aufrufe: 318

Die Partizipation der sogenannten Unternehmerwelt Griechenlands an Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung.

Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung der diaNEOsis wurde für das Jahr 2015 die Größe der Schattenwirtschaft in Griechenland „auf rund 22,4%, also fast 40 Mrd. Euro veranschlagt!„. Die in der Studie als Pioniere verzeichneten „Hauptaktivisten“ der Schattenwirtschaft sind Selbständige und Kleinunternehmen (mit bis zu 9 Beschäftigten).

Aktuelleren Angaben zufolge entrichten 4,3% der juristischen Personen 83% der einschlägigen (Einkommens-) Steuer, damit die Größe der Steuerhinterziehung belegend. Die übrigen 95,7% nagen folglich am Hungertuch.

Was die Schattenwirtschaft in Griechenland explosiv macht

In diesem Thema bringt die Untersuchung natürlich keine neuen Weisheiten, da wir alle eine persönliche Erfahrung mit der Allergie haben, die bei einer Reihe von Gewerbetreibenden und Unternehmen die Forderung der Kunden nach einer Quittung hervorruft. Es sei aber angemerkt, dass abgesehen von der Steuerhinterziehung die „Unternehmerwelt“ – diesmal auch unter Partizipation sowohl der mittleren als auch der großen Unternehmen – auch für die ungeheuren Schulden an das Finanzamt, die Versicherungskassen, die öffentlichen Unternehmen und die Banken verantwortlich ist. Außerdem ist nicht der Umstand zu verkennen, dass die Verheimlichung von Einkommen die „unverdient leidenden“ Steuerhinterzieher des „Marktes“ zu privilegierten Genießern der sozialen Transferleistungen (Beihilfen, Unterstützungen, soziale Dividenden, Befreiungen usw.) macht.

Obwohl das Phänomen der Schattenwirtschaft und der damit verbundenen Steuerhinterziehung nicht ausschließlich griechisch ist, ist das, was es in Griechenland explosiv macht, der große Anteil Selbständiger und in sehr kleinen Unternehmen (0 – 9 Arbeitnehmer) beschäftigter Arbeitnehmer, der in beiden Fällen doppelt so groß wie die entsprechenden Anteile der Europäischen Union sind. Bei maßvollen Berechnungen würde die Beschränkung der Schattenwirtschaft auf die Niveaus der EU innerhalb eines Jahrzehnts das Problem der öffentlichen Verschuldung aus der Welt schaffen.

Griechenland schützt den krankhaftesten Teil seiner Wirtschaft

Zusätzlich übersteigen laut einem Artikel von Evgenia Tzortzi („Kathimerini“, 15/04/2018) die „roten“ Kredite der Unternehmen bei den Banken 62. Mrd. Euro. Spezieller bei den Selbständigen und den sehr kleinen Unternehmen übersteigt die Quote der „roten“ Kredite im Verhältnis zur Gesamtheit 66,5%! Es versteht sich, dass es von besonderem Interesse wäre, auch einmal die Höhe der „roten“ Verbraucher- und Mobiliarkredite zu erfahren, die Gewerbetreibenden und Eigentümern sehr kleiner Unternehmen gehören.

Für alle, welche die Macht nicht als Selbstzweck betrachten, müsste die essentielle Umstrukturierung des „Markts“ das wirtschaftliche Hauptanliegen aller jener sein, die „Reformen“ predigen, sich jedoch darauf beschränken, den öffentlichen Sektor als Sündenbock zu nutzen und gleichzeitig dem krankhaftesten Teil der griechischen Wirtschaft wahllos „Erleichterungen“ versprechen.

Die Notwendigkeit einer Neugründung der öffentlichen Verwaltung ist dringend notwendig. Diese wird jedoch nicht mit Halbmaßnahmen und Vorschlägen verwirklicht, die hauptsächlich den Bediensteten die Schuld zuweisen und die Strukturen und die politische Macht immun belassen. Manche Bürger mögen – in der Logik, „den Schuldigen gefunden zu haben“ – momentan befriedigt werden, solange die politischen Vorschläge jedoch nicht realistisch und klar sind, werden Passivität und Enthaltung der Mehrheit sich fortsetzen.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Antonis Antonakos)

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