Ein kleines Afrika in Griechenland

28. Dezember 2018 / Aufrufe: 1.414

In Griechenland sammeln sich immer mehr Flüchtlinge und Migranten aus Afrika an.

In Griechenland sitzen auf der Insel Samos tausende Flüchtlinge und Migranten aus Afrika fest. Ihre Enttäuschung über die menschenunwürdigen Lebensbedingungen und die endlosen Asylverfahren ist allgemein.

In dem neben der Hauptstadt von Samos gelegenen überfüllten Flüchtlingsauffanglager Vathy weht ein kühler Wind und es regnet. Susan Kamoloni aus Kamerun läuft an einem kalten Wintertag in dem Versuch, sich aufzuwärmen, nervös auf und ab. „Ich bin sehr krank und flehe um Hilfe„, sagt sie den Tränen nahe.

Flüchtlinge und Migranten aus Afrika suchen nach neuen Routen

Susan Kamoloni gelangte im Oktober aus der Türkei über das Meer auf Samos an und stellte im weiteren Verlauf einen Asylantrag. Über die Natur ihrer Krankheit scheint sie keine Einzelheiten zu sagen wollen. Sie sagt, „ich ging auf Samos zu vielen Ärzten, jedoch vermochte mir keiner zu helfen. Schließlich war es nötig, dass ich in einem kleinen Krankenhaus nicht weit von hier operiert werden musste. Ich weiß nicht, ob die Operation wirklich erfolgreich war. Ich fühle mich ständig krank, mein ganzer Körper tut sehr weh, ich fürchte, niemand kann mir helfen.

Susan ist einer von 4.500 Flüchtlingen und Migranten, die auf Samos festsitzen. Wie die meisten Neuankömmlinge aus Afrika versucht auch sie in einem provisorischen Zelt außerhalb des offiziellen Lagers zu überleben, in dem sechsmal mehr Personen untergebracht sind als auf Basis seiner Kapazität vorgesehen war. Wenn es regnet, dringt das Wasser in ihr Zelt ein – mit dem Ergebnis, dass ihr eiskalt wird. „Ich gelange an meine Grenzen, ich weiß nicht, was ich machen soll„, führt sie betrübt an.

Zu Beginn der Flüchtlingskrise hatten sich tausende Syrer aus der Türkei nach Samos und auf die benachbarten Inseln Griechenlands in der östlichen Ägäis geflüchtet. Mittlerweile haben die Gegebenheiten sich jedoch geändert: Laut den letzten Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats stammen mittlerweile die meisten Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak, Kongo und Kamerun. Über 20% der – hauptsächlich aus Afghanistan, dem Irak und Ägypten – auf Samos angelangenden Minderjährigen sind ohne Begleitung oder von ihren Familien getrennt worden.

Wenn man sie fragt, wie sie den Entschluss fassten, das Meer von der Türkei aus zu überqueren, zeigen manche afrikanische Flüchtlinge sich belästigt. „Schauen sie, die Lage ist für uns nicht leicht. Wir kamen nicht aus dem Kongo nach Griechenland, weil es einfach war. Wir kamen hierher, weil wir aus unserem Land flohen um sicher zu sein„, betont Marko Kapungo aus Kongo. Wie er sagt, lernte er im Lager außer Landsleuten von ihm auch Personen aus Guinea, Sambia und Liberia, die Asylanträge gestellt haben. Manche gehen zur Stunde des Gesprächs vorbei, grüßen ihn und kommentieren „Samos no good“ (auf Samos ist es nicht gut).

Bogdan Andrei, lokaler Koordinator der NRO Samos Volunteers, hält den Umstand für logisch, dass die Anzahl der Flüchtlinge und Migranten aus Afrika kontinuierlich zunimmt. „Für Menschen aus Syrien sind zügige Verfahren zu Prüfung der Asylanträge vorgesehen, was dazu führt, dass Personen anderer Nationalitäten zurückbleiben„, erklärt er. Ebenfalls ist die Fluchtroute aus Libyen nach Italien nicht mehr besonders verfügbar, und so suchen afrikanische Flüchtlinge und Migranten nach neuen Möglichkeiten. „Somit passieren sie von der Türkei auf die griechischen Inseln gegenüber„, betont Bogdan Andrei.

Schleppende Prüfung der Asylanträge führt zu langen Wartezeiten

Die Organisation Samos Volunteers bietet außerhalb des Lagergeländes Sprachunterricht und verschiedene Freizeitaktivitäten wie Gitarren- und Tanzunterricht an. „Wir versuchen, so Viele einzubeziehen, wie wir können, und wir haben in unseren Anlagen wirklich nie ein Problem oder Streit zwischen Personen unterschiedlicher Nationalitäten. Natürlich verkehren die meisten Menschen mit Landsleuten von ihnen, jedoch entwickeln sich auch Freundschaften zwischen unterschiedlichen Nationalitäten„, berichtet Bogdan Andrei.

Edwin aus Ghana sitz seit über einem Jahr im Flüchtlingszentrum fest. Er beschwert sich über das Essen, die Lebensbedingungen im Zelt und – noch mehr – über die außerordentlich zeitraubenden Untersuchungsverfahren für die Asylanträge. „Ich habe immer noch nicht die Möglichkeit zu einer persönlichen Anhörung bei den Asylbehörden hier auf Samos„, betont er. Das endlose Warten mach Edwin wegen der Stagnation in seinem Leben wütend. „Was ich wirklich brauche, ist nicht dieses Essen. Was ich brauche, ist eine Gelegenheit, nach Athen zu gehen um zu arbeiten und mich selbst zu ernähren, ein würdiges Leben zu haben.

Ein seine Anonymität wahrender Funktionär der lokalen Asylbehörde bestätigte, dass die Verfahren von großer Dauer sein können. Wie er sagt, wird jemand, wenn er jetzt einen Asylantrag stellt, wahrscheinlich nicht vor September 2019 zu einer persönlichen Anhörung geladen werden.

(Quelle: dw.com, Autor: Giannis Papadimitriou, Lektorat: Aris Kaltirimtzis)

  1. freier Mensch
    28. Dezember 2018, 09:39 | #1

    Das beste wäre, wenn die Leute wieder nach Hause gehen, dort werden Sie gebraucht und auch in Syrien wo jetzt zu grossen Teilen befriedet ist werden die Leute zum Wirfrtsufbau benötigt. Geht nach Hause. Woanders ist es nicht besser

  2. BravoZulu
    29. Dezember 2018, 14:55 | #2

    Aus Afrika kommen überwiegend Wirtschaftsflüchtlinge. Diese sollte man umgehend zurück schicken. Die Regierungen auf der Welt müssen in deren Ländern dafür sorgen, dass diese in ihrem Heimatland ein Beschäftigung finden. Afrika ist riesengroß und hat Platz für all diese Leute. Vor allen Dingen sollten die reichen arabischen Staaten sich dann an diesen Vorhaben finanziell beteiligen und nicht sagen: „Es ist Allahs Wille, dass du arm und ich reich bin.“

  3. GR-Block
    30. Dezember 2018, 21:42 | #3

    Das feudalistische Mittelalter hat uns die modernen Flächenstaaten gebracht, wo ein Land wie ein Grundstück eingegrenzt wird und einem „Herren“ nicht nur die Fläche, sondern auch alles „gehört“, was sich darin befindet. Das 18./19. Jahrhundert hat uns den Nationalismus gebracht, der verschiedene Völker „vereinigt“, eine gemeinsame Kultur erzwingt und damit von anderen abgrenzt. Das nennt man Nationwerdung. Tatsächlich hatte aber der Feudalherr lediglich seiner (zweibeinigen) Viehherde ein Brandzeichen aufgedrückt, um sie von Rindern des Nachbarjunkers zu unterscheiden. Sei es durch die Sprache, die Religion, die Flagge oder auch nur durch eine sogenannte Nationalhymne.
    Irgendwo da ist wohl die Idee entstanden, ein Mensch sei nicht auf dem ganzen Planeten zu hause, sondern nur in (s)einem kleinen von Feudalherren zugewiesenen Reservat. Weil diese willkürliche Einteilung der Welt aber nie funktionierte, flohen die unterdrückten Völker des klassischen fränkischen Feudalismus über den Atlantik. Bis 1800 kamen 85% von den britischen Inseln (Irland, Schottland, Wales, England), 9% aus den deutschen Fürsten- und Königstümern, 3% aus Holland. Mit der 1848er Revolution explodierte jedoch die deutsche Immigration in die USA regelrecht. Trotzdem machte ihre Integration in die ausschließlich britischen Strukturen des jungen Staates keine Probleme. Nach deren Etablierung aber, 1-2 Generationen später, wurden die ersten Rassengesetze für die Immigration in die USA verabschiedet. Ab 1882 durften Chinesen das brach liegende Land fast gar nicht mehr besiedeln. 1921 und 1924 wurde die Einwanderung von Süd- und Osteuropäern deutlich eingeschränkt. Auch sie wurden nicht als „weiß“ angesehen. Erst seit 1976 ist die Immigration keiner rassistischen Quote unterworfen.

    Jetzt stellt sich langsam ein natürliches Gleichgewicht der Völker ein. Heute ist jeder zehnte Amerikaner im Ausland geboren worden. Die Meisten aus Mexiko, China, Indien, Philippinen, Vietnam … und 600.000 von ihnen stammen aus Deutschland, der Heimat von Trumps Großvater. Jetzt wird wieder selektiert. Jetzt sollen die amerikanischen Südländer draußen bleiben.

    Warum all diese Leute den Sinn ihres Lebens nicht darin sehen, dort wo sie „gebraucht“ werden, ihr Leben für einen Feudalherren zu verheizen, anstatt dort, wo es sich für sie besser lohnt, weiß ich nicht. Offenbar gehören Blut und Boden doch nicht zusammen … außer für den Feudalherren. Denn der möchte die Rinder zusammen halten, der braucht einen Zaun. Und Trump übernimmt den unpopulären Job, einen zu bauen, möchte aber die Kosten von Mexiko erstattet haben – clever!

Kommentare sind geschlossen