„Aus“ für die Halyvourgiki in Griechenland

20. Dezember 2018 / Aufrufe: 248

In Griechenland ging bei dem historischen Stahlwerk Halyvourgiki nun auch buchstäblich das Licht aus.

Wie erwartet fand sich am 17 Dezember 2018 eine Minute nach Mitternacht der Aufseher des „Verwalters des Systems für elektrische Energie“ (ADMIE) in den Anlagen der Halyvourgiki in Elevsina ein und legte den Schalter um, über den der historische Industriebetrieb bis jüngst mit Strom versorgt wurde.

Die Fabrik wurde nun auch formal der Liste der Schließungen in der Industrie hinzugefügt, die Griechenland während der Periode zählt, auch wenn der Anlass für den „Abspann“ aus dem familieninterne Streit zwischen dem Eigentümer der Halyvourgiki, Konstantinos Angelopoulos, und seinen beiden Söhnen gegeben wurde, der endgültig den Hahn der Kapitalspritzen zum Versiegen brachte, die den Industriebetrieb, der in den 60er und 70er Jahren das Griechenland der Nachkriegszeit aufbaute, praktisch auf der „Intensivstation“ unterhielten.

„Tod“ der Halyvourgiki in Griechenland mit … Ansage

Am 17 Dezember 2018 entstand jedenfalls eine momentane Verwirrung, da diverse Informationen kursierten, denen zufolge die Halyvourgiki sogar auch nach der Aktivierung der Folgen der „Aufhebung der Repräsentation “ durch die DEI (so wird das Verfahren genannt, mittels dessen ein Stromlieferant einen Kunden wegen Schulden zu versorgen aufhört) direkt aus dem System gespeist werden könnte. Wie jedoch zuständige Quellen klarstellten, sind dafür konkrete Verfahren einzuleiten, ein Antrag zu stellen und von dem Interessenten eine Kaution zu hinterlegen, was seitens der Halyvourgiki nicht geschah, die ihr Aktionär letztendlich in die Schließung führen ließ.

Hier ist anzumerken, dass trotz der Initiativen, aber auch des auf Anregung der Regierung der Leitung der Halyvourgiki gewährten neuen zeitlichen Spielraums, auf dass ein Plan zur Abzahlung der Schulden und Fortsetzung des Betriebs der Fabrik präsentiert wird, etwas solches nicht geschah. Ganz im Gegenteil hatte der Eigentümer des Industriebetriebs, Konstantinos Angelopoulos, in seinem an die griechische Zeitung „Kathimerini“ gegebenen und Aufsehen erregenden Interview praktisch die Schließung der Fabrik angekündigt, indem er charakteristisch meinte, ohne Bautätigkeit und erfolgende Projekte könne ein Stahlwerk in Griechenland nicht existieren.

In dem selben Interview ließ Herr Angelopoulos jedenfalls durchklingen, die Beschäftigten werden bezahlt und andere Lösungen zur Verwertung der Anlagen des historischen Industriebetriebs erörtert werden, in die erst 2003 rund 300 Mio. Euro investiert wurden, ohne dass sich jedoch die Hoffnungen auf eine neue Blüte der Halyvourgiki bestätigten. Dazu trugen unter anderem strukturelle Probleme des inländischen Markts wie speziell auch die hohen Energie- und Lohnkosten im Vergleich zu anderen konkurrierenden Stahlproduzenten bei.

Wie Herr Angelopoulos gegenüber der „Kathimerini“ betonte, sind die Probleme der Stahlbranche jedenfalls paneuropäisch und selbst Branchenkolosse wie die indische Mittal wurden gezwungen, Fabriken auf dem Alten Kontinent zu schließen. Auf jeden Fall entsteht wenige Tage vor Weihnachten eine Ungewissheit für die ungefähr 170 Beschäftigten der Halyvourgiki, die seit 2015 abwechselnd für die Wartung der Fabrik beschäftigt wurden und nunmehr praktisch „in der Luft“ hängen.

Aufstieg und Niedergang eines historischen Industriebetriebs Griechenlands

Ebenfalls stellt sich die Frage, was mit den 400 Mio. Euro übersteigenden Verbindlichkeiten der Halyvourgiki an die Banken geschehen wird. Die Gesellschaft, die wie vorstehend angeführt in den letzten Jahren der Krise mit aufeinanderfolgender Kapitalspritzen per Kapitalerhöhungen von dem Aktionär erhalten wurde, hat – wie auch die letzte veröffentlichte Bilanz für das Geschäftsjahr 2015 anführte – seit 2016 aufgehört, ihre Verschuldung zu bedienen.

Die Halyvourgiki in ihrer heutigen Form wurde 1948 gegründet und wurde wenige Jahre später nach Elevsina verlegt, wo der erste imposante Hochofen errichtet wurde. Das große Stahlwerk, das in den Jahrzehnten ab 1950 bis einschließlich 1980 auf dem griechischen, aber auch europäischen Markt herrschte, stellt jedoch die historische Fortsetzung einer 1925 in dem Athener Vorstadtbezirk Tavros entstandenen kleinen Drahtmanufaktur – nämlich der „Griechische Drahtwerke TH. A. Angelopoulos & Söhne“ – dar, die in ihrer ursprünglichen Form Nägel, Drähte und Schuhnägel herstellte.

In ihrem Verlauf als Gesellschaft hielt die Halyvourgiki großen internationalen Krisen wie der Erdölkrise des Jahrzehnts 1970 stand, war gezwungen, ohne ihr „Finanz-Hirn“ – sprich den am 17 November 1986 ermordeten Dimitrios Angelopoulos – weiterzumachen und aufgefordert, sich an die neue Realität für die griechische Wirtschaft anzupassen, wie sie sich aus der Eingliederung Griechenlands in die damalige EWG ergab.

Die griechische Krise und der Absturz der inländischen Bauaktivität, die hohen Energiekosten, aber auch die überschüssige Stahlproduktionskapazität auf dem griechischen Markt trugen dazu bei, dass der historische Industriebetrieb mit kumulierten Schulden in Höhe von 408 Mio. Euro an die Banken und in Höhe von 31,5 Mio. Euro an die DEI in eine Sackgasse geriet und in das heutige unrühmliche Ende geführt wurde … .

(Quelle: capital.gr, Autor: Charis Floudopoulos)

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