Griechenland droht neue Krise

25. November 2018 / Aufrufe: 520

Griechenland droht Griechenland möglicherweise eine neue wirtschaftliche Krise, wenn es das Problem mit den sogenannten roten Krediten nicht löst.

Laut einem Artikel von Bloomberg stellen die „roten“ Kredite der Banken ein brennendes Thema und parallel einen Hemmschuh für den Aufschwung der griechischen Wirtschaft dar.

Dem besagten Artikel zufolge bleiben die mit den fast die Hälfte der gesamten Zuteilungen abdeckenden roten Krediten belasteten geprüften Banken eins der ernsthaftesten Hindernisse für den Aufschwung Griechenlands. Es bestehen sogar Beunruhigungen, dass Griechenland einer neuen wirtschaftlichen Krise begegnen wird, wenn es seine Kreditinstitute nicht aus der Abwärtsspirale zu bringen schafft.

Griechenlands Banken müssen faule Kredite schnell loswerden

Während die Bankaktien abstürzen, arbeiten Griechenlands Regierung und die Griechische (Zentral-) Bank an Plänen, die den Banken in ihren Bemühungen helfen sollen, sich der faulen Kredite schneller zu entledigen.

1. Was kann geschehen?

Die Regierung soll angeblich einen Plan untersuchen, der den Banken helfen wird, sich schneller von den roten Krediten zu befreien, und der höchstwahrscheinlich die Gewährung staatlicher Bürgschaften umfassen wird. Am Tisch der Diskussion sind verschiedene Ideen gefallen, einschließlich auch der Schaffung eines Schemas zum Aktiva-Schutz und sogenannter „Special Purpose Vehicles“ (SPV). Die Regierung könnte das „Sicherheitspolster“ der 24 Mrd. Euro verwenden um die Kreditinstitute zu stützen, so etwas würde jedoch Zweifel schaffen, ob sie ihre Finanzierungsbedürfnisse decken können wird, während es auch in Widerspruch zu den gemeinschaftlichen „Bail-in“-Regeln geraten würde.

2. Gibt es andere mögliche Lösungen?

Ja. Die Griechische Bank hat einen eigenen Plan ausgearbeitet. Er ist etwas kompliziert und umfasst die Übertragung der aufgeschobenen steuerlichen Forderungen der Banken auf ein sogenanntes „Sonderzweckvehikel“ – was ihr Kapital negativ beeinflussen würde. Jedoch würde es ihnen gestatten, von ungefähr der Hälfte ihrer roten Kredite befreit zu werden. Weiter gibt es eine Idee der Regierung bezüglich der Subventionierung der Tilgung kleinerer Kredite nach den Vorbildern des Schemas „Estia“, das in Zypern umgesetzt wird. Der Plan wird möglicherweise im Dezember präsentiert werden.

3. Wie groß ist das Problem?

Die nicht bediente Aufstellung (der Banken) deckt fast 50% der Aktiva der griechischen Finanzinstitute. Ihr regulatives Kapital besteht hauptsächlich aus aufgeschobenen Steuerforderungen gegenüber dem griechischen Staat. An der Börse hat der Banken-Index in diesem Jahr fast 50% seines Wertes verloren, während die Piräus Bank plant, mehr Kapital zu schöpfen. Die Banken werden von den Regulierungsbehörden und den Funds unter Druck gesetzt, die griechische Banken „shorten“ – wie beispielsweise Oceanwood Capital Management, wo man überzeugt ist, dass die Banken ihre Bilanzen nicht sanieren können, ohne signifikante Gelder aufzubrauchen.

4. Was hat Griechenland bisher getan?

Es gelangte im Jahr 2019 mit den Europäern zu einer Meilenstein-Vereinbarung, die ihm die Möglichkeit gibt, die Tilgung seiner meisten Kredite in einem Jahrzehnt zu beginnen. Die Banken sind seit Beginn der Krise dreimal rekapitalisiert wurden – zuletzt im Jahr 2015. Der Staat hat im letzten Jahrzehnt fast 50 Mrd. Euro für die Stützung ihres Kapitals hinausgeworfen und betont, sie haben nunmehr eine starke Kapitalbasis, die von dem wirtschaftlichen Aufschwung noch mehr begünstigt werden wird. Er betont ebenfalls, dass den Banken neue Werkzeuge wie die elektronischen Versteigerungen und die außergerichtliche Regulierung zur Verfügung stehen, um den roten Krediten zu begegnen. All die scheint jedoch nicht auszureichen.

5. Wie wurden die Dinge dermaßen ernst?

Die Abwärtsspirale der griechischen Banken begann vor einem Jahrzehnt, als die Wirtschaft in die schwerste und langlebigste Rezession eintrat, an die man sich zu erinnern vermag. Die Zahlungseinstellungen bei den Krediten waren seit 2008 massenhaft. In diesem Zeitraum ging praktisch auch das Land bankrott, wobei die Banken gezwungen wurden, bei den in ihrem Besitz befindlichen Anleihen zu großen Abschreibungen zu schreiten. Die Finanzierung versiegte. 2015 wurde Alexis Tsipras mit der Versprechung gewählt, der Austerität ein Ende zu setzen. Seine sechsmonatige Kollision mit den europäischen Gläubigern zündete massenhafte Einlagenabflüsse von den Banken und führte Griechenland an den Rand des Ausscheidens aus dem Euro. Es wurden Kapitalverkehrskontrollen verhängt und die Wirtschaft stürzte erneut ab.

6. Sind die Banken schuldlos?

Nein. Die Probleme Griechenlands enthüllten eine Reihe von Fehlgriffen in der Unternehmensführung, darunter auch die Gewährung von Krediten an Kreditnehmer, welche sie unmöglich abzuzahlen vermochten. Diese Praktiken wurden „unter Verschluss“ gehalten, da riesige Kredite an politische Parteien und Informationsmedien vergeben worden waren. In Wirklichkeit war eine der Bedingungen der Memoranden die völlige Neugestaltung der Vorstände der Banken. Die Frage ist, ob die neuen Leitungen die Lage zu ändern vermögen.

7. Werden die Rettungspläne funktionieren?

Das bleibt abzuwarten. In ähnlichen Fällen der Vergangenheit (Italien, Zypern) folgten die Regulierungsbehörden einer liberaleren Annäherung an die Regeln bezüglich der staatlichen Beihilfen und gestatteten öffentliche Unterstützungen, damit die Katastrophe abgewendet wird. Solche Lösungen sind jedoch weder einfach noch billig.

(Quellen: dikaiologitika.gr, bloomberg.com)

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