Warum die Märkte Griechenland wieder „verkauften“

12. September 2018 / Aufrufe: 1
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Das dritte Memorandum scheiterte zumindest in einem seiner Hauptziele, nämlich der Rückkehr Griechenlands an die Finanzmärkte.

Eine lang anhaltende Wahlkampfperiode, Leistungsversprechen anlässlich der Internationalen Messe in Thessaloniki, Befürchtungen bezüglich einer Umkehrung eines Teils der Reformen, Banken und „rote“ Kredite (NPL), ein schwaches Wachstum, aber auch die negativen internationalen Umstände setzten die griechischen Assets unter Druck, wobei die Finanzierungskosten des Landes auf den unerschwinglichen Niveaus von 4,4% bleiben, die Verluste der Banken bei nur sechs Börsensitzungen 1,5 Mrd. Euro erreichen und die Gesamtverluste an der Börse 3,5 Mrd. Euro übersteigen.

Der Tag nach dem „großen Ausgang“ (aus den Memoranden) am 20 August 2018 zeigt außerdem, dass das dritte Memorandum zumindest in einem seiner Hauptziele scheiterte: der Rückkehr Griechenlands an die internationalen Finanzmärkte.

Warum die Märkte Griechenland nicht zu vertrauen scheinen

Die anfänglich angestrebte Emission einer 10-Jahres-Anleihe im Sommer oder Herbst 2018 wird aufgeschoben, bis die Umstände die Emission gestatten, während die Ausländer ihr Risiko in Griechenland beschränken – und zwar zur Stunde wo die Nachfrage nach Firmenanleihen guter Qualität mittlerweile praktisch eingefroren ist.

Außerdem ist allgemein bekannt, dass die Finanzmärkte härter als die offiziellen Gläubiger sein werden, da die internationalen Investoren ihr Engagement in das „griechische Risiko“ reduzieren. Die Märkte zeigen, Griechenland wegen hauptsächlich der folgenden Parameter nicht zu vertrauen:

1. Politische Landschaft in Griechenland

Das Land scheint in eine lang anhaltende Wahlkampfperiode eingetreten zu sein, und zwar zur Stunde wo die Zusage von Leistungen anlässlich der Internationalen Messe in Thessaloniki in der Bemühung um eine Verbesserung des Klimas nicht hilft. Die deutsche Zeitung „Handelsblatt“ sprach von „Beunruhigung der Investoren über Tsipras‘ neuen Haushaltsplan“, während der SEB appellierte, politische Polarisierung und Klientel-Politiken der Vergangenheit zu vermeiden.

Die Analysten schließen nicht aus, dass Alexis Tsipras wahrscheinlich im ersten Halbjahr 2019 zu vorgezogenen Neuwahlen schreiten wird. Die Demoskopien zeigen einen Sieg der ND, das Wahlsystem wird jedoch angesichts auch der Wahl eines neuen Staatspräsidenten mittelfristig vielleicht zu einem neuen Wahlgang führen. Wenn es bei dem nächsten Wahlgang kein eindeutiges Wahlergebnis gibt, wird dann – wie vertreten wird – die politische Szene vielleicht „flüssig“ bleiben, was für die Investoren einen weiteren Grund darstellt, ihr Engagement im Land einzuschränken.

2. Griechenlands Wachstum bleibt schwach

Das BIP stieg im zweiten Quartal des Jahres mit einem Rhythmus von 0,2% (und war zusammen mit dem Italiens, Dänemarks und Frankreichs, die ebenfalls ein Wachstum von 0,2% verzeichneten, das niedrigste in der EU), während es sich auf Jahresbasis gegenüber den revidierten 2,5% des ersten Quartals auf 1,8% erstreckte.

Die Ökonomen führten an, der Aufschwung in Griechenland werde hauptsächlich durch den privaten Konsum und in geringerem Grad von den Nettoexporten gestützt, die Verlangsamung liege jedoch hauptsächlich an der Vergleichsbasis und den schwächeren Investitionsaufwendungen.

Es ist das erste Mal seit 2006, dass Griechenland sechs aufeinanderfolgende Quartale mit einer positiven Änderung des BIP erzielt, die Herausforderung eines Eintritts des Landes in eine Bahn schnellen und haltbaren Wachstums bleibt jedoch bestehen. Gemäß dem Hauptszenarium wird das BIP für das Jahr 2018 auf 1,8% geschätzt, während sich das Wachstum in einem alternativen Szenarium einer günstigeren Entwicklung des Landesrisikos und der Investitionen im Bereich von 2% bewegen könnte.

Da die realen Investitionen weiterhin geringer als 40% der Investitionen vor der Krise sind und wenn die Investitionslücke von 100 Mrd. Euro nicht gedeckt wird, wird das Land jedoch ohne eine Investitionsexplosion in schwachen Wachstumsrhythmen steckenbleiben – und zwar zur Stunde, wo die Analysten einschätzen, die Wirtschaft müsse mit einem Rhythmus von 3% – 4% wachsen um in einem einleuchtenden Zeitraum einen zufriedenstellenden Teil der Krisenverluste zu decken.

3. Griechenlands Banken – „rote“ Kredite

Für die Analysten ist der Rhythmus der Reduzierung der „roten“ Kredite enttäuschend, die Bilanzen der Banken bleiben schwach, während der Nettofluss von Bankfinanzierungen an die Wirtschaft negativ ist. Diverse „Kredit-Verbriefungen“ mögen ihre finanzwirtschaftliche Struktur um einige hundert Millionen stärken, die Notwendigkeit einer Kapitalstärkung der Banken wird jedoch bestehen bleiben.

Auf dem Markt wird eingeschätzt, dass – wenn das Klima es erlauben wird – noch eine Rekapitalisierung fast als gegeben gilt. Die Qualität ihres Kapitals wird teilweise von aufgeschobenen Steuerforderungen beeinflusst, und zwar zur Stunde wo die Prognosen der Banken bezüglich der Einnahmen aus Zinsen sich als falsch erweisen, die Halbjahresergebnisse unter den Einschätzungen lagen, während die Investoren voraussehen, dass die Umsetzung der neuen Buchführungsnorm IFRS 9 viele Kredite näher an die Kategorie der „problematischen“ heranführen wird.

4. Internationales Umfeld

Das Land ist aufgefordert, das Vertrauen in es unter schwierigen internationalen Umständen wiederzuerlangen. Die Haupt-Zentralbanken erhöhen die Zinssätze und üben Druck auf die Finanzierungskosten aus – zu einer Stunde, wo die Handelskriege, die türkische Krise und insgesamt die Währungsturbulenzen in einer Reihe von Schwellenwirtschaften, aber auch der italienische Aufruhr sich zu einer schwierige Bühne zusammensetzen. Für die internationalen Investoren hat Griechenland – wenn auch Teil der Eurozone – die Charakteristika des Schwellenmarkts.

Da die höheren amerikanischen Zinssätze bei den Schwellenmärkten zu Investitionsrückgang und Abwertung ihrer Währungen führen, erreicht das negative Klima auch Griechenland, da sie ihr Risiko auf einem Markt mit ähnlichen Charakteristika reduzieren. Speziell die Krise in der Türkei (und deren Kollision mit den USA), von der erwartet wird, dass sie sich in den kommenden sechs bis neun Monaten verstärken wird, beeinflusst auch Griechenland nicht nur hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen und des Flusses internationalen Kapitals, sondern auch wegen geopolitischer Parameter.

(Quelle: tovima.gr)

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