Griechenland kann nicht zur Normalität zurückkehren

30. September 2018 / Aufrufe: 243
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Warum die Rückkehr Griechenlands zur sogenannten Normalität nicht möglich ist.

Nach dem offiziellen Ende des letzten Memorandums hören und lesen wir sehr oft von der allmählichen Rückkehr des Lands zur berühmten „Normalität“.

Sowohl für Griechenland als auch die übrigen Länder, die entweder die Hölle durchmachten oder die Krise milder überwanden, ist die Rückkehr zur Normalität jedoch leider nicht möglich, weil die „Normalität“, die wir kannten, ganz einfach zu existieren aufgehört hat!

Populisten nutzen das politische Vakuum aus

Die besagte Normalität hat zu existieren aufgehört, weil jene in der Vergangenheit herrschenden einzigartigen Umstände wegfielen. Sie wurden nicht nur von der selbigen Krise (welche die Mängel jener Normalität aufzeigte), sondern auch der stetigen Änderung technologischer, wirtschaftlicher und geopolitischer Faktoren gekippt, die das „Umfeld“ änderten (und weiterhin ändern), auf das sie gestützt worden war.

Wie der prominente Redakteur der Financial Times (und nicht irgend eines antisystemischen Blatts) Martin Wolf in einem jüngeren Artikel zutreffend brandmarkt, streben paradoxerweise die diversen Eliten in den Ländern Europas (zweifellos auch einschließlich Griechenlands) bisher die Rückkehr zu einer gewissermaßen verbesserten Version der Vergangenheit an – als ob sie nicht begreifen, dass einerseits ein großer Teil der öffentlichen Meinung, der Gesellschaft etwas spürbar Besseres will, und andererseits die Rückkehr in die Vergangenheit in der Regel ein vergeblicher Wunsch ist.

Die jüngste Krise, die 2008 begann und sich in Griechenland auf eine noch heftigere Weise entwickelte, wird nicht mit feigen Versuchen einer „Verbesserung“ der alten Modelle überwunden werden. Was gebraucht wird, ist eine moderne wirtschaftliche und politische Tangierung, die inzwischen festgestellte „neue“ Probleme löst (und sie nicht einfach nur … flickt) und eine Vision einer besseren Zukunft bietet. Und das betrifft sowohl die Wirtschaft und die unternehmerischen Praktiken als auch die Gesellschaft und ihre Institutionen.

Die Schlussfolgerung, zu der Martin Wolf gelangt, nämlich dass die Populisten dieses politische „Vakuum“ ausnutzen, wird bereits von der Realität bestätigt.

Rechtsextreme Populisten finden auch in Griechenland Anklang

In Ermangelung derartiger Politiken und während sich in den Augen des einfachen Bürgers nichts zum Besseren zu ändern scheint (mit vielleicht signifikantesten Beispielen die Ungleichheit, die Schwäche des Vereinigten Europas, einen großen Teil der Bürger zu „überzeugen“, aber auch das Migrationsproblem), wird der Anklang populistischer, hauptsächlich rechtsextremer Formationen immer größer, mit letztem Beispiel die Aufzeigung der rechtsextremen AfD zur zweitstärksten Partei Deutschlands, wie aus einer der letzen Meinungsumfragen hervorgeht.

Der Aufstieg dieser politischen Formationen und Gruppierungen, der voraussichtlich die Europawahlen 2019 „überschatten“ wird, ist weder zufällig noch unerklärlich. Und wer einschätzt, diese Tendenzen gehen Griechenland nicht viel an, wird das wohl überdenken müssen. Weil all das, was sich in Zusammenhang mit der Vereinbarung über die Benennung der FYROM auf Ebene öffentlicher Meinung und politischer Praxis ereignet hat, offenbart, wie anfällig ein Teil der griechischen Gesellschaft für entsprechende Phänomene ist, speziell wenn sich der geeignete Auslöser findet.

Mit diesen Gegebenheiten ist die Frage, ob und inwieweit die großen Parteien sowohl auf der inländischen als auch – hauptsächlich – internationalen Bühne die Sackgasse wahrnehmen werden, in die sie zu geraten in Gefahr laufen, solange sie auf Politiken und ideologischen Konstrukten der Vergangenheit beharren.

Die Europawahlen 2019 stellen einen kritischen Punkt dar

Was Griechenland betrifft, gibt es Anzeichen, dass die Führungstruppe der SYRIZA nach auch ihrer gewaltsamen Anpassung an die Gegebenheiten, welche die Ausübung der Macht beinhaltet (und wie sich erwies, völlig anders als im Stadium ihrer Beanspruchung sind) die in ganz Europa stattfindenden gesellschaftlichen Entwicklungen und ihre politischen Folgen wahrnehmen. Und das scheint auch eine der signifikantesten Stützen zu sein, die Herr Tsipras der europäischen Linken und der Sozialdemokratie bietet. Ohne dass sich jedoch bisher im Schoß der Partei eine – wirklich – neue, eventuell mit entsprechenden Zügen auf europäischer Ebene zwecks Suche nach einer neuen „radikalen Sozialdemokratie“ in Einklang gebrachte politische Plattform herauskristallisiert hat.

Noch weiter zurück scheinen sich – leider – die Parteien der amtierenden Opposition zu befinden, und zwar vielleicht, weil sie im Gegensatz zu der SYRIZA einerseits in einem großen Grad über eine Vergangenheit langer Ausübung der Regierungsmacht mit den damaligen Strukturen und „erprobten Rezepten“ verfügen, und andererseits, weil ihre Anführer innerhalb ihrer Parteien alles andere als „souverän“ sind, was in der Regel ihre dynamischen „Trägheit“ verstärkt.

Die Europawahlen stellen jedoch einen kritischen, wenn nicht gar entscheidenden Punkt nicht nur für die politischen Entwicklungen in Griechenland (wo sie eventuell in Zusammenhang mit den nationalen Wahlen katalytisch funktionieren werden, wenn das Szenarium der gleichzeitigen Durchführung sich nicht bestätigt), sondern bis zu einem gewissen Grad auch für die Zukunft Europas dar.

Der Moment zur Schaffung einer neuen Plattform, die fähig ist, die Bürger in Griechenland, aber auch in Europa davon zu überzeugen, dass es abgesehen von dem sterilen Populismus auch andere Lösungen gibt, könnte nicht besser sein. Was bisher – vielleicht unter dem Einfluss etablierter Ansichten, aber auch starker „untergebrachter“ Interessen – wahrscheinlich fehlt, ist der Wagemut in der Ausarbeitung neuer Zäsuren und Lösungen.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Witzbold
    30. September 2018, 10:58 | #1

    Was wäre, wenn das auch gar nicht beabsichtigt ist? Angefangen beim Jugoslawien-Krieg, der die ersten zwei Staaten, Slowenien und Kroatien in den Sack der EU packte, und seid mir nicht böse, nun dem deutschen Reich gehören, da Bonn ja die Propaganda und den Befehl für die Zerschlagung von Jugoslawien lieferte. Natürlich ohne sich selber die Hände schmutzig zu machen. Das haben die Amis übernommen. Ich lebe in einer ehemaligen jugoslawischen Republik und kann mit eigenen Augen sehen, was mit Ländern und Nationen geschieht, die von der EU vereinnahmt werden. Hauptsächlich deutsche Konzerne lassen sich nieder und dominieren die Politik. Irrtümlicherweise meint man, das Diktat komme aus Brüssel. Weit gefehlt. Betrachtet man die letzten hundert Jahre der europäischen Geschichte, so erkennt man, dass es Deutschland stets darum ging, alle Seewege bzw. Meerzugänge in Besitz zu nehmen. In einem Rohstoff armen Land ist nichts so wichtig, wie den Zugang zu den Ressourcen dieser Erde zu sichern. Nicht dem Volk, aber der Regierung von Germany werfe ich gefährliche Weltmachtgelüste vor. Denn im Kern, bislang noch im Verborgenen, hat sich das deutsche Reich nie geändert. Und das ist mein Ernst. Die Verwaltung durch die BRD GmbH des deutschen Reiches und einem Grundgesetz und keiner Verfassung, hat sich nichts geändert. Ganz simpel gefragt, wer gibt in der EU den Ton an? Mit Ausnahme von Napoleon war die Macht über Europa stets in den Händen von deutsch-österreichischen Herrschern. Unterstützt durch die unselige katholische Kirche, dem Vatikan. Was passiert, wenn Merkel abdankt? Wer wird ihren Platz einnehmen und wie wird sich die europäische Politik entwickeln? Ich habe seit geraumer Zeit schlimme Vorausahnungen, dass sich plötzlich und unerwartet eine dritte Macht in die Geopolitik drängt, die so gar nichts Gutes im Schilde führt. Die nächsten paar Jahre werden die Welt erschüttern. Davon bin ich überzeugt.

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