Griechenland erschreckt die EZB

13. September 2018 / Aufrufe: 466
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Die europäischen Zentralbanker beunruhigt das Szenarium eines lang anhaltenden Ausschlusses Griechenlands von den internationalen Finanzmärkten.

Inmitten einer stetigen Verschlechterung der Umstände auf den internationalen Finanzmärkten und einer Investitionskapitalflucht aus Ländern mit einem hohen Risiko befürchten die Frankfurter Zentralbankiers mittlerweile eine Verlängerung des Ausschlusses Griechenlands von dem Zugang den Märkten, was eine Kette von Nebenwirkungen im griechischen Banksystem hervorrufen wird.

Die innerhalb weniger Tage aufeinanderfolgenden öffentlichen Interventionen seitens des Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann und des für die Beobachtung der griechischen Angelegenheit zuständigen Mitglieds des Exekutivrats der Europäischen Zentralbank (EZB), Benoit Coeuré, verraten die Beunruhigung der Zentralbanker über den Kurs Griechenlands nach dem Ausgang aus dem Memorandum und ohne präventive Kreditlinie.

Weidmann: mit den Finanzmärkten kann man sich nicht anlegen

In Athen sprechend betonter der deutsche Zentralbanker, „nach der Vollendung des Programms des ESM werden die Fiskal- und Wirtschaftspolitiken Griechenlands unter enger Beobachtung stehen. Wie (Anmerkung: der ehemalige Finanzminister und derzeitige Präsident der Griechen Bank) Giannis Stournaras gesagt hat, ‚werden die Märkte eine harte Tangierung befolgen‘. Ich würde dem hinzufügen: in der Realität kann man sich nicht mit den Märkten anlegen„.

Nach dieser lauten Warnung kam Benoit Coeuré auf das selbe Thema zurück, wobei er (gegenüber der griechischen Zeitung „Kathimerini“) betonte: „Die Verantwortung für die Wiederherstellung des Vertrauens der Märkte und Anleger hat sich nun vollständig auf die griechische Regierung verlagert. Erwarten Sie nicht, dass es für die Regierung leichter sein wird, das Vertrauen der Investoren zu erwerben als die Institutionen zu überzeugen.

Das die Zentralbanker beunruhigende Szenarium ist jenes des lang anhaltenden Ausschlusses Griechenlands von den Anleihemärkten. Wenn die hohen Niveaus der Renditen griechischer Anleihen (die 10-jährige erreichte jüngst bis zu 4,6%, was für die Emission neuer Titel unerschwinglich ist) bestehen bleiben, mag die Bedienung der Verschuldung nicht beeinflusst werden, da das Land über das bekannte „Polster“ von 24 Mrd. Euro verfügt, jedoch werden Umstände einer „Finanzierungs-Belagerung“ entstehen, die das Banksystem Griechenlands in eine außerordentlich ungünstige Lage bringt.

Wenn die Renditen der Anleihen hoch bleiben und sich die Ungewissheit an der Börse – die Bewertung der Bankaktien auf niedrigen Niveaus haltend – verlängert, werden die griechischen Banken weder die Möglichkeit haben, billiges Geld auf dem Markt zu schöpfen, noch die Kapitalerhöhungen vorantreiben können, die 2019 erforderlich sein werden, nachdem die EZB bis Ende des laufenden Jahres auf Basis der jüngsten Stresstests die zusätzlichen Kapitalbedürfnisse definiert haben wird.

Die Kapitaldeckung der griechischen Banken mag hoch sein, jedoch ist die Qualität des Kapitals niedrig, während zusätzliche Bedürfnisse auftreten können, wenn die EZB den Banken eine aggressivere Strategie zur Reduzierung der problematischen Kredite auferlegt – in Italien wurden die „roten“ Kredite (NPL) Ende 2016 drastisch von 86 Mrd. Euro auf 41 Mrd. Euro gemindert und Zypern bewegt sich auch mit einem entsprechenden Tempo, Griechenland mit dem langsamen Abbau der problematischen Kredite allein stehen lassend.

Griechenlands Regierungen scheint Wahlversprechen zu bevorzugen

Wie Benoit Coeuré betonte, „ist die Kapitalposition der griechischen Banken während der Dauer des Programms signifikant gestärkt worden und quantitativ sind ihre Niveaus heute höher als in anderen Ländern, die von der Krise beeinflusst wurden. Die Qualität des Kapitals der griechischen Banken ist jedoch niedriger als anderswo in Europa, da es zum Teil aus aufgeschobenen Steuerforderungen besteht, während als Überbleibsel der Krise ein großer Rest nicht bedienter offener Posten (NPL) existiert. Es bedarf eines besonnen Verhaltens und der Festlegung ehrgeiziger Ziele, damit der Index der NPL bis Ende 2019 signifikant gesenkt wird.

Die Frankfurter Bankiers wissen, dass ohne eine essentielle Wiederherstellung des Verhältnisses Griechenlands zu den Finanzmärkten die Bemühung um die Sanierung der griechischen Banken sehr schwierig sein wird, während die „Architektur“ des Ausgangs Griechenlands aus dem Programm sich als unvollkommen zeigen wird, da ohne die präventive Finanzierungslinie mit einem neuen Programm des ESM nicht die Möglichkeit besteht, dass der europäische Mechanismus den griechischen Banken im Bedarfsfall Kapital gewährt. Gleichzeitig ist vorgesehen worden, dass das von der griechischen Regierung gehaltene „Polster“ nur die Finanzierungsbedürfnisse der Regierung deckt, ohne Vorsorge für einen „Finanzierungs-Posten“ für die Banken. Somit haben Griechenlands Banken für die Stärkung ihres Kapitals keinen anderen Ausweg außerhalb der Mechanismen des Markts.

Den Schlüssel für die Rückkehr an die Finanzmärkte hält die griechische Regierung, die sich bisher allerdings in eine zu der von den Investoren des Anleihemarkts „aufgezeigten“ entgegengesetzte Richtung bewegt, da sie anstatt der Festigung der wirtschaftlichen Stabilität den Wahlversprechen Vorrang zu geben scheint.

In einer Periode, wo die „Abstrafer“ der Märkte die schwächsten Wirtschaften zum Ziel machen, beinhaltet dies ernsthafte Gefahren. „Das Vertrauen der Investoren wird auf der fortgesetzten Realisierung von Reformen und Vermeidung der Rückschritte bezüglich vorheriger Verbesserungen basieren„, warnt Herr Coeuré. Ob diese Warnungen von der griechischen Regierung ernsthaft berücksichtigt wurden, wird sich erst nach der Ansprache des Premierministers anlässlich der Internationalen Messe in Thessaloniki zu zeigen beginnen …

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. Ronald
    13. September 2018, 17:35 | #1

    Eine treffende Analyse. Auch wenn die Griechen die Institutionen nicht so wahrgenommen haben: Geduld und ein Mindestmaß von Solidarität wird Griechenland von „den Märkten“ nicht erwarten können. Die Freude vor dem Gang an die Märkte habe ich nicht nachvollziehen können. Sie erinnerte mich an das „Hurrah“ mit dem die europäischen Völker in den ersten Weltkrieg gezogen sind. Märkte kennen keine Gnade. Und ihre Wertvorstellungen tippen sie mit der Registrierkasse.

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