Finsternis über Griechenlands Abendschulen

27. September 2018 / Aufrufe: 394

Mit einem unbegreiflichen Ministerialbeschluss werden in Griechenland praktisch die Schüler aus den Abendgymnasien vertrieben.

Es ist – leider – fast allen bekannt, dass der griechische Staat außerhalb von Ort und Zeit agiert. Häufig weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut, was die Ergreifung unverständlicher Beschlüsse mit dramatischen Auswirkungen hauptsächlich für die Schwächsten zum Resultat hat.

Mit einem solchen unbegreiflichen Ministerialbeschluss, nämlich dem mitten im Sommer mit Nr. 139101/GD4 (FEK 3674/28-08-2018) veröffentlichten, verlangt das Bildungsministerium von den minderjährigen Schülern, die sich bei den Abendgymnasien einzuschreiben beabsichtigen, vorab beizubringen:

  1. eine Kopie ihres Beschäftigungshefts, angesichts des Umstands, dass gemäß dem Gesetz dessen Ausstellung erforderlich ist, damit ein Minderjähriger eingestellt wird,
  2. einen Ausdruck aus dem „Ergani“-System, aus dem das privatrechtliche abhängige Arbeitsverhältnis hervorzugehen hat.

Ministerialbeschluss verschließt den zweiten Bildungsweg

Sie haben sehr richtig verstanden! Das Ministerium verpflichtet die Schüler, ihren … Versicherungsnachweis (!) beizubringen, anderenfalls werden sie von der Bildung ausgeschlossen! Als ob im Ministerium die Arbeitslosenquoten in den Jahren der Krise und der Memoranden nicht bekannt sind. Als ob sie nicht von den auf dem Arbeitsmarkt herrschenden Umstände erfahren haben. Als ob es kein offenes Geheimnis darstellt, dass es sich um einen „Dschungel“ handelt, in dem die nicht versicherte und nicht deklarierte Beschäftigung speziell minderjähriger Schüler ein Status quo ist. Sowie ebenfalls, welches das Schicksal eines jeden ist, der sich dies bei der Arbeitsaufsicht anzuzeigen wagt: die sofortige Kündigung.

Aber auch in den Themen ihrer direkten Zuständigkeit stellt sich die Frage, wie es möglich ist, dass die dramatischen Folgen dieses Beschlusses so vielen Beratern und amtlichen Faktoren entgangen sind? Es ist nicht zu vergessen, dass es sich um obligatorische Bildung für 5.000 Schüler handelt, die gerade einmal 70 Abendgymnasien aufzunehmen aufgefordert sind!

Die Population der bei den Abendschulen Zuflucht findenden Schüler besteht meistens aus Kindern, die ernsthaften sozialen Problemen begegneten. Etliche bewegen sich an der Grenze der Legalität zur Illegalität, mit einer Vergangenheit bei Kleindiebstählen, Drogen, andere haben die Tagesbildung in jungem Alter aufgegeben, weil sie aus verschiedenen – subjektiven und objektiven – Gründen als Eindringlinge der regulären Schule verwiesen wurden. All diese „enterbten“ kleinen „intelligenten und fidelen Herumtreiber“, die sich – ihren eigenen Kampf mit ihrer täglichen Zeit und Belastbarkeit, aber auch mit den verlorenen Jahren ihres Lebens austragend – auf jede Weise innerhalb der Gesellschaft zu halten bemühen, werden nun mit diesem Ministerialbeschluss wieder ausgegrenzt.

Abendschulen zur Bekämpfung des Analphabetismus

In Griechenland nahm das erste – sechs Klassen umfassende – Abendgymnasium bereits im Schuljahr 1934 – 1935 seinen Betrieb auf, mit dem Studentischen Bildungsverband als Träger. In das offizielle Bildungssystem wurden sie ab dem Jahrzehnt 1950 eingegliedert, als Abendschulen im primären und sekundären Bildungsbereich ihren Betrieb aufzunehmen begannen um dem weit verbreiteten Analphabetismus zu begegnen. Abendgrundschulen wurden in Griechenland bis Anfang des Jahrzehnts 1980 betrieben.

Wir täten gut, uns an daran zu erinnern. Und um nicht zu vergessen, aber auch um mit größerer Sensibilität und Flexibilität nicht dem Bedürfnis nach, sondern dem Recht Aller auf Bildung zu begegnen. Sie allein vermag die bitteren Erfahrungen aus den Ungerechtigkeiten des Lebens zu versüßen, aber auch die essentiellste Hilfe zu deren Bewältigung und Umsturz seitens all Jener zu bieten, die in zartem Alter davon gezeichnet wurden.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Giorgos Stratos, Rechtsanwalt – Journalist)

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