Der Elefant im Zimmer ist unruhig

24. September 2018 / Aufrufe: 834

Das größte Problem der Wirtschaft Griechenlands ist der gigantische Anstieg der nicht bedienten privaten Verschuldung.

Das größte Problem der Wirtschaft Griechenlands ist weder die anstehende (erneute) Senkung der Renten noch die Höhe des reduzierten Mindestlohns (für junge Arbeitnehmer) und auch nicht die Höhe der Sozialabgaben.

Das größte Problem ist das gigantische Anwachsen der nicht bedienten privaten Verschuldung. Die sich derzeit auf 230 Mrd. Euro summierende nicht bediente Verschuldung der Bürger Griechenlands an die Banken und den Fiskus, die den „Elefanten im Zimmer der Krise“ darstellt, wobei sie die Gesamtheit der systemischen Banken im Würgegriff hat und bei der Finanzierung des Wachstums außer Gefecht setzt.

Griechenlands Wähler werden den Populisten zugetrieben

Akademisch gesehen ist es fast ohne Interesse, ob die Überbesteuerung das Hochschnellen der Verbindlichkeiten an den Fiskus oder die Ausschöpfung der Besteuerungsfähigkeit des durchschnittlichen Bürgers die Überbesteuerung gebracht hat, damit das beigetrieben wird, was das Ausgabenprofil des von der Krise unveränderten Staatsapparats erforderte.

Es bleibt die Essenz, dass die Gesamtheit der produktiven Wirtschaft mit 230 Mrd. Euro nicht bedienter Verbindlichkeiten aus roten Krediten und Steuern angekettet ist, die mit mathematischer Akribie zu jährlich zehntausenden Zwangsversteigerungen von Hauptwohnungen der Bürger (eine gesetzlich festgeschriebenen Verpflichtung der Regierung Tsipras – Kammenos) und zur Versklavung der Bürger, die Banken in eine Unterkapitalisierung und den Immobilienmarkt zu unterbewerteten Preisen führen.

Dies bringt in den Augen des durchschnittlichen Bürgers auch das politische System in Verruf, weil nach 10 Krisenjahren die nicht bedienten absurden Schulden ungelöste Probleme bleiben, die niemand richtig zu handhaben vermochte oder wollte (wie es vor 90 Jahren Roosevelt tat) und die Wähler zu den Populisten lenken.

Als Gesellschaft verschließen wir die Augen in der Annahme, dass die Krise vorübergehen wird, wenn wir den reduzierten Mindestlohn von 511 € auf 586 € anheben. Wir verschließen die Augen in der Annahme, den gesellschaftlichen Zusammenhang zu retten, wenn die Senkung der alten Renten um 18% für wenige Monate vermieden wird. Wir machen uns vor, jede Form einer Ermäßigung bei den Steuern „ab hier und nachfolgend“ werde sei es auch nur auch nur einen einzigen Normalitäts-Punkt bringen, wenn die nicht bediente private Verschuldung an Banken und Fiskus 230 Mrd. € übersteigt.

Der vor wenigen Jahren von der Europäischen Kommission durchgeführten Untersuchung zufolge vermag die überwältigende Mehrheit der Kreditnehmer, die ihre Kredite nicht bezahlen, tatsächlich nicht zu zahlen, während gerade einmal 4% als „dolos“ eingestuft wurden.

Zwischenstaatliche Verschuldung Griechenlands wurde „privatisiert“

Der vor wenigen Jahren von der Europäischen Kommission durchgeführten Untersuchung zufolge vermag die überwältigende Mehrheit der Kreditnehmer, die ihre Kredite nicht bezahlen, tatsächlich nicht zu zahlen, während gerade einmal 4% als „dolos“ eingestuft wurden.

In den Jahren der Krise widmeten sich sowohl der Staat als auch die Banken (die das Geld der Steuerzahler mittels der FSF fast umsonst bekamen und bei den eingeschlossenen Kreditnehmern der Krise mit einem bis zu 400 mal höheren Zinssatz verzinsten) einem methodisierten Aderlass des privaten Vermögens des griechischen Bürgers, was die erfolgreiche Umwandlung der zwischenstaatlichen Verschuldung Griechenlands in eine private Verschuldung der Bürger zum Resultat hatte. Mit einer nicht bedienten Verschuldung von 230.000.000.000 € (230 Mrd. €) sind die Griechen praktisch Sklaven. Solange sie leben.

Auf der anderen Seite hofft Herr Tsipras, dass alle, die über 70 Jahre alt sind, schnell sterben, damit sich die Aufwendung für die Renten reduziert. Also der Mensch, der mit Ankündigungen zur Lösung des Problems der „roten“ Kredite gewählt wurde. Und der selbe, der mittels seines Finanzministers eine der 4 staatlich erteilten Lizenzen zur Verwaltung „roter“ Kredite dem Cousin des Finanzministers gab. In jeder gut regierten Gesellschaft hätte das Auslöser einer staatsanwaltschaftlichen Untersuchung dargestellt. In Griechenland … war Freitag.

Pacta Sunt Servanda … Rebus Sic Stantibus

Das schlimmste ist, dass sich in dem griechischen gesetzlichen Rahmen die Zuteilung eines Bankkredits auf die Gesamtheit der Vermögenswerte der Kreditnehmer und der Kreditbürgen gründet. Dies bedeutet, dass der Inhaber der Forderung (siehe Cousin) gesetzlich die Möglichkeit hat, die Gesamtheit der Vermögenswerte des Kreditnehmers zu einem Bruchteil ihres tatsächlichen Werts zu versteigern und danach  mit einer Schröpfung des Bürgen fortzufahren. Der Vorwand ist „Pacta Sunt Servanda” (Vereinbarungen sind einzuhalten). Natürlich vergessen jedoch alle die übrige Hälfte des römischen Spruchs, die lautet „Rebus Sic Stantibus“ (sofern die Umstände stabil bleiben).

Gibt es nach 3,5 Rekapitalisierungen der 4 systemischen Banken Griechenlands mit Geldern der Steuerzahler und 3 + 1 Memoranden und 9 Jahren außerhalb der Finanzmärkte jemanden der glaubt, dass im Land des „törichten Orangenbaums“ die Umstände stabil blieben?

Und doch begegnen sowohl die Banken als auch der Staat und die Versicherungskassen den Griechen als dummen Trampeln und lassen sie als Steuerzahler die „Fehler“ des Staats und der Banken und der Kassen finanzieren, während sie keinerlei wirtschaftlichen Tsounami anerkennen, der 25% des griechischen BIP vernichtet und die Arbeitslosigkeit im Höhepunkt der Krise bei 27% angelangt haben lassen soll.

(Quelle: capital.gr)

  1. GR-Block
    24. September 2018, 11:04 | #1

    Das größte Problem der Wirtschaft Griechenlands ist der gigantische Anstieg der nicht bedienten privaten Verschuldung.“ – Henne oder Ei! Man hätte eben das Problem nicht schaffen sollen, indem man die Einkommen kürzte. Außerdem ist dies eine völlige Überbewertung. So wie man die Einkünfte der Privatleute kürzt, genau so kann man auch die der Banken kürzen. Eine selbst für Bürokraten triviale Rechnung ist: halbiertes Einkommen, halbierte Schulden.

  2. CYR
    24. September 2018, 14:58 | #2

    Gut gebrüllt, Löwe, aber alle diese Umsetzungen basieren auf Vorgaben der Troika. Nichts passiert in GR ohne deren Segen. Die Regierung ist nichts weiter als Laufburschen der Troika, damit sie den Griechen die Rechnung präsentieren.

  3. GR-Block
    25. September 2018, 03:03 | #3

    Ah, die Mär schon wieder! Der einzige Agierende in GR ist die Europäische Union Athen. Die anderen 27 Partner sind dabei nur Steigbügelhalter.
    Papandreou wollte damals in den inneren Kreis der FUKG-US-Günstlinge aufgenommen werden und lies sich deshalb von den anderen Günstlingen breitschlagen, die Veruntreuung von EU-Steuergeldern durch griechische Banken hindurch zu gestatten. Dazu hatte er eigens das Finanzressort selbst in die Hand genommen, den Haushalt 2009 von Karamanlis „angepasst“, sodass das Defizit von den erwarteten 8% kurzfristig auf über 12% schnellte und dann den IWF eingeschaltet. Dafür erhielt Papandreou den Quadriga-Preis für seinen … „Mut zur Wahrhaftigkeit“.
    Da aber die Geier in der EU mit dem ersten Memorandum Blut geleckt hatten, baten sie ihn, noch ein zweites, fast doppelt so großes Paket veruntreuen zu dürfen. Papandreou lehnte ab, wurde von Samaras hinausgemobbt und beglückte von da an amerikanische Universitäten mit gebührenpflichtigen Belehrungen über die EU-Finanzkrise. Samaras führte das erste Memorandum zu Ende, dann das Zweite und leerte im Rahmen des PSI zusätzlich Pensionskassen. Jetzt schwammen die Banken im Geld.
    Schließlich hebelte Tsipras Samaras aus dem Amt und akzeptierte wie Papandreou ein kleines Paket, das er ebenfalls nicht vollständig durch ließ. Damit hatten die beiden Sozialisten den EU-Partnern versprochen insgesamt 77+86= 163 Mrd. € europäischer Steuergelder zu veruntreuen, aber nur 53+55= 108 Mrd. € durchgelassen. Der ergebene Samaras hatte 130 Mrd. willig aufgenommen, kriegte aber noch zusätzlich die restlichen 24 Mrd. von Papandreou in den Hintern geschoben bis ihm die Augen heraustraten (deswegen seine Augenoperation). Jetzt bettelt die EU darum, dass die griechischen Wähler nochmal einen Willigen wählen, einen, bei dem noch mehr hinten rein passt. Der bekommt dann den „Internationalen Karlspreis“ für seinen „Mut zur Devotheit“.

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