Das sichere „Spiel“ der Gläubiger Griechenlands

14. September 2018 / Aufrufe: 244
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Ab dem Moment, wo Griechenland in ein Memorandum eintrat, waren auch die Gläubiger des Landes für den Absturz der griechischen Wirtschaft verantwortlich.

Griechenland trägt die größte Verantwortung für die Situation, in der es angelangte. Wie sich jeden Tag erweist, sorgten jedoch auch die Gläubiger dafür, kräftig nachzuhelfen.

Vielleicht werden wir anstrengend, es ist es jedoch wert, zur Vermeidung von Fehlinterpretationen und Missverständnissen gewisse Dinge klarzustellen.

Gläubiger wollen nicht Griechenland retten, sondern ihr Geld zurück

Für das Unvermögen zur Erfüllung der Verpflichtungen des Landes, das praktisch zu seinem Bankrott führte, sind unserer bescheiden Ansicht nach Griechenland und die närrischen Wirtschaftspolitiken verantwortlich, welche aufeinanderfolgende Regierungen umsetzten. Noch närrischere Wirtschaftpolitiken unterstützten jedoch während der selben Periode die jeweiligen Oppositionsparteien. Folglich ist es nicht logisch, dass letztere – obgleich die Oppositionsparteien nicht die Verantwortung der Regierungsführung trugen – die Machtparteien wegen der umgesetzten Politiken beschuldigen.

Alle Regierungen waren – und zwar sogar wiederholt – demokratisch gewählt, wobei immer wieder die selben Politiker gewählt wurden und häufig Ministersessel einnahmen. Folglich ist das Volk, das sie in demokratischen Verfahren wählte, nicht jeglicher Verantwortung bar.

Im Gegensatz zu anderen in sogenannte Programme („Memoranden“) geratenen Ländern der Euro-Peripherie hatte das Problem Griechenlands seine Wurzel anfänglich in den großen diachronischen Defiziten, der hohen öffentlichen Verschuldung und dem Mangel an Wettbewerbsfähigkeit.

Die griechische Krise brachte die Schwächen in der Architektur der Eurozone an die Oberfläche, jedoch sind es nicht diese, die das griechische Schiff gegen die Felsen fuhren. Ab dem Moment, wo Griechenland in ein Memorandum eintrat, sind für die Talfahrt der griechischen Wirtschaft die Gläubiger ebenfalls verantwortlich. Um ihr Geld zurück zu bekommen, beharrten letztere nämlich auf der Umsetzung übertriebener fiskalischer Austeritäts-Politiken anstatt – gegen den Widerstand von Regierungsfunktionären und Anderen, die ihre Interessen beeinträchtigt sahen – auf die strukturellen Reformen zu drängen.

Griechenlands Wirtschaft wurde Interessen der Gläubiger geopfert

Warum wir all das anführen, dem manche vielleicht nicht zustimmen? Ganz einfach, weil sich hinter den Super-Überschüssen der Wunsch der Gläubiger verbirgt, aus sicherer Position zu „spielen“. Gemeinhin, die Erreichung der Zielvorgabe bezüglich eines Primärüberschusses von 3,5% des BIP sicherzustellen, und danach mag die – welche auch immer – Regierung den darüber hinausgehenden Betrag nach Belieben verteilen können, sprich vorzugsweise an vielköpfige Gruppen, die den politischen Nutzen maximieren.

Die vorstehende Politik hat jedoch zwei negative Auswirkungen. Erstens begünstigt sie nicht den Wachstumsrhythmus, speziell wenn das grundlegende politische Mittel die Verhängung neuer Steuern und die Erhöhung der Steuersätze bei gleichzeitiger Einfrierung der öffentlichen Investitionen ist. Zweitens trägt sie zur „Verewigung“ des Klientel-Systems und zur Abhängigkeit bei.

Dagegen wären die wirtschaftspolitischen Maßnahmen gemäßigter und „ausgewogener“ gewesen und hätten dabei das Wachstum begünstigt, wenn die Griechenlands Gläubiger „riskiert“ hätten, die fiskalische Zielvorgabe zu erreichen. Jedoch akzeptierten sie nicht, ein „Risiko“ einzugehen – und zwar einschließlich des Internationalen Währungsfonds (IWF), der ein Verfechter der niedrigen Primärüberschüsse war.

Deswegen spricht der Titel des Beitrags von dem „sicheren Spiel“ der Gläubiger.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. GR-Block
    14. September 2018, 22:51 | #1

    Ab dem Moment, wo Griechenland in ein Memorandum eintrat, waren auch die Gläubiger des Landes für den Absturz der griechischen Wirtschaft verantwortlich.“ – Nein, die Gläubiger waren es schon beim Aufbau des Schuldenbergs, gemeinsam mit den jeweiligen griechischen Regierungen. Denn deren korrupte Zusammenarbeit stürzt seit dem Binnenmarkt (1991-1993) das Land immer tiefer in die EU-Abhängigkeit.

    Gläubiger wollen nicht Griechenland retten, sondern ihr Geld zurück“ – Fake! Kein Gläubiger will „sein“ Geld zurück. Geschäfte mit den Staaten sind deshalb so lukrativ, weil die Privatwirtschaft einerseits fette Gewinne aus staatlichen Aufträgen einfährt und andererseits die Preise immer so gestaltet werden, dass der Kunde Staat noch eine Restschuld übrig behält, aus der nämlich dauerhaft Zinsen abgeführt werden. Dieses Konzept wird durch ein fein gewobenes Klientelnetzwerk durch EWG/EG/EU mühsam aufrecht erhalten (man befrage dazu Schäuble). Kredittilgung ist da nie vorgesehen.

    Weil aber die Demokratie stark ist und die Privatwirtschaft deshalb Gefahr läuft, ihr Korruptionsnetz zu verlieren, wenn eine Krise entsteht, hat sie 2010 ihre Lakaien aktiviert. So beschloss die EU entgegen der griechischen Interessen, alle Schulden GRs aufzukaufen, und zwar mit Steuergeldern der 27 Völker. Jetzt sind den Griechen die Hände gebunden, jetzt ist die Privatwirtschaft aus der Gefahrenzone der Demokratie.
    Die Verantwortung für die Aushebelung der Demokratie tragen nicht die Griechen, sondern allein die EU. Und die Hauptrolle spielte dabei nicht Paris, nicht Berlin oder Brüssel. Nein, es war die Europäische Union Athen, die zusammen mit den 27 Partnern das böse Spiel der Gläubiger Griechenlands spielten. Die 28 Regierungschefs nannten das Spiel mal „Eurorettung“, mal „Griechenlandrettung“, je nach dem, wen man gerade täuschen wollte.

    Griechenlands Wirtschaft wurde Interessen der Gläubiger geopfert“ – Hört, hört! Das waren aber die Interessen der ehemaligen (privaten) Gläubiger. Die gegenwärtigen (öffentlichen) bleiben auf den gekauften Schuldscheinen sitzen. Denn, wie gesagt, eine Tilgung von Staatsschulden ist wegen der lukrativen Zinsabflüsse nie vorgesehen. Hier gilt in Abwandlung ein alter Spruch: „Schulden sozialisieren, Zinsen privatisieren.

    Und was genau war nochmal der Grund für die 3,5%-Vorgabe für das BIP, na …? Klar, Die Europäische Union Athen zwang GR, Teile seiner Staatsbetriebe zu privatisieren und damit auf die daraus erzielten Gewinne zu verzichten. Jetzt gehören die entsprechenden Märkte ausländischen Investoren, folglich sollen nun die Griechen ihren Konsum, sprich das BIP wieder steigern. Je höher desto besser, egal ob nachhaltig. Damit die Investoren Gewinne erzielen. Sobald sich diese Betriebe verschlucken, wird sie der Staat wieder aufkaufen müssen … εἰς τοὺς αἰῶνας (http://www.griechenland-blog.gr/2018/09/belgien-erstattet-griechenland-222-millionen-euro/2142914/comment-page-1/#comment-90196) … naja, ihr wisst schon.
    Nun neigen aber die Griechen dazu, in der Krise zu sparen, ganz entgegen des Plans der Gläubiger. Sie haben nämlich ihr BIP auf ein Maß heruntergeschraubt, das für Investoren destruktiv ist. Da war der IWF platt. Mal sehen wie lange sie das durchhalten … die Investoren meine ich 😉

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