Griechenland soll nun mit eigenen Flügeln fliegen

9. August 2018 / Aufrufe: 1
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Laut der französischen Zeitung Le Monde wird Griechenland mit dem Auslaufen des dritten Memorandums fortan mit seinen eigenen Flügeln fliegen müssen.

Die griechischen Behörden erhalten die letzte Tranche europäischer Hilfe – Der ESM bewilligte die Auszahlung von 15 Mrd. Euro an Athen„, schrieb jüngst die französische Le Monde.

Das Büro des Premierministers Alexis Tsipras unterließ nicht, am vergangenen Montag (06 August 2018) seine Befriedigung zu zeigen.

Der letzte Akt des Dramas der Memoranden für Griechenland

Die Auszahlung der letzten Tranche europäischer Hilfe stellt den letzten Akt des Dramas der Memoranden dar. Wir haben viel Arbeit vor uns, jedoch zeichnet sich für das Land endlich ein neuer Horizont ab. Griechenland wird nun ‚mit seinen eigenen Flügeln fliegen müssen‘„, führt die Le Monde unter anderem bezüglich des (geplanten) Gangs Griechenlands an die internationalen Finanzmärkte an.

Der Artikel berichtet, dass Griechenland sich in der vergangenen Woche wegen der Verzögerung der Auszahlung beunruhigte und den deutschen Finanzminister Olaf Scholz bezichtigte, das Prozedere blockieren zu wollen, weil die griechische Regierung beschlossen hatte, die Anhebung der Mehrwertsteuer auf fünf (Ägäis-) Inseln zu verzögern, die sich in den letzten drei Jahren an der Frontlinie der Flüchtlingskrise befanden. Der deutsche Bundestag stimmte jedoch am 31 Juli 2018 schließlich positiv ab.

Während der Dauer der Krise erhielt Griechenland von seinen Gläubigern mehr als 273 Mrd. Euro, mit schmerzhaften Reformen als Gegenleistung und viele Male nach „geräuschvollen“ Verhandlungen mit Berlin. Alexis Tsipras hat nun vor, den im Mai 2018 präsentierten Konjunkturplan bezüglich der für die harten Folgen der Rezession anfälligsten gesellschaftlichen Gruppen umzusetzen. Für Klaus Regling stellt sich allerdings kein Thema, die Defizite unkontrolliert zu lassen: „Griechenland wird seinen Partnern und den Märkten beweisen müssen, dass es verpflichtet ist, die vorausgegangenen Reformen nicht zu kippen und langfristig die notwendigen wirtschaftlichen und fiskalischen Politiken zu befolgen, damit es eine kompakte Wirtschaft darstellt, die Wachstum und Arbeitsplätze schafft.

IWF unterminiert Griechenlands Gang an die Finanzmärkte

Und während Griechen und Europäer sich befriedigt fühlten, goss am 31/07 der IWF „Öl ins Feuer„, indem er die langfristige Tragfähigkeit der Verschuldung Griechenlands bezweifelte und ein weiteres Mal zeigte, dass er mit der europäischen Analyse nicht konvergiert. Diese Äußerung droht jedoch, den Zweifel der Investoren noch mehr aufrechtzuerhalten und stellt die Rückkehr Griechenlands an die internationalen Finanzmärkte „bloß“.

Spezieller nimmt der IWF an, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen bei einem kurz- und mittelfristigen Horizont ausreichend sein sollten. Trotzdem schätzt er bei einem langfristigen Horizont ein, dass die Prognosen der Kommission in Bezug auf Wachstum und Primärüberschuss übertrieben optimistisch sind. Gemäß seinem eigenen Szenarium werden die Kosten der griechischen Verschuldung „nach 2038 in einen kontinuierlichen Anstieg eintreten“ und eine Explosion der Finanzierungsbedürfnisse über die Grenze von 20% des BIP hinaus verzeichnen. Die geschäftsführenden Direktoren des Fonds bestätigen, dass in jenem Zeitpunkt „eine zusätzliche Erleichterung der Verschuldung nötig sein würde, damit die Tragfähigkeit der Verschuldung gewährleistet wird“.

Die im Juni 2018 getroffene Vereinbarung sieht eine „Neubewertung der Lage im Jahr 2032 vor, damit festgelegt wird, ob zusätzliche Erleichterungsmaßnahmen erforderlich sind„. Wie der IWF versichert, muss dieses Prozedere jedoch „realistischen Annahmen gehorchen„. Die Europäische Kommission reagierte auf diesen Bericht, indem sie versicherte, „die Erleichterung der Verschuldung Griechenlands war ausreichend„. Weiter führte sie nachdrücklich an, „die Europäer sind jene, die das Programm finanziert haben„, und notierte, dass „der IWF für seine systematisch pessimistischen Prognosen bekannt ist„.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.