Griechenland: Eine Nation im Kriegszustand

29. Juli 2018 / Aufrufe: 983

Was in Griechenland 2007 begann, wird nicht aufhören.

In Griechenland sammeln wir wieder unsere Scherben ein. Wir sammeln wieder unsere Toten ein. So wie es scheint, werden wir uns damit abfinden müssen: Das, was 2007 begann, wird nie aufhören.

Wir werden keine Ruhe finden. Wir werden nur einige Ruhepausen, grundsätzlich jedoch eine in ständiger Alarmbereitschaft befindliche kriegführende Kriegsnation sein.

Griechenland kommt seit 2007 nicht mehr zur Ruhe

Derzeit verabschieden wir Dutzende unserer Mitbürger, die am Datum eines Unglückstags „von uns gingen“, das Erinnerungen an die nationale Tragödie Zyperns aufweckt: der 23 Juli. Es gingen jedoch andere Ereignisse voraus. Unser nationaler „Kalender“ ist in den letzten 10 Jahren voll von Tragödien. Selbst wenn ein Krieg stattgefunden haben sollte, hätte das Land nicht solche Verluste erlitten. Ich rufe einfach mal nur in Erinnerung:

  • Die Brände in Parnitha und Elis im Juni und August 2007 unmittelbar nach der Verkündung der nationalen Wahlen. Damals verloren wir 63 unserer Mitbürger in 13 Präfekturen. Es wurden 1.500 Häuser vollständig zerstört und 6.000 Menschen obdachlos. Die Sachschäden wurden auf 3,5 Mrd. Euro veranschlagt. In Parnitha wurden 5.600 Hektar Wald vernichtet.
  • Die Ereignisse im Dezember 2008 nach der Ermordung des Alexandros Grigoropoulos (durch einen Polizeibeamten). Während deren Dauer wurde Athen ganze zwei Wochen lang der Gnade pyromanischer Anarchisten und anderen Gruppen von Ausländern überlassen, die in einem Wahn jeden Abend das Stadtzentrum zerstörten. Die Eindrücke waren dermaßen katalytisch, dass Minister vorschlugen, das Militär zu mobilisieren und den Belagerungszustand des Landes auszurufen. Die von den „spontanen“ Demonstranten an den privaten Vermögen verursachten Schäden beliefen sich auf rund 100 Mio. Euro. Damals war es auch das erste Mal, wo die „Spreads“ der griechischen Staatsanleihen anstiegen.
  • 2010 erlebten wir zum ersten Mal den Albtraum des Staatsbankrotts, der von dem selbigen Premierminister in Kastelorizi bestätigt wurde. Aus diesem „Abenteuer“ ging jeder Grieche um 60% ärmer hervor, während auch 50% des BIP verloren gingen.
  • 2011 wurde das Land von den Demonstrationen der „Wutbürger“, der Entlassung von 1.500.000 Arbeitnehmern, der Auswanderung 500.000 junger Wissenschaftler und den Suiziden 2.833 unserer Mitbürger erschüttert.
  • 2015 erlebten wir den Schock der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen und die Drohung der Rückkehr zur Drachme.
  • 2016 durchlebten wir die Erfahrung einer Handhabung der Flüchtlingskrise. Die Einwohner der Ägäis-Inseln schleppten eine ganze Nation auf ihren Schultern. 1.000.000 Million Ausländer passierten unseren Boden, während sich für Dutzende andere die Ägäis als ihr nasses Grab erwies.
  • 2017 verloren wir 24 Mitbürger bei den Überschwemmungen in Mandra / Attika.
  • In der selben Periode befanden sich unsere Beziehungen zu der Türkei in stetiger Spannung, mit andauernden Grenzzwischenfällen, während wir jüngst auch mit Russland im „Nadir“ angelangten.

Griechenland ist ein schwieriges Land und verdient zumindest Respekt

Welches Bild gestaltet sich mit all diesem? Jedes Jahr haben wir auch eine Krise: Wir verbrennen, ertrinken, gehen pleite, verüben Selbstmord, wandern aus, verlieren unsere Arbeit, werden vernichtet, machen uns für andere stark, streiten uns – irgendwas passiert uns jedenfalls immer. Irgendwas, das uns bescheidet, dass es hier nicht stabil und ruhig ist.

Griechenland ist ein schwieriges Land. Einerseits wird es von einem erfahrenen, lauthalsen aber auch gelassenen, anspruchsvollen aber auch nachgiebigen, nüchternen aber auch argwöhnischen Volk bewohnt. Einem sehr argwöhnischen Volk.

Unser Thema ist allerdings nicht, ob wir erfahren sind. Das sind wir. Ich denke jedoch, dass all den Leuten, die straucheln, stürzen, sich aufrappeln, auf ihre Füße zu stehen kommen und kurz danach wieder hinfallen, sowohl seitens derer, die sie regieren, als auch jener, von denen sie bekämpft werden, mehr Respekt gebührt.

Wie lange soll man das aushalten?! In einem Moment, wo wir uns angeblich aufzurappeln beginnen, droht uns (erneut) der Zusammenruch. Das ist traurig.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Manolis Kottakis)

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