Das verfolgte Unternehmertum in Griechenland

26. Juli 2018 / Aufrufe: 607

In Griechenland liegt das Problem mit der freien Marktwirtschaft in ihrer völligen Dämonisierung durch die Linke.

Wer in Griechenland mit Menschen des Handels, der Unternehmen und des Markts, mit Eigentümern von Personen- und mittelständischen Unternehmen, mit Kaufleuten spricht, die ein Leben lang darum kämpfen, sich unternehmerisch aufrecht zu halten, wird eine tief eingedrungene Zurückhaltung, eine etablierte Enttäuschung feststellen.

Das ist natürlich zu erwarten, da das, was wir durchleben, mittlerweile die Ermordung des griechischen Unternehmertums zum Nutzen eines auf parteilichen Bedürfen gegründeten Staatsapparats ist.

Unternehmer sind in Griechenland per se verdächtig

Das Problem mit dem freien Markt liegt in Griechenland in seiner völligen Dämonisierung durch die Linke. Es handelt sich um eine enttäuschen Lage, die seit vielen Jahrzehnten aufrecht erhalten wird. Die private (wirtschaftliche) Initiative gilt mittlerweile als de facto verdächtig. Der Unternehmer ist immer Angeklagter, als der Steuerhinterziehung, der Ausnutzung seiner Beschäftigten, als unverschämter kapitalistischer Boss verdächtig, der bereit ist, dem Arbeitnehmer das Blut auszusaugen.

All dies sollte natürlich nicht einmal zur Diskussion stehen, da wir uns in einem Land befinden, das buchstäblich von Privatleuten und Wohltätern geschaffen wurde, die zugunsten der Nation ihr eigenes Vermögen stifteten und ihre privaten Unternehmen opferten.

Auf der anderen Seite zeigt sich der Staat als Schützer der Schwachen. Zuweilen sputen sich Menschen der Linken, den Staatsapparat als notwendig und gut zu verteidigen, selbst wenn er nicht regulär funktioniert. Paradebeispiele sind „Öffentliche Elektrizitätsgesellschaft“ (DEI) und „Griechische Rundfunk- und Fernsehanstalt“ (ERT). Und wer allein nur daran denken sollte, über die völlige Entkopplung des Staats von Telekommunikations-, Informations- und Energiewesen und der Erbringung von Nachrichtendiensten zu diskutieren, wird als Volksfeind behandelt werden!

Diese Lächerlichkeit hat Griechenland selbstverständlich Milliarden Euro gekostet, die auf vielen anderen Bereichen investiert werden hätten können. Und diese Situation wird sich natürlich nicht ändern, insbesondere nicht, solange die SYRIZA regiert.

Griechenland nutzt seine komparativen Vorteile nicht

Welche ist die Logik dieser Regierung? Es reichte nicht, ein Land mit ungefähr 700.000 öffentlichen Bediensteten, 3.000.000 Rentnern und – hauptsächlich von dem privaten Sektor kommenden – 1.500.000 Arbeitslosen zu sein, sie schreitet obendrein zu Wiedereinstellungen und einem Aufschub für die Frühpensionäre bis 2025. Wir sollen also den Parteistaat weiter aufblähen, weil dies angeblich ein Auftrag des Volkes ist, aber auch darin fortfahren, 35-jährige Rentner zu bezahlen – und zwar in einem Moment, wo der Durchschnittswert der Pensionierung 55-Jähriger größer als der entsprechende Wert bei den 65-Jährigen ist.

Dagegen werden keine Wege untersucht, damit die ein organisches Element der griechischen Wirtschaft darstellenden Kleinunternehmen wettbewerbsfähiger gemacht werden. Und in einem schlechten / falsch verstandenen Sinn führt Griechenland Schemata, Quoten und Zahlen ein, welche die westlichen Länder befolgen, deren historische Entwicklung jedoch völlig unterschiedlich ist, sprich von großen Industriebetrieben und Unternehmen geprägt wurde. Und dabei wird der Umstand verschwiegen, dass es – wenn die Sozialabgaben gesenkt und Anreize gegeben werden – absolut möglich ist, dass kleine Unternehmen mit geringem Kapital komplexe Produkte produzieren. Stichwort: Startups. Daher auch die Bedeutung des „komparativen Vorteils„.

Es ergibt sich eine Feststellung, eine Notwendigkeit. Es ist an der Zeit, wo auferlegt ist, dass die Menschen des Markts, die Unterstützer der freien Wirtschaft, vortreten und sich zu Wort melden. Ihre Positionen aufzeigen und den Mythen der Linken den Menschenschlag des griechischen Unternehmers gegenüberstellen, der bessere Lösungen als der überholte und arteriosklerotische Staatsapparat geben kann.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Raphael Kaliviotis, Politwissenschaftler und Gründer des Griechischen Netzwerks Konservativer DIESY)

  1. Anton
    26. Juli 2018, 15:10 | #1

    Na, ich weiß nicht… Ricardos Theorie vom komparativen Vorteil war doch immer schon eher nur Theorie. Außerdem läuft es doch genau so: Griechenlands Vorteil sollen die sonnigen Strände für die nordischen Touristen sein – profitable Industrie dagegen Sache bes. der Deutschen. Trotzdem haben die griechischen Mittelständler recht mit ihrer Enttäuschung. Aber man sollte sie auch darauf hinweisen, dass z.B. allein in Bayern 2017 mindestens 500 kleine Lebensmittelläden aufgeben mussten, weil sie gegen die großen Konzerne unterlagen. Was haben da die Linken mit marktwirtschaftlichen Mechanismen zu tun – außer das „die Kleinen“ für BIP-Überschüsse aufgrund von Schulden bluten sollen? Aber was ist die Alternative? Raphael Kaliviotis Erfindung des linken Buhmanns ist typisch konservativ: Einerseits will man an den marktwirtschaftlichen Mechanismen des Untergangs der kleinen Mittelständler gar nichts ändern, andererseits macht man die Politik dafür verantwortlich, wo Eingriffe in die marktwirtschaftliche Konkurrenz und – heute noch wichtiger – in die internationale Finanzwirtschaft erforderlichen wären. Das will man natürlich auch nicht, weshalb der geplagte Mittelstand spätestens bei einer konservativen Regierung merken würde, dass nichts besser wäre – eher noch schlechter.

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