Warum UNICEF den Landesverband in Griechenland „suspendierte“

10. Mai 2018 / Aufrufe: 344

Griechenlands stellvertretender Außenminister Giorgos Katrougkalos zeigte sich über die bei der UNICEF Hellas herrschende Lage informiert.

Ich habe ein Bild davon, was bei der UNICEF läuft. Früher war ich am Vorstand beteiligt und habe versucht, der jetzigen Vorsitzenden Frau Tzitzikou bei ihrer großen Bemühung zu helfen, die im Argen liegenden Dinge zu finden und zu korrigieren„, erklärte Giorgos Katrougkalos charakteristisch in einem an den Radiosender „Sto Kokkino“ gegebenen Interview.

Weiter fügte er an, „der Landesverband der UNICEF in Griechenland hat die Form einer Körperschaft. Sobald Frau Tzitzikou das Amt der Vorsitzenden antrat, verlangte sie wie jeder logische Mensch, dass eine Prüfung der Finanzen erfolgt. Daraus ergaben sich leider sehr signifikante Dinge, eine wirtschaftliche Unregelmäßigkeit bei der Verwaltung von Geldern (undurchsichtige buchhalterische Beobachtung), Familienwirtschaft bei den Einstellungen, sehr hohe Gehälter an gewisse Funktionäre und sehr niedrige an andere usw.).

Deloitte enthüllt langjährige Misswirtschaft bei UNICEF Hellas

Der stellvertretende Außenminister fuhr fort und meinte, „weder die Notwendigkeit einer Prüfung noch die Feststellung, dass die Dinge nicht gut liefen, stellt eine Besessenheit der Frau Tzitzikou dar. Die Mutter-Organisation UNICEF, der die Verantwortung für die Beaufsichtigung obliegt, ist genau der selben Ansicht, deswegen beschloss sie, den Betrieb der wie heute funktionierenden Körperschaft zu unterbrechen, damit deren Sanierung erfolgt.

Die in dem Bericht der Gesellschaft Deloitte umfassten Befunde ergänzen schrittweise das Puzzle einer Geschichte, die bei der griechischen Organisation Phänomene von Schwerfälligkeit und Misswirtschaft, Missachtungen der Geschäftsordnung, unerklärliche Bonuszahlungen an leitende Funktionäre, aber auch Kreditvergaben ohne Beschluss des Exekutivrats zeigt.

Gleichzeitig zeigt besagter Bericht Verschwendungen und Zahlungsanweisungen, die auf Bewirtungskosten und Ausgabenaufstellungen verweisen, die sich jedoch – wie sich ergab – nicht auf Reisen, sondern auf eine Deckung persönlicher Aufwendungen beziehen.

Der „Saftladen“ der UNICEF Hellas

Wie die Vorsitzende des griechischen nationalen Komitees, Frau Sofia Tzitzikou (die den Vorsitz nach dem Versterben des Lambros Kanellopoulos antrat), mitteilte, wurde auf Initiative des heutigen Exekutivrats (die Position der Mitglieder und des jeweiligen Vorsitzenden ist ehrenamtlich und nicht vergütet) eine Prüfung verwirklicht und stellte Anlass für die weitere Nachforschung dar, die seitens der internationalen Organisation folgte und fünfzehn Jahre zurückreichte. Die Befunde waren folgende:

  • Nichteinhaltung der Geschäftsordnung in konkreten Punkten. (In Bezug auf Unvereinbarkeit von Aufgaben, Bankvollmachten, Genehmigungen von Gehaltsangleichungen, Genehmigungen von Entschädigungen und diversen Leistungen an das Personal.)
  • Unzulänglichkeit oder / und Notwendigkeit einer Neuformulierung der geltenden Geschäftsordnung.
  • Nicht dokumentierte Unterrichtung des Exekutivrats über wirtschaftliche und Geschäftsführungsthemen. (Unterrichtung des Exekutivrats über Gehaltsthemen, Kredite an das Personal, Höhe und Zusammensetzung von Ausgaben.)
  • Die Formulierung der Kontrollmechanismen der bestehenden Sicherheitsvorkehrungen ist unzureichend / ungenau.
  • Keine klar gesetzten Grenzen und Beschränkungen bei der Natur der Ausgaben des Komitees.

Außerordentliche Vergütungen aus EU-Programmen

Die Seiten des Berichts studierend stellt man unter anderem fest, dass – obwohl von der Geschäftsordnung vorgesehen – „niemals irgendeine Beurteilung des Personals erfolgt war“, sowie zusätzlich auch, dass „die Gehaltsaufstellungen des Jahres 2014 außerordentliche Vergütungen ausweisen, die um 10.499 Euro über dem in der allgemeinen Buchhaltung als Kosten erscheinenden Betrag liegen. Es geht um außerordentliche Vergütungen, die im Rahmen zweier von der Europäischen Union subventionierter Programme (NSRP, ECHO) an eine Reihe Beschäftigter entrichtet wurden. Die Kosten der Bezüge sind nicht über ein Ausgabenkonto gelaufen, sondern haben die Bilanz des jeweiligen Programms belastet und wurden als das Verbindlichkeitskonto mindernd ausgewiesen.

Bemerkenswert ist, dass für die außerordentlichen Vergütungen an Personen des Personals kein einschlägiger Beschluss des Exekutivrats existierte.

Aus den Gehaltsaufstellungen der Jahre 2013, 2014 und 2015 sind die Bruttobezüge, welche die drei Komitee-Direktoren für Communication, Advocary & Education, für Verwaltungsdienste und für Schenkungen, Marketing und Vertrieb beziehen, größer als die von dem Exekutivrat genehmigten Beträge sind.“ Die Grundbezüge des Direktors für Communication, Advocary & Education betrugen 5.885 Euro, des Direktors für Finanzen und Verwaltungsdienstleistungen 5.685 Euro und des Direktors für Schenkungen, Marketing und Vertrieb 5.285 Euro. Die protokollgemäß genehmigte Vergütung für jeden war dagegen 4.500 Euro.

Dubiose Kredite, Tankbelege und Spesenrechnungen

Hinsichtlich des Themas der Gewährung von Krediten an Beschäftigte merkt der Bericht an: „Wir stellten fest, dass während der Dauer der drei Jahre 2013 – 2015 dem Personal ohne Beschluss des Exekutivrats Kredite gewährt wurden. Für den Betrag der Kredite wurde keine Stempelgebühr berechnet und abgeführt.“ Es erfolgt sogar eine spezielle Bezugnahme auf den Fall eines Kredits in anfänglicher Höhe von 45.000 Euro und die außerordentlichen Vorauszahlungen, die bis 2016 der Finanzdirektor erhielt.

Einer Untersuchung unterzogen wurden auch die außerordentlichen Personalvergütungen, wobei sich ergab, dass uns in den meisten Fällen – unter Ausnahme eines einzigen – „keine schriftlichen Genehmigungen zur Berücksichtigung (bei-) gebracht wurden„.

Entsprechend ist auch die Situation auf dem Sektor der Ausgaben. „Es wurden Reiseabrechnungen ausfindig gemacht, für welche die beigebrachten Belege (Quittungen) niedriger als der (aus-) gezahlte Betrag sind.“ Parallel festgestellt wurden „Ausgaben von über 5.000 Euro, für die keine – wie von der Geschäftsordnung vorgesehene – Vorbewilligung beigebracht wurde“, sowie auch „eine Rechnung eines Lieferanten über Treibstoffkauf für Transportmittel, bei der die beigefügten Belege im Eigenbesitz befindliche Transportmittel des Komitees sowie auch Transportmittel umfassen, die nicht im Betriebsmittelverzeichnis des Komitees enthalten waren„. (Klartext: Es wurden Tankrechnungen für Privatfahrzeuge eingereicht.)

Unter diesen Befunden ergab sich noch Folgendes: „Für eine dreitägige Reise im Inland wurden Ausgaben in Höhe von 1.126,90 € entschädigt [entrichtet wurden 416 € „Kilometergeld“ (sprich Entschädigung für kilometerbedingten Fahrzeugverschleiß), 225 € als Ausgaben für einen zweitägigen Aufenthalt (Übernachtungskosten), 189,20 € als Bewirtungskosten (Ernährung), 197 € für Benzin, 52 € für Parkgebühren und 47,70 € für Mautgebühren].

(Quelle: dikaiologitika.gr)

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